Gesellschaft

Pompöse Aids-Gala im Opernhaus

Standing Ovations am Ende der Oper-Gala für für Bogdan Baciu, Brian Jagde, Michele Angelini, Nicholas Brownlee, Adela Zaharia, Leonardo Capalbo, Irene Roberts, Sascha Goetzel, Elsa Dreisig, Brenda Rae, Regula Mühlemann, Lea Desandre und die Duisburger Philharmoniker.     

Foto: Susanne Diesner

Standing Ovations am Ende der Oper-Gala für für Bogdan Baciu, Brian Jagde, Michele Angelini, Nicholas Brownlee, Adela Zaharia, Leonardo Capalbo, Irene Roberts, Sascha Goetzel, Elsa Dreisig, Brenda Rae, Regula Mühlemann, Lea Desandre und die Duisburger Philharmoniker.     Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.   Groß war der Jubel für zehn Sänger in Topform – aber der Erlös ging im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.

Rote Schleifen überall – auf den Smoking-Revers und auf glitzernden Abendroben. Selbst die zehn hochkarätigen Sänger, die Orchestermusiker und Maestro Sascha Götzel trugen die kleinen Schleifen zum Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten. Neben Berlin hat sich Düsseldorf fest etabliert als Standort für Opern-Galas zugunsten der Deutschen Aids-Stiftung. Im neunten Jahr war die Rheinoper wieder mal ausverkauft, mit 146 000 Euro blieb der Erlös für die Deutsche Aidsstiftung jedoch weiter hinter dem Rekord-Ergebnis von 2017 (175 000 Euro) zurück. Obwohl die Krankheit ‚noch längst nicht besiegt ist’, so Ulrich Heide von der Aids-Stiftung.

Geld fließt auch nach Düsseldorf

Groß genug ist die Summe, um die Düsseldorfer Aidsstiftung bei ihren Maßnahmen und dem Checkpoint-Projekt (Schnell-Tests) zu unterstützen. Ein anderer Teil des Erlöses fließt (wie in den letzten Jahren) in ein Projekt in Mozambique. HIV-infizierte, schwangere Frauen werden und wurden behandelt. Ein Großteil der Kinder kommt mittlerweile, laut Bericht, ohne HIV-Virus zur Welt.

Groß war der Jubel für zehn Sänger in Topform. Die Gäste, die für eine VIP-Karte (inkl. lukullisches Menü) mindestens 500 Euro hinblättern mussten, feierten besonders lautstark zwei Tenöre und zwei Sopran-Diven aus den USA, ebenso den rabenschwarzen Bass Bogdan Baciu und die Koloratursopranistin Adela Zaharia aus dem Rheinopern-Ensemble. Alle Solisten und Duisburgs Philharmoniker unter Sascha Götzel verzichteten, für den guten Zweck, auf ihre Gagen und bescherten ein rauschendes Sängerfest.

Ein Ohrwurm-Reigen durch Klassik, Belcanto und Romantik

Dramaturgisch geschickt wählte Alard von Rohr, bekannt als Stimmkenner und Organisator der Berliner Gala, die unterschiedlichen Temperamente und Arien aus. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend: Ein Ohrwurm-Reigen durch Klassik, Belcanto und Romantik, von Händel über Donizetti, Rossini bis hin zu Verdi und Puccini. Alles präzise und zündend begleitet von den Duisburger Philharmonikern, und moderiert von Nähkästchen-Plaudertasche Holger Wemhoff (bekannt durch Klassik Radio).

Der Amerikaner Michele Angelini räumte in der Arie aus Donizettis „Regimentstochter“ so richtig ab: Mit seinen neun hohen Cs, die er so weich, rund und leicht sang, als ob er auf einem Spaziergang sei, versetzte er das Opernhaus in frenetische Begeisterung. Ganz zu schweigen von seinen virtuos hüpfenden Koloraturen. Ebenso sein Landsmann Brian Jagde: Den Schlager „Nessun Dorma“ mit den gefürchteten Spitzentönen meisterte der Heldentenor mit Bravur, Metall und Durchschlagskraft. Kaum verhallte der letzte Ton von „Vincero“, da setzte ein Sturm von Bravorufen ein, wie man ihn von legendären CD-Aufnahmen mit Pavarotti kennt.

Brenda Rae – eine Diva wie aus dem Bilderbuch

Neben zauberhaft lyrischen Stimmen der Schweizerin Regula Mühlemann und der Französin Elsa Dreisig fiel bei den Damen die Amerikanerin Brenda Rae aus dem Rahmen. Eine Diva aus dem Bilderbuch, die leise und lieblich Koloraturen rauf und runter zelebriert, mit ringenden Händen die große Primadonna mimt, und, als Cunegonde (Bernsteins „Candide“), diese Posen auf die Schippe nimmt. Eine Exzentrikerin mit sensationellen Zwitschertönen, die großes Kino entfacht. Ebenfalls von einer Weltklassen-Stimme überzeugte Adela Zaharia, die seit 2015 zum Ensemble gehört, 2017 den bedeutendsten Sängerwettbewerb ‚Operalia` gewann und gerade in die große weite Opernwelt aufbricht. Eine Kostprobe ihres lupenreinen koloraturenreichen Schöngesangs und fesselnder Darstellungskunst gab sie als dem Irrsinn nahe Elvira (aus Bellinis „I Puritani“). Jubel auch für sie, die trotz New York, Paris und Wien der Rheinoper die Treue halten wird.

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