Forschungsprojekt

Obdachlose zeigen ihre Angsträume in Düsseldorf

Sexarbeiterinnen haben mit einer Einwegkamera ihre persönlichen Angsträume dokumentiert. Dazu gehört etwa die Charlottenstraße/Ecke Immermannstraße, wo oft auf dem Straßenstrich gearbeitet wird.

Sexarbeiterinnen haben mit einer Einwegkamera ihre persönlichen Angsträume dokumentiert. Dazu gehört etwa die Charlottenstraße/Ecke Immermannstraße, wo oft auf dem Straßenstrich gearbeitet wird.

Foto: Forschungsprojekt Angsträume

Düsseldorf.  Auch Menschen, die auf der Straße leben haben Angst-Räume – Studierende der Hochschule Düsseldorf wollen öffentliche Plätze sicher machen.

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Es ist nachts und der Weg führt unter spärlich beleuchteten Bahnunterführungen und dunklen Brücken nach Hause. Ein beklemmendes Gefühl bis hin zur Angst macht sich breit. Meist kommt man dann aber in der eigenen gemütlichen Wohnung an und schon sind die Sorgen wieder vergessen. Obdachlose und andere Menschen, deren Leben hauptsächlich auf der Straße stattfindet, haben dieses beruhigende Gefühl von Sicherheit nur selten. Studierende der Hochschule Düsseldorf haben es sich deshalb zu Aufgabe gemacht zu erforschen, wo sich etwa für Wohnungslose Angsträume in Düsseldorf befinden. Das Projekt soll auf einer Tagung am 22. August ausführlich vorgestellt werden, erste Ergebnisse gab es jetzt schon vorab.

Wohlfühlräume existieren vor allem in der Natur

„Wenn in Düsseldorf Flächen öffentlich bebaut werden, dann versucht man meist durch Kameras und gute Beleuchtung einen sicheren Raum für die Bürger zu schaffen“, so Kai Hauprich, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Düsseldorf. An Wohnungslose werde dabei aber nicht gedacht. Ziel des Forschungsprojekts sei es deshalb genau diesen Menschen bei der Planung öffentlicher Plätze und Flächen eine Stimme zu geben. „Um zu schauen, wie Menschen die auf der Straße leben, die Stadt gestalten würden“, so Hauprich.

Zu diesem Zweck hat sich Anfang Mai eine Forschungsgruppe mit etwa sechs Studierenden an der Hochschule gebildet. „Wir haben uns mit Menschen getroffen, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist. Dazu gehören nicht nur Wohnungs- und Obdachlose, sondern auch Junkies und Sexarbeiterinnen“, sagt Nina Rudolf, Studentin der Sozialarbeit an der Hochschule. In Gesprächen sowie Stadtbegehungen zeigten die Betroffenen ihre Angst-, aber auch Wohlfühlräume. „Letztere befinden sich vor allem dort wo Natur ist, also im Grünen oder in der Nähe zum Wasser“, sagt Charlyn Eisenlauer, ebenfalls Studentin der Sozialarbeit.

Wohnungslosen drohen auf Plätzen viele Gefahren

Angsträume wohnungsloser Menschen überschneiden sich natürlich mit denen der restlichen Gesellschaft. Auch Obdachlose haben Angst vor dunklen Gassen und Gruppen stark alkoholisierter Jugendlicher. Dennoch gibt es spezifische Angsträume. „Von Sexarbeiterinnen etwa wurde oft die Charlottenstraße als Angstraum genannt. Also dort wo sie sich die meiste Zeit des Tages auch aufhalten“, berichtet Eisenlauer. Von Wohnungslosen wird immer wieder der Worringer Platz genannt. „Dort verbringen viele Betroffene die meiste Zeit des Tages und übernachten auch oft dort. Der Platz ist deshalb auch Anlaufpunkt für viele Wohnungslose, weil zahlreiche Hilfseinrichtung, wie etwa die Notschlafstelle in der Nähe sind“, sagt Projektleiter Kai Hauprich. Wenn man dort übernachtet ist man aber vielen Gefahren ausgesetzt. „Wohnungslose haben Angst davor von anderen Personen im Schlaf beklaut oder angegriffen zu werden. Auch die Angst vor sexuellen Übergriffen wird oft genannt“, so Hauprich.

Obdachlose fühlen sich am Worringer Platz nicht wohl – das trifft wohl auch auf die restlichen Düsseldorfer zu. Die Gründe dürften jedoch unterschiedlich sein: „Als Obdachloser oder Junkie fühlt man sich dort einfach unter ständiger Beobachtung. Das ist vielen unangenehm“, sagt Studentin Nina Rudolf. Hinzu komme das Gefühl unerwünscht zu sein in der Gesellschaft und die ständige Vertreibung von öffentlichen Plätzen durch den Sicherheitsdienst und das Ordnungsamt.

Obdachlose sollen bei öffentlicher Gestaltung mitplanen

Doch viele Anlaufstellen gebe es für diese Menschen nicht: „Seit der Immermannhof am Hauptbahnhof umgestaltet wurde halten sich dort kaum noch Menschen auf. Das führt natürlich auch dazu, dass ein Großteil der Personen an die anderen öffentlichen Plätze geht, die noch zur Verfügung stehen“, sagt Charlyn Eisenlauer. Dadurch käme es zu größeren Ansammlungen auf einzelnen Plätzen und somit auch zu mehr Konfliktpotenzial. Mit einfachen Mitteln könne man öffentliche Plätze, an denen Spritzen und anderes Fixer-Werkzeug liegen, angenehmer gestalten. „Etwa indem extra Kästen für Spritzen und Drogenreste aufgestellt werden. Abhängige lassen das nicht mit Absicht liegen, sondern weil sie Angst haben damit vom Ordnungsamt erwischt zu werden“, so Hauprich.

Für den Vortrag im Zakk am 22. August, 19.30 Uhr sind von den Problemen Betroffene sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung eingeladen. „Wir hoffen, dass in Zukunft auch etwa Wohnungslose mit in den Gestaltungsprozess der Stadt aufgenommen werden“, sagt Projektleiter Kai Hauprich.

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