Nahverkehr

Panne mit Prototyp - Rheinbahn beschuldigt Bombardier

Dieser Prototyp der neue Rheinbahn-Stadtbahnzüge vom Typ HF6 war im vergangenen Oktober in Duisburg an einen Bahnsteig im U-Bahnhof Duissern geschrammt - weil Teile des Fahrgestells zu breit sind.

Dieser Prototyp der neue Rheinbahn-Stadtbahnzüge vom Typ HF6 war im vergangenen Oktober in Duisburg an einen Bahnsteig im U-Bahnhof Duissern geschrammt - weil Teile des Fahrgestells zu breit sind.

Düsseldorf/Duisburg.   Im Streit um die Panne mit dem Stadtbahn-Prototypen in einem U-Bahnhof in Duisburg sieht die Rheinbahn nun den Hersteller in der Verantwortung.

Gut drei Monate nach der peinlichen Panne mit dem Prototypen der neuen Stadtbahnen vom Typ HF6, sieht man bei der Rheinbahn die Verantwortung nicht mehr bei sich alleine - im Gegenteil: „Auch der Hersteller Bombardier hat Fehler gemacht“, sagte ein Rheinbahnsprecher am Mittwoch auf Nachfrage.

Wie berichtet, war der Testzug Anfang Oktober bei einer Fahrt auf der Linie der U79 in einem U-Bahnhof in Duisburg an einen Niederflur-Bahnsteig geschrammt, offenbar wegen fehlerhafter Maße von Anbauteilen am Prototyp-Fahrzeug.

Der Rheinbahn komme in der Sache wohl nur „ein kleiner Rest an Schuld zu“. Das habe Rheinbahn-Vorstand Klaus Klar jüngst dem Aufsichtsrat mitgeteilt, berichtete der Rheinbahnsprecher: „Wir haben unser ‘Mea Culpa’ im Oktober ein bisschen zu schnell gesungen“.

„Das Problem lässt sich heilen“

Vorstand und Arbeitsdirektor Klaus Klar, der die Rheinbahn nach der Entlassung von Vorstandschef Michael Clausecker bis auf Weiteres alleine führt, hatte die Unterlagen geprüft. Klar ist seit 42 Jahren bei der Rheinbahn, startete dort mit einer Lehre zum Kraftfahrzeugschlosser und war später unter anderem Leiter der Zentralwerkstatt in Heerdt.

Er sei zum Ergebnis gekommen, dass nicht alleine das von der Rheinbahn zu verantwortenden „Lastenheft“ mit den technischen Vorgaben für den Bahnhersteller zu dem Problem geführt habe, sondern: „Bombardier hat sich nicht an bestimmte Baugrößen gehalten“. Zudem würde sich Bombardier mit den baulichen Besonderheiten mit Hoch- und Niederflurbahnsteigen in Duisburgs U-Bahnhöfen “bestens auskennen“, hält man dem kanadischen Großkonzern vor: „Die bauen auch für die Duisburger Verkehrsgesellschaft DVG Bahnen“.

Gleichwohl könnte es nun auf einen juristischen Streit hinauslaufen, war kurz vor Weihnachten hinter vorgehaltener Hand bei der Rheinbahn zu hören. Bombardier würde sich querstellen, während die Rheinbahn bemüht sei, eine gütliche Einigung zu finden, hieß es. Dabei sei die Technik am Zug nicht der strittige Punkt, sondern die Kostenfrage: „Technisch lässt sich das Problem heilen“, glaubt man bei der Rheinbahn.

Kein Einsatz in Duisburg

Insgesamt hat die Rheinbahn bei Bombardier 43 der neuen Züge bestellt. Auftragsvolumen: 120 Millionen Euro. Die ersten der Züge sollen Anfang 2019 ausgeliefert werden - mit einem Jahr Verspätung. Laut Bombardier waren im Oktober fünf Züge komplett fertig, fünf weitere in verschiedenen Baustufen in der Fertigung. Die Züge werden im sächsischen Bautzen gebaut.

Die neuen Stadtbahnen mit hohem Einstieg - das Kürzel steht für Hochflur-Bahn Typ 6 - sollen die bisher ältesten Rheinbahn-Fahrzeuge vom Typ GTS 8 SU aus den 1970er Jahren etwa auf den Linien U75 und U77 ersetzen. In Duisburg sollen die neuen Bahnen ohnehin nicht zum Einsatz kommen, hieß es bei der Rheinbahn. Nicht, weil die Züge zu breit sind für die dortigen Niederflur-Bahnsteige, sondern weil die Zugsicherung in Duisburg eine andere ist.

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