Uni-Klinik Düsseldorf

Patienten solidarisieren sich mit streikendem Pflegepersonal

Bereits seit Wochen streiken Mitarbeiter der Uni-Kliniken Essen und Düsseldorf.

Bereits seit Wochen streiken Mitarbeiter der Uni-Kliniken Essen und Düsseldorf.

Foto: Svenja Hanusch

Düsseldorf.   119 Patienten der Uni-Klinik Düsseldorf bekennen sich zu den Forderungen der streikenden Pfleger. Sie erfahren die Missstände am eigenen Leib.

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Im Streit um bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) solidarisieren sich nun auch einige Patienten mit den Pflegern. In einem offenen Brief kritisiert der ehemalige Patient Axel Köhler-Schnura die Arbeitsbedingungen an Düsseldorfer Krankenhäusern, darunter auch die beim UKD: „Wir sind empört über die skandalöse Überlastung und Überforderung des Personals, über extrem mangelnde Entlohnung, über unhaltbare Arbeitsbedingungen“, schreibt der Düsseldorfer.

Pfleger hätten zu wenig Zeit für das Nötigste

„Wir“ – damit seien die 118 anderen Patienten gemeint, die den Brief an die Uniklinik unterstützen. „Ich habe selbst miterlebt, was es heißt, wenn das Personal keine Zeit mehr für die Patienten findet“, sagt Köhler-Schnura. 2017 habe er wegen eines schweren Unfalls acht Monate im Krankenhaus verbracht, davon zwei Monate im UKD. „Teilweise hatten die Pfleger dort keine Zeit, die Verbände zu wechseln, wenn geklingelt wurde kam, niemand vorbei, auch das Bettzeug wurde kaum gewechselt. Patienten, die nicht selbstständig essen konnten, wurden nicht gefüttert, das Essen stand einfach den ganzen Tag lang herum“, so der ehemalige Patient. Die Zustände seien auch in anderen Düsseldorfer Kliniken nicht zwingend besser gewesen: „Als meine Tochter dieses Jahr im Marienhospital war und wir sie besuchten, war einer der Pfleger dort für insgesamt 40 Zimmer zuständig“, so der Düsseldorfer. Nach den Erlebnissen habe er den Aufruf für einen gemeinsamen Brief gestartet und prompt viel Unterstützung erhalten.

Patienten unterstützen Verdi-Forderungen

Die Unterzeichner des Briefes fordern einstimmig auch das, was Verdi im Verhandlungsstreit mit der UKD fordert: „Wir unterstützen einen Tarifvertrag, der die Mindestpersonalausstattung regelt und im Notfall einen Belastungsausgleich vorsieht. Zudem fordern wir eine bessere Ausbildungsqualität, die dafür sorgt, dass Auszubildende nicht einfach für Personallücken genutzt werden“, so Köhler-Schnura.

Uni-Klinik wehrt Kritik ab

Bei der Uniklinik wehrt man sich gegen die Vorwürfe der Patienten: „Das UKD investiert Millionen Euro in neues Personal: Allein in der Pflege gab es einen Aufbau von 80 zusätzlichen Stellen in den letzten zwei Jahren“, so Kliniksprecher Stefan Dreising. Zudem seien 80 neue Mitarbeiter eingestellt worden, die die Pflege bei der Buffetversorgung unterstützten. Allerdings ist dabei noch nicht eingerechnet, wie viele Pfleger den Beruf niederlegen, etwa weil sie in Ruhestand gehen.

Insgesamt seien die Behauptungen in dem Brief aber nicht haltbar, betont Dreising. Das UKD sei weiterhin eine öffentliche Einrichtung und „kein auf Gewinnmaximierung ausgerichteter privatwirtschaftlicher Betrieb“.

Köhler-Schnura kritisiert jedoch die Intransparenz des Geschäftsberichtes der Klinik: „Das ist ein vollkommen verschachtelter Bereich, bei dem man die Zuständigkeiten nicht mehr überblicken kann, weil so viele Arbeitsbereiche an andere Unternehmen ausgelagert werden. Man weiß doch als Außenstehender gar nicht mehr, wer jetzt Verantwortung übernimmt“.

Dreising stellt aber auch klar: „Verdi hat die vergangenen Verhandlungen abgebrochen, ohne die letzten Gespräche abzuwarten. Das UKD bleibt jederzeit verhandlungsbereit“. Die Gewerkschaft Verdi hatte in den vergangenen Wochen die Mitarbeiter immer wieder zu Warnstreiks aufgerufen, weitere Streiks sind geplant.

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