Oper

Packender Liebeskampf in Düsseldorfer Tonhalle

Ein packendes Erlebnis, was Principal Conductor Adam Fischer mit dem Orchester gestern in der Tonhalle präsentiert.

Ein packendes Erlebnis, was Principal Conductor Adam Fischer mit dem Orchester gestern in der Tonhalle präsentiert.

Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.  Jubel gab es für den Dirigenten Ádám Fischer. Die Vertonung der Oper „Herzog Blaubarts Burg“ in der Düsseldorfer Tonhalle war fast voll besetzt.

„Ach, wie dunkel ist Deine Burg!“ Ehrfurcht und Schauder mischen sich in Judiths Worte, wenn sie auf Liebesbekundungen des finsteren Herzogs Blaubart reagiert. Doch die begehrte Frau will, dass Blaubart sämtliche Türen in seinem Prachtschloss öffnet.

Psycho-Oper

Sie lässt nicht locker – bis zum bitteren Ende – bis die letzte Türe fällt und ewig Nacht wird. Das Märchen vom frauenmordenden Herzog vertonte Béla Bartók zu der Psycho-Oper „Herzog Blaubarts Burg“ mit allen musikalischen Finessen des französischen Impressionismus. In manchen bedrohlich funkelnden Orchesterausbrüchen lassen sich auch Anlehnungen an Strauss und Wagner erahnen. Zumindest so, wie Ádám Fischer es jetzt beim Abokonzert in der fast voll besetzten Tonhalle dirigiert.

Mit dem Kampf zwischen zwei Liebenden um Leben und Tod ist es mehr als ‚nur’ ein packendes Erlebnis, was Principal Conductor Fischer da präsentiert. Denn dem vor 100 Jahren komponierten ‚Blaubart’ stellen er und die Symphoniker im ersten Teil den Kampf von „Tancredi e Clorinde“ gegenüber. Vor 400 Jahren in Ton gesetzt von Claudio Monteverdi: Hier klirren die Waffen zwischen dem Christen Tancredi und der Sarazenin, also Muslimin, Clorinde, die ihn liebt, aber in Kampfmontur von ihm getötet wird.

500. Programm

Monteverdi in Italienisch gesungen, Bartók in Ungarisch. Beide mit Übertiteln, so dass man jede Wendung, jedes Aufbegehren der Protagonisten verstehen kann. Zwei Kurzopern aus verschiedenen Jahrhunderten, mit einem ähnlichen Sujet – ein außergewöhnliches Konzept, das vom Publikum mit Jubel gefeiert wurde, und mit dem Fischer in eine neue Schaffens-Phase eintritt. Er könnte damit auch eine Tür öffnen - in eine Richtung, in die sich künftig (nach Abschluss des Mahler-Haydn-Zyklus’) die von ihm dirigierten Konzerte bewegen könn(t)en. Einen äußeren Anlass für die Innovation des Tonhallen-Programms gibt es ebenfalls: Es ist/war seit 1978 (Eröffnung der Tonhalle) das 500. Programm des Symphonie-Konzerts, heute ‚Sternzeichen’ genannt.

Auf der Höh’ ihrer Spielkunst zeigen sich die Symphoniker, die, wie das Publikum, ein besonderes Verhältnis zu diesem Dirigenten haben. Einen frischen, leichtfüßigen und brillanten Monteverdi entfachen sie und zeigen sich den Anforderungen des Renaissance-Stils mit seinen durchlüfteten Tempi und fegenden Stürmen genauso gewachsen wie Bartóks aufgeladener, manchmal erhitzter, elektrisierender Dynamik.

verletzlicher Blaubart

Trotz konzertanter Aufführung bescher Fischer mit seinem Operntalent packende Musikdramen – die Sängerdarsteller stehen auf Podesten im Orchester, weit von einander entfernt. Stimmungswechsel werden betont durch Beleuchtung: Wenn Judith die Tür von Reichtum durchschreitet, glänzt die Tonhalle in hellem Licht, beim Betreten des Sees der Tränen verdunkelt es sich langsam.

Finster wird’s, wenn sie die letzte Türe öffnet, zu den Frauen, die Blaubart vorher geliebt und getötet hat. Der dramatische Mezzosopran von Dorottya Láng passt zur auftrumpfenden, selbstbewussten Judith, die alle (auch die letzten) Geheimnisse von Blaubart erfahren will. Bassbariton Miklos Sebestyén hält mit samtiger Tiefe dagegen, gibt einen verletzlichen Blaubart, der Judith warnt, mehr zu fragen, dabei immer leiser wird, am Ende verstummt.

Heute gibt es das Konzert noch einmal um 20 Uhr in der Tonhalle. Resttickets gibt es unter

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