Pädophilie

Positive Bilanz bei Therapien für Pädophile in Düsseldorf

Sexueller Missbrauch kann durch die Behandlung der potenziellen Täter verhindert werden.

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Sexueller Missbrauch kann durch die Behandlung der potenziellen Täter verhindert werden. Foto: dapd

Düsseldorf.   Seit Juni 2014 gibt es ein Therapiezentrum in den Uni-Kliniken Düsseldorf. 931 Personen haben sich seitdem dort gemeldet.

Ein Mann im Anzug steht mit verhülltem Gesicht in einem leeren Raum. „Niemand ist Schuld für seine sexuelle Neigung, aber jeder verantwortlich für sein Verhalten”, sagt er in die Kamera. Das Video des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden” lief 2013 erstmalig im deutschen Fernsehen und sorgte für Aufregung. Denn der Mann, der in die Kamera spricht, ist pädophil – eine sexuelle Neigung, die gesellschaftlich kaum verachteter sein könnte. Gleichzeitig sorgte der Video-Spot aber auch für Verständnis. Der Schritt sich einzugestehen, pädophil zu sein, also sich sexuell zu Kindern hingezogen zu fühlen, und um Hilfe zu suchen, braucht sehr viel Mut. Dass die Therapie anonym, schweigepflichtgeschützt und kostenlos, ist, erleichtert vielen Betroffenen die Kontaktaufnahme.

„Sexuelle Neigung ist Schicksal und keine Wahl.“

Das Therapiezentrum für Pädophilie an der Düsseldorfer Uni-Klinik öffnete im Juni 2014 und ist Teil des Präventionsnetzwerks, welches an der Berliner Charité 2005 gegründet wurde. Nach anfänglichen Widerständen aus der Gesellschaft ist die Ambulanz mittlerweile fester Bestandteil des Klinikums geworden. „Es ist wichtig zu verstehen, dass unser Therapieangebot problembewusste, hilfesuchende Menschen darin unterstützt, sexuelle Übergriffe und das Nutzen von Missbrauchsabbildungen im Internet zu verhindern“, erklärt Kirsten Dammertz-Hölterhoff, Leiterin der Ambulanz.

„Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zum aktiven Kinder- und Jugendschutz.“ Ihr ist es deshalb besonders wichtig, eine klare Trennlinie zu ziehen: „Nicht alle Personen mit pädophiler Neigung begehen sexuellen Missbrauch. Wir stehen dafür, keine moralische Bewertung über sexuelle Präferenz vorzunehmen – diese manifestiert sich in der Pubertät“, so Dammertz-Hölterhoff. Niemand suche sich seine sexuelle Neigung aus – „es ist Schicksal und keine Wahl”. Denn wer in der Ambulanz anrufe und sich therapieren lassen wolle, leide unter seiner sexuellen Präferenz und ist auf der Suche nach Hilfe, habe Angst davor, zum Täter zu werden.

Die Risikofaktoren werden reduziert

„Die Betroffenen lernen, sexuelle Neigung als Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, ihre Verhaltenskontrolle zu erhöhen und Schutzfaktoren zu stärken”, erklärt die Psychotherapeutin. „Wichtig ist es deshalb, Risikofaktoren zu reduzieren, Problemlösefertigkeiten und Ressourcen zu stärken und Strategien zu entwickeln mit problematischen Situationen umgehen zu lernen”, sagt Dammertz-Hölterhoff.

Dabei können ergänzend zur Behandlung auch Medikamente helfen, die sexuelles Verlangen verringern. Ziel der Therapie ist es, auch den Konsum von Missbrauchs-Videos zu verhindern. Dass hinter den Bildern aber echter Missbrauch steckt, den sie mit dem Konsum unterstützen, wird den Menschen spätestens in der Therapie klar.

Es besteht Bedarf für eine Erweiterung der Abteilung

Nach der Gründung wurde die Ambulanz als Projekt an der Uniklinik für drei Jahre durch das Land gefördert. Inzwischen wird das Zentrum als ständige Forschungseinrichtung geführt und über den Zuführungsbetrag des Landes an die medizinische Fakultät im gleichen Umfang finanziert – derzeit wird durch die gesetzlichen Krankenkassen geprüft, ob Ambulanzen wie in der Uni gefördert werden können.

„Der Bedarf für eine Erweiterung der Ambulanz ist auf jeden Fall gegeben, wir haben einen stabilen Zulauf”, sagt die Psychotherapeutin. Seit Mitte 2014 haben sich 931 Menschen in der Ambulanz gemeldet. Mehr als die Hälfte davon wurde weitervermittelt, weil es sich dabei um Personen handelte, die aktuell straffällig geworden waren.

In Düsseldorf ist eine von elf Ambulanzen bundesweit

Die Ambulanz richtet sich nämlich in erster Linie an Menschen aus dem Dunkelfeld, die sich sexuell zu Kindern oder Jugendlichen hingezogen fühlen und aktuell nicht justizbekannt sind. Dazu zählen 404 Personen, die sich beim Therapiezentrum gemeldet haben. Die Patienten nehmen teilweise wöchentlich Fahrten von bis zu drei Stunden auf sich, um die Therapiestelle in Düsseldorf aufzusuchen – denn das Zentrum am Klinikum ist in NRW einzigartig und eine von elf Ambulanzen bundesweit.

Derzeit gibt es vier Gruppen, die jeweils von zwei Therapeuten betreut werden. Mittlerweile befinden sich die ersten Patienten nach etwa zwei Jahren in einer Nachsorgegruppe. Dammertz-Hölterhoff zieht positive Bilanz: „Unsere klinischen Beobachtungen zeigen, dass Patienten wesentliche Fortschritte gemacht haben, etwa in der Gedanken- und Verhaltenskontrolle und dem Aufbau von Schutzfaktoren und Problemlösestrategien.”

Weitere Infos per E-Mail oder unter Tel. 0211-811-9303.

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