Umweltverschmutzung

PFT-Verschmutzung in Düsseldorf: Politiker sind sauer

PFT in Konzentrationen von im Mittel 140 ng/Liter sollen sich im Garather Mühlenbach/ Urdenbacher Altrhein befinden.

PFT in Konzentrationen von im Mittel 140 ng/Liter sollen sich im Garather Mühlenbach/ Urdenbacher Altrhein befinden.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.  Die Verwaltung in Düsseldorf-Garath kritisiert das Umweltamt: Politiker und Bürger seien zu spät über Schadstoffbelastungen informiert worden.

Immer wieder wird entdeckt, dass Grundwasser mit perfluorierten Tensiden (PFT) verunreinigt ist. Unlängst erklärte die Stadt, dass das Grundwasser in Teilen von Benrath und Urdenbach nicht mehr zur Gartenbewässerung genutzt werden, da es mit PFT belastet ist. Vor wenigen Wochen kam für die Bezirksvertretung 10 (Garath, Hellerhof) nach einer Anfrage der SPD an das Umweltamt überraschend heraus, dass auch der nördliche Bereich des Stadtbezirks 10 von der PFT-Grundwasserverunreinigung Hilden-Benrath betroffen ist.

PFT-Verschmutzung in zwei Gewässern in Garath nachgewiesen

Konkret heißt es in einer Antwort des Umweltamtes, das im „Gebiet vom Perleberger Weg bis zur Kreuzung Stralsunder Straße/ Am Buchholzer Busch die erlaubnisfreie Grundwassernutzung zur Gartenbewässerung“ untersagt ist. Ebenfalls würden lokal erhöhte PFT-Gehalte im Grundwasser im Bereich der Frankfurter Straße in Garath gutachterlich untersucht. Zudem befände sich PFT im Garather Mühlenbach sowie im Urdenbacher Altrhein.

Doch was ist überhaupt PFT? Perfluorierten Tenside sind eine Gruppe von synthetisch hergestellten organischen Stoffen, die biologisch nicht abgebaut werden können. Sie stehen unter Verdacht, krebserregend zu sein.

„Das ist eine Frechheit“

Uwe Sievers (SPD), Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 10, findet es ungeheuerlich, dass die Verunreinigung nicht im Vorfeld kommuniziert wurde. In der Antwort des Umweltamtes wird zudem auf städtische Internetseiten verwiesen, wo man Informationen kriegen soll. „Das ist schon eine Frechheit. Welcher Bürger guckt da denn schon immer drauf?“, meint Sievers. Ihn ärgert es auch, dass die BV 9 über Belastungen informiert wurde, nicht aber die BV 10. „Verunreinigungen machen nicht an der Grenze halt. Das ist ein starkes Stück, gelinde gesagt.“

Angelika Kraft-Dlangamandla, Fraktionssprecherin der Linke im Düsseldorfer Stadtrat und ebenfalls Mitglied der BV 10, findet es ebenfalls „sehr übel, dass wir nicht vor der zufälligen Anfrage der SPD informiert“ worden sind. „Das Umweltamt hätte uns sofort informieren müssen. Da sind schließlich auch Kindergärten und Kleingärtner in dem Gebiet“, so die Linke. Neben einen sofortigen Informationsaustausch fordert sie, dass der Verursacher schnell gefunden und „zur Kasse gebeten“ werden soll. „Das kann nicht sein, dass die Stadt immer nur dafür aufkommt.“

Hinzukommt, dass die PFT-Belastung nur durch Eigeninitiative der Parteien des BV 10 herausgekommen ist. „Das hat in der letzten Sitzung für großen Unmut gesorgt“, so Bezirksverwaltungsstellenleiter Uwe Sandt.

Frederik F. Hartmann (Grüne), ebenfalls Vertreter in der BV 10, kann seinen Kollegen nur zustimmen. Alle seien „schockiert“ gewesen, da in vorherigen Sitzungen und Pressemitteilungen keine Betroffenheit des Stadtbezirks 10 bekannt gegeben wurde. Erst mit dieser Antwort wurde bekannt, dass auch Garaths Grundwasser belastet ist. „Darüber hätten die Bewohner vorab unaufgefordert informiert werden müssen“, so Hartmann.

Drei große Belastungsgebiete

Laut Stadt gibt es drei große Belastungsgebiete: Hilden/Benrath, Lohausen/Kaiserswerth und Gerresheim. Dass nun aber immer wieder auch im Düsseldorfer Süden – wie etwa in Garath – nachgewiesen wird, überrascht den ein oder anderen Bürger schon. Dirk Jansen, BUND-Sprecher und Geschäftsleiter in NRW, der selbst in Urdenbach lebt, wünscht sich, dass die Stadt „offener kommuniziert“. „Ich war überrascht, dass hier am Urdenbacher Altrhein PFT in den Rhein schwappt“, so Jansen.

Mittlerweile bekomme man das Gefühl, dass überall PFT ist, so Jansen weiter. Doch etwas dagegen zu unternehmen sei schwer. „Es gibt leider nicht die eine Standardsanierungsmaßnahme“, so der Geschäftsleiter. Es komme unter anderem auf die jeweilige Bodenstruktur und den Belastungsgrad an.

Dirk Jansen findet aber auch, dass „sich die Stadt redlich bemüht“. Es brauche aber eine „offensive, transparente Politik“. „Die Bürger müssen besser aufgeklärt werden, was sie sich aus dem Brunnen holen.“ Jansen kann sich zudem ein Monitoring, eine bessere Überprüfung vorstellen. „Man bekommt gerade schnell den Eindruck, dass wenn jemand nachguckt, der auch PFT findet.“ Das müsse besser verankert und vor allem dann auch drüber berichtet werden.

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