Stadtleben

Peter Wienen: „Kö ohne Autos funktioniert nicht“

Peter Wienen auf der Königsallee.

Peter Wienen auf der Königsallee.

Peter Wienen (66), 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Kö-Anlieger, spricht im Interview über Fahrverbot und den Wandel auf der Kö.

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Düsseldorf. Frage: Herr Wienen, E-Autos, Umweltspuren, Forderungen nach mehr Fußgängerzonen, Verbannung des Diesels aus der City, der Druck auf den Antrieb mit Verbrennungsmotoren steigt. Wird die Kö demnächst autofrei oder gar Fußgängerzone?


Wienen: Nein, daran glaube ich nicht. Und wir werden auch alles tun, um solche Tendenzen zu verhindern. Die Kö würde so nicht funktionieren, außerdem sind alle Luxusstraßen in Europa bisher mit dem Automobil zu erreichen.


Das müssen Sie im Detail erklären.

Das Auto gehört in der Innenstadt und vor allem auf der Kö zum Einkaufserlebnisse. Allerdings, das ist unser Grundsatz, in einem vernünftigen Miteinander mit allen mit allen anderen Verkehrsteilnehmern. Der Architekt der Kö-Galerie, Walter Brune, hat neulich der RP in einem Interview gesagt, das Auto sei die beste Einkaufstasche. Und damit hat er Recht.


Wie meinen Sie das genau?

Wer in Düsseldorf einkauft, will seine Einkäufe bequem nach Hause transportieren. Immerhin lässt der Kunde hier durchschnittlich zwischen 250 und 400 Euro pro Einkauf. Wenn Sie bei Wempe eine Rolex kaufen, fahren Sie dort nicht mit dem Rad hin.


Nun werden selbst auf der Kö nicht jeden Tag ein paar hundert Rolex verkauft.

Stimmt, das war auch nur ein wenig überspitzt. Aber komfortabel möchten es die anderen auch haben und kommen daher mit dem Auto.


Und sie möchten auch ein bisschen mit seinem Wagen posieren?

Das sind doch nur Ausnahmen. Die meisten kommen sehr gezielt, fahren in eines der Parkhäuser, gehen bummeln und fahren wieder nach Hause. Die wollen zwar gerne sehen und gesehen werden, aber nicht im Auto sondern lieber in einem der Straßencafés oder beim Flanieren.


Sind Sie denn mit der Verkehrsführung rund um die Kö einverstanden?

Nein. Nach meiner Einschätzung war es ein Fehler, den Verkehrsverlauf auf der Königstraße umzudrehen, als vom Martin-Luther-Platz Richtung Königsallee. Wir haben bei der Stadt schon angefragt, ob man das nicht wieder ändern kann, also den Autos wieder zu erlauben, von der Kö Richtung Martin-Luther-Platz abzubiegen. Das würde vor allem auf der Blumenstraße die Lage entscheidend verbessern. Dort stehen jeden Vormittag mehrere Lieferwagen und blockieren einen Fahrstreifen. Außerdem hat der Einzelhandel auf der Königsstraße dort seit der Umkehrung starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.


Gibt es eine Chance zur Umkehr des Verkehrs?

Die Stadt hat das abgelehnt, mit der Begründungen, dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden. Ein Argument, das ich nicht nachvollziehen kann.


Woher kommen die Kunden der Kö eigentlich?

Es gibt Erhebungen, danach sind 20 Prozent Düsseldorfer und aus der unmittelbaren Nachbarschaft 40 Prozent aus dem weiteren Umfeld, in Teilen aus ganz NRW, und 40 Prozent aus dem Ausland. Das Einzuggebiet ist gewaltig. Die Kunden kommen nicht mit Bus oder Bahn, die bis heute keine Alternative darstellen.


Also keine Sperrung für Autos, und schon gar nicht eine Kö nur für Fußgänger?

Auf keinen Fall. Versuchen Sie sich das doch mal vorzustellen – diese Allee in ihrer vollen Breite nur für Fußgänger. Das sind riesige Freiflächen, die muß man erst einmal bespielen. Es gibt Aussagen von Experten, wonach reine Fußgängerzonen auf keinen Fall breiter sein dürfen als rund zehn Meter, sonst wirken sie sehr schnell leer. Außerdem lieben die Düsseldorfer nach unseren Erfahrungen die Kö so wie sie ist – weil sie als Allee buchstäblich den Freigeist verkörpert und sie kurz genug ist, um sie zu Fuß bequem von oben bis unten zu erlaufen.


Heute schon fahren E-Autos auf der Kö. Leider finden Sie dort keine Ladestationen.

