"Oh, du Fröhliche" im Stundentakt

Foto: Judith Michaelis

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In der evangelischen Martin-Luther-Kirche in Reusrath bieten Pfarrer Christof Bleckmann und Pfarrerin Annegret Duffe den Gläubigen am Heiligen Abend insgesamt fünf Gottesdienste an.

50 Menschen – so viele feiern im Schnitt an einem normalen Sonntag den Gottesdienst in der evangelischen Martin-Luther-Kirche in Reusrath. An Heiligabend dagegen sind es bis zu 1000. Da reichten drei Gottesdienste bei weitem nicht aus, selbst vier waren nicht genug. Nachdem die kleine Kirche an der Trompeter Straße, in der etwa 160 bis 200 Menschen sitzen können, im Jahr 1998 wieder einmal aus allen Nähten geplatzt war, beschlossen Pfarrer Christof Bleckmann und Pfarrerin Annegret Duffe die Zahl der Gottesdienste am 24. Dezember auf fünf aufzustocken.

Im Stundentakt, um 15, 16, 17 und 18 Uhr, und schließlich noch einmal um 23 Uhr kommen die Reusrather Gemeindeglieder nun zusammen. Für viele von ihnen ist es die einzige Gottesdienstfeier im Jahr, die sie besuchen. Für das Pfarrerpaar, das den Gemeindebezirk gemeinsam betreut, ist gerade das ein Grund, an den äußeren Bedingungen zu feilen. „Wenn die Menschen denn schon kommen, gehören sie auch besonders behandelt”, sagt Christof Bleckmann.

Im Gang oder gar im zugigen Windfang stehen zu müssen, gehört da nicht zu. „Dann kommen manche im nächsten Jahr erst gar nicht mehr wieder”, fürchtet Annegret Duffe. Also bleibt es bei dem großen Angebot. Die Pfarrerin und ihr Mann teilen die Gottesdienste untereinander auf. „In diesem Jahr tauschen wir zum ersten Mal, um nicht der Routine zu verfallen”, berichtet Duffe. Sie übernimmt den Krabbel- und die beiden Familiengottesdienste mit Sing- und Krippenspiel am Nachmittag, Pfarrer Bleckmann den 23-Uhr-Gottesdienst sowie den am ersten Weihnachtsfeiertag.

Um 18 Uhr haben beide frei, dann feiert ein Kollege den Gottesdienst und Bleckmann, Duffe und ihre Kinder den Heiligen Abend – „wie jede andere Familie auch”, so der Pfarrer. Lange haben sie experimentiert, welche Zeiten sich am besten für die fünf Gottesdienste eignen. Jetzt passt es, die Kirche ist gleichmäßig besucht.

Der Stundentakt am Nachmittag erfordert allerdings einiges an Organisation. „Die Menschen müssen ja noch geordnet aus der Kirche raus- und reinkommen”, sagt Bleckmann lachend. Eine Gruppe Freiwilliger überwacht deshalb nach den jeweils 45 Minuten langen Gottesdiensten den Wechsel in den Bänken, verteilt Liedzettel und Hustenbonbons.

Die Liedauswahl ähnele sich an jedem Heiligabend, sagt Bleckmann. Es sind bekannte Stücke wie „Oh, du Fröhliche” oder „Ihr Kinderlein kommet”. „Die Menschen möchten zu Weihnachten Vertrautes singen”, sagt Annegret Duffe – gerade die, die nur einmal im Jahr in die Kirche gehen. Sie sollen mitsingen können und sich zugehörig fühlen, ist sich das Pfarrerpaar einig. Aus dem gleichen Grund müsse der Gottesdienst-Ablauf auch besonders klar ein.

Den Überblick in all den gut besuchten Gottesdiensten mit Sing- und Krippenspielen sowie Chorauftritten zu behalten, „erfordert große Konzentration”, sagt Pfarrerin Duffe. Es sei aber gleichzeitig „eine große Freude”. Bleckmann erzählt, besonders in den Familiengottesdiensten herrsche eine „Mischung aus quirliger Lustigkeit und knisternder Spannung”.

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