Neubau

Politik lehnt „einfallslose Architektur“ an Oper ab

So soll der Neubau an der Heinrich-Heine-Allee nach den Plänen der HPP-Architekten einmal aussehen.

So soll der Neubau an der Heinrich-Heine-Allee nach den Plänen der HPP-Architekten einmal aussehen.

Foto: Stadt

Düsseldorf.  Architektur für einen Neubau in Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Allee blitzte bei Politikern aller Fraktionen ab: Sie ist nicht hübsch genug.

Anfang des Jahres wurde die Abrissgenehmigung für das Haus an der Heinrich-Heine-Allee 20-22 erteilt, die Oper soll einen neuen Nachbarn erhalten. Bereits Ende 2017 hatte der Projektentwickler 6B47 das Gebäude erworben. Im Rahmen der Immobilienmesse Mipim in Cannes wurde im März vergangenen Jahres erstmals vorgestellt, was der Investor dort genau plant. Entstehen soll an der prominenten Stelle ein siebengeschossiges Bürogebäude mit durchgehend bodenhohen Fenstern. Die Durchführung erfolgt durch das Düsseldorfer Architekturbüro HPP.

Investor soll noch einmal nachdenken

Mit ein wenig zeitlichem Abstand regt sich nun in der Politik aber Widerstand gegen den Neubau in der vorgesehenen Form. Die Bezirksvertretung 1 verweigerte der Planung vorerst ihre Zustimmung und schob die entsprechende Beschlussvorlage in die Sitzung nach den Sommerfeiren. Hauptgrund: Dem Investor soll Zeit gegeben werden, über seine „einfallslose Architektur“ noch einmal nachzudenken.

„Es ist unerlässlich, dass an diesem Standort etwas hinkommt, dass höchsten Qualitätsansprüchen genügt“, sagte André Simon (CDU). Die Architektur müsse sich den Nachbarn Oper, Breidenbacher Hof, Kö-Bogen und Hofgarten anpassen. Ohne ein qualitätssicherndes Verfahren, eventuell auch einem Architekten-Wettbewerb gehe es nicht. „Die vorgestellte Planung bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück“, so Simon.

Planung unterliegt einer Erhaltungssatzung

Silke Wodarz von der Stadt betonte, dass aus Sicht der Bauaufsicht kein Hinderungsgrund für die Erteilung einer Baugenehmigung vorliege, „wir können aber auch keine Gestaltung fordern“. Kollegin Gitta Krekeler erläuterte, dass die Planung einer Erhaltungssatzung unterliege. Das Besondere an dem Bau mit einer Ladenzeile im Erdgeschoss sei, dass ab der fünften Etage die darüber liegenden Geschosse zurückgesetzt seien, die siebte Etage als Dach ausgebildet sei und so insgesamt die Traufhöhen der Nachbarschaft aufgenommen würden und sich das Gebäude in die Umgebungsbebauung einfüge. Insbesondere bei der Fassadengliederung und der Dachausbildung würden die Erhaltungssatzung sowie der Umgebungsschutz zur Oper berücksichtigt. Auch eine denkmalrechtliche Erlaubnis liege vor, weshalb die Verwaltung die Erteilung der Baugenehmigung befürworte.

Investor muss jetzt weiter warten

Doch Krekelers Erklärungen änderten ebenso wenig an der ablehnenden Haltung wie ihr Hinweis, dass die Planung bereits ein Mal überarbeitet worden sei. „Die Architektur ist einfallslos und nimmt keinen Bezug auf die städtebauliche Umgebung“, kritisierte Sebastian Rehne (FDP), Rafael Lorberg (SPD) nannte die Planung „beliebig“. Auf Antrag der Grünen wurde Beratungsbedarf angemeldet, was gleichbedeutend mit einer Verschiebung des Bauvorhabens in die Oktober-Sitzung war. „Dann muss der Investor halt noch mal eine Runde drehen, um uns zu überzeugen“, so das Schlusswort von Simon.

Projektentwickler kann Kritik nicht nachvollziehen

Projektentwickler 6B47 Germany kann die Kritik überhaupt nicht nachvollziehen und preist seine Planung in höchsten Tönen. Es sei ein Projekt mit Alleinstellungsmerkmal an einen der prominentesten und repräsentativsten Adressen in Düsseldorf. In dem Neubau würden hochmoderne und top ausgestattete Büroflächen durch hochwertige Einzelhandels- und Gastro-Flächen im Erdgeschoss komplettiert. Das Projekt bereichere die Heinrich-Heine-Allee „um ein weiteres einzigartiges Immobilienprojekt, welches sich durch seine attraktive und zeitlose Architektur perfekt in die Umgebungsbebauung eingliedert“. Genau das sehen die Politiker aber offenbar komplett anders.

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