Wir haben das Problem mit dem Oberbürgermeister angesprochen und begrüßen E-Ladestationen auf der Königsallee. Wir haben vor einiger Zeit die Idee eines E-Mobilitäts-Concours mit Modepräsentation und Gastronomie für den kommenden Sommer an die Stadt herangetragen. Das hätte Düsseldorf keinen Cent gekostet, denn die großen Auto-Konzerne hatten Interesse, das zu unterstützen. Wir wollten den Firmen die Möglichkeit geben, ihre E-Modelle und ihre Visionen für die Zukunft zu präsentieren. Leider hat das OB-Büro das abgelehnt – weil man im vorgeschlagenen Zeitrahmen ein „Fahrradrennen für Jedermann“ veranstalten will. Wir finden das sehr schade. Dabei werden große Events auf der Kö von sehr vielen Menschen besucht – wie der Bücherbummel und das Gourmet-Festival zeigen.


Sie selbst registrierten jüngst einen weiteren enormen Wandel auf der Kö. Woran machen Sie den fest?

Der Wandel war schon immer da. Aber zuletzt hat er sich beschleunigt. Vor allem durch die Konkurrenz im Internet für einige Branchen. Aber auch durch die Veränderungen der gesamten City, besonders im Bereich des Kö-Bogen.


Der Kö-Bogen hat nach Ansicht einiger Kaufleute die Kaufkraft in seine Richtung gezogen, in Teilen auch weg von der Kö.

Tatsächlich beobachten wir eine Veränderung ab der Höhe Grünstraße. Ab dort Richtung Graf-Adolf-Straße eröffnen immer mehr Händler, die nicht mehr zum Top-Luxus-Segment gehören, aber immer noch gut zum Rest der Straße passen.


Häuser wie Benetton oder früher H & M haben sich nach Eindruck von Beobachtern entgegen ihrem sonstigen Auftritt dem Kö-Niveau versucht anzugleichen. Sehen Sie das auch so?

Ja, das stimmt. Das hängt damit zusammen, dass sie ihren Auftritt an der Königsallee auch als sehr hohen Werbewert sehen. Diese Adresse macht sich gut in Anzeigen, und daher passt man sich an. Es gab auch Geschäfte, die zuerst an der Kö waren, dort erfolgreich wurden und dann um die Ecke zogen, weil sie die Kö-Werbung nicht mehr brauchten. Die Schuhmarke Geoxx ist ein solches Unternehmen. Früher Kö, heute Schadow Arkaden.


Bei manchen Top-Labeln wie Louis Vuitton oder Hermès hat man den Eindruck, sie werden überrannt, in anderen Luxus-Läden sieht man kaum jemanden. Woran liegt das?

Die großen Flagg-Ship-Stores nennen uns keine Zahlen. Wir wissen aber, dass auch sie vor allem Wert auf die Adresse legen. Wenn es dann hier nicht so gut läuft, spielt das für manche keine Rolle – denn das Hauptgeschäft machen sie inzwischen ohnehin in Asien.


Wie sehen Sie die Planungen der Stadt beim Kö-Bogen II und bei der Schadowstraße?

Ich bin skeptisch. Immerhin entstehen zusätzliche 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Nach derzeitigem Stand soll unter anderem Aldi dort eine Niederlassung haben und die eher preiswerte Kette Mango. Das sind konsumige Anbieter. Und was die Architektur anbetrifft, habe ich zuletzt viel Kritik gehört. Ich meine, wir sollten abwarten, bis es fertig ist und dann urteilen. Ändern kann man das nun sowieso nicht mehr. Die Schadowstraße als komplette Fußgängerzone halte ich ebenfalls für schwierig, schon allein wegen der Ost-West-Richtung mit ihren häufig starken Winden.


In der jüngsten Zeit ist viel passiert – die Wehrhahnlinie läuft, man richtet Umweltspuren ein, Verkehrsführungen wurden verändert. Wie sehen Sie diese Entwicklungen?

Ich meine, dass die Stadt sich dringend um die Friedrichstraße kümmern muss. Da steht mehr als ein Dutzend Geschäfte leer, die Mieten sinken. Das liegt sicher auch daran, dass die Menschen nicht mehr wie früher mit der Bahn dort entlang fahren und dabei die Geschäfte sehen. Außerdem ist durch den Wegfall des Stern-Verlages ein Kundenmagnet verschwunden. Es braucht neue Ideen, um diese einst so wichtige Einkaufsstraße wieder zu beleben.

>> PETER WIENEN PRIVAT

Peter Wienen (66) ist Vorsitzender der IG der Kö-Anlieger. Der Diplom-Kaufmann besitzt in unterschiedlichen Vierteln Wohn- und Gewerbeimmobilien, auch auf der Einkaufsmeile. Seit vielen Jahren erlebt er den Wandel und die wachsende Bedeutung Düsseldorfs als Einkaufs-, Event- und Kongress-Stadt.

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