Niederländische Plauderei

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STAMMTISCH. Konversationstraining der ungezwungenen Art gönnen sich einige Gäste der "Hubertus-Stuben" einmal im Monat. Jeder hat so seine besondere Beziehung zu der Sprache des Nachbarn.

HILDEN. Montag 19 Uhr. Die "Hubertus-Stuben" an der Schulstraße füllen sich langsam. Einige der Gäste sind aus einem ganz speziellen Grund gekommen: Sie wollen holländisch sprechen. Seit zwei Monaten trifft sich in der Gaststätte an jedem ersten Montag im Monat der Niederländisch-Stammtisch. "Bei unserem ersten Treffen waren 20 Leute hier. Heute sind es deutlich weniger. Aber es sind ja auch Ferien", erzählt die gebürtige Niederländerin Barbara Hartmann, die mit ihrer Tochter Ilona dabei ist.

Bei Bier und Wein sitzen die Sprachfans beisammen, tauschen niederländische Bücher und Zeitschriften aus und unterhalten sich über Gott und die Welt, natürlich auf Niederländisch. "Zwei Strömungen treffen hier aufeinander: Die einen sind gebürtige Holländer, die die Sprache perfekt sprechen. Die anderen haben Niederländisch an der Volkshochschule oder im Urlaub gelernt und möchten ihre Kenntnisse vertiefen", erklärt Ilona Hartmann.

Natürlich schleichen sich bei denjenigen, die in der Fremdsprache noch nicht so zuhause sind, hin und wieder kleine Fehler ein. So klingen manche Sätze für die Muttersprachler ein bisschen schräg. Doch in der lockeren Runde geht es gar nicht so sehr um Perfektion.

Das Wichtigste ist, sich überhaupt auf Niederländisch möglichst ungezwungen zu unterhalten, und wenn einem dann doch trotz Kopfzerbrechen das richtige Wort nicht einfällt, dann bleibt ja immer noch die Möglichkeit, aufs Deutsche zurückzugreifen. Was sie an der Sprache des Nachbarlandes so interessiert oder auch fasziniert, haben vier Teilnehmer der NRZ im Detail erzählt.

Erna Herbers (82):"Ich bin in Amsterdam geboren. Eigentlich wollte ich nie nach Deutschland kommen. Aber dann habe ich im Krieg meinen Mann kennengelernt und bin 1945 mit ihm hierher gezogen. Durch meine Herkunft kann ich die Sprache perfekt, habe aber hier nicht so oft die Gelegenheit, niederländisch zu sprechen, deshalb ist der Stammtisch für mich perfekt."

Ilona Hartmann (34):"Meine Mutter ist Holländerin, zuhause haben wir aber früher nie holländisch gesprochen. Das kam erst, als ich am Gymnasium einen Kurs in Niederländisch belegt habe. Da wollte ich natürlich üben, das ging sogar so weit, dass Niederländisch zu einer Geheimsprache zwischen mir und meiner Mutter wurde. Jetzt bewerbe ich mich in Maastricht um eine Stelle an einer Rehaklinik und nutze jede Gelegenheit mich auf Holländisch zu unterhalten."

Karin Hartmann (63):"Ich habe mehrere VHS-Kurse in Niederländisch belegt. Wir fahren im Urlaub oft nach Holland und haben bisher immer deutsch gesprochen. Ich finde es aber höflicher, wenn man sich mit den Leuten in der Landessprache unterhalten kann. Außerdem ist meine Tochter mit einem Flamen verheiratet. Vielleicht bekomme ich ja bald ein flämisches Enkelkind, und mit dem möchte ich dann ja auch reden können."

Huyghebaert Willem (68):"Ich komme aus Flamen und bin 1962 aus beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen. Hier hatte ich bis jetzt nur selten die Möglichkeit, niederländisch zu sprechen. Wenn ich bei meinem Bruder in Belgien zu Besuch bin, sagt er immer, dass ich mich inzwischen schon anhöre wie ein Deutscher, der niederländisch spricht. Das lasse ich nicht auf mir sitzen."

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