Historie

Orte der NS-Zeit in Hilden

Foto: Lars Heidrich

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Hilden. Stadtarchivar Antweiler kennt Vorfälle und Anekdoten aus dem Hilden des dritten Reichs - eine Reise zu Gräbern von Zwangsarbeitern und Nazi-Treffpunkten.

Das Wetter war der beste Regisseur. So gut war die von VHS und Stadtarchiv organisierte Führung in Szene gesetzt. Titel: „Stationen der NS- Geschichte”. Über Täter und Opfer, über Schicksale und Schauplätze des Nationalsozialismus erzählte Stadtarchivar Wolfgang Antweiler an 14 ausgewählten Stationen. Dazu passten graue Wolken und strömender Regen. „Nur trockene Füße wären nicht schlecht”, meinte Antweiler, voll Anerkennung für das Durchhaltevermögen seiner Zuhörer. Ein Exkurs in ein dunkles Kapitel Hildener Geschichte.

Los ging es beim Alten Helmholtz. Dort veranstaltete die NSDAP am 9. November 1938 eine Gedenkfeier für 16 Nationalsozialisten, die 15 Jahre früher beim Putschversuch für Hitler gestorben waren. Ein Teil der Gäste ging danach ins „Deutsche Haus” an der Benrather Straße, heute bekannt als „B20”.

Die ersten Opfer von Hilden

Antweiler erzählte: „Die Gäste erreichte die Nachricht von dem Attentat, das der polnische Jude Herschel Grynszpan auf den deutschen Botschafter Ernst Eduard vom Rath verübt hat – aus Rache, weil er das Deutsche Reich verlassen musste.”

Für die Nazis war der Anlass für die Novemberpogrome gefunden. Brutal: Vom „Deutschen Haus” aus zogen Schlägertrupps los und forderten Opfer, deren Namen heute auf den Stolpersteinen zu lesen sind: Eugenie und Ernst Willner. Mutter und Sohn gehörten zu den ersten Opfern – erst misshandelt, dann erschossen. Carl Herz wurde ebenfalls getötet von einer SA-Truppe in der Pogromnacht.

Erinnern die Stolpersteine an bestimmte Menschen, ist der bald 29 Jahre alte Gedenkstein im Stadtpark allen Opfergruppen gewidmet: „Den gemordeten jüdischen Bürgern, den antifaschistischen Widerstandskämpfern, den wegen ihres Glaubens von 1933 bis 1945 Verfolgten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung.”

Die nächste Station: das ehemalige Heim der Hitlerjugend. Heute ist dort unter anderem die Grundschule an der Schulstraße untergebracht. Eingeweiht wurde das Heim am 19. April 1938, am Vorabend von Hitlers 50. Geburtstag. Antweiler: „Dem Architekten Helmut Hentrich wurde vorgeworfen, er habe seine Seele an den Teufel verkauft, weil er für die Nazis baute.”

Nächster Halt: Der Sparkassen-Neubau. Dort stand bis Anfang der 70er das „Braune Haus”, die Hildener Zentrale der NSDAP, wo auch der damalige Ortsgruppenleiter Heinrich Thiele seinen Arbeitsplatz hatte. Sein Name findet sich auch auf einem der vielen Grabmale im Hauptfriedhof wieder.

3700 Zwangsarbeiter schufteten vor Ort

So auch die von Maria, Peter, Anna, Iwan... – ausländische Zwangsarbeiter, die ab Mai 1942 zwangsrekrutiert wurden. Antweiler: „In Hilden gab es mindestens 3700. Gestorben sind sie an den schlechten Arbeitsbedingungen und der fehlenden medizinischen Versorgung. Fluchtversuche waren aussichtslos. Im schlimmsten Fall kamen sie in Arbeitserziehungslager – vernichtet durch Arbeit.”

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