Theodorstraße

Rath droht ein neuer Möbelhaus-Krieg

Es gibt wieder Ärger rund und um das Gewerbegebiet an der Theodorstraße in Rath.

Foto: Hans Blossey

Es gibt wieder Ärger rund und um das Gewerbegebiet an der Theodorstraße in Rath.

Düsseldorf-Rath.   Möbel Krieger will sein Möbelhaus ohne Logistikzentrum nicht bauen. Behörde sieht neue Prüfungen als nötig an. Bezirkspolitiker sind wütend.

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Die weitgehend geänderten Pläne des Unternehmers Kurt Krieger für sein Höffner-Möbelhaus in Rath haben bei Bezirkspolitikern und Verwaltung für heftige Irritationen gesorgt. Krieger hatte den Plan für einen günstigeren Skonto-Mitnahmemarkt neben dem Haupt-Möbelhaus überraschend aufgegeben und will stattdessen nun ein riesiges Logistikzentrum auf dem Gelände errichten. Das bekräftigte er am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung in Rath und verknüpfte das Schicksal des Gesamtprojektes mit der Änderung. „Aus heutiger Sicht kann ich nur beides zusammen bauen“, sagte Krieger. Die anwesenden Politiker stellten dagegen in Frage, ob ein solches Hochregallager überhaupt umgesetzt werden kann. „Sie können sicher sein, dass wir das in der Bezirksvertretung so nicht genehmigen werden“, erwiderte etwa Rolf Wieroszewsky (FDP) dem Unternehmer.

„Das hat uns schon ein Stück weit geschockt“, sagte auch die ebenfalls anwesende Planungsdezernentin Cornelia Zuschke über die Pläne. Sie stellte klar, dass das weit fortgeschrittene Planungsverfahren nicht einfach so fortgeführt werden kann, wenn mit dem 44 Meter hohen Lager eine komplett neue Komponente dazukomme: „Solche Pläne gehen nicht einfach mal eben so mit.“ Immerhin habe man immer im Blick gehabt, dass man hier ein Stück Stadt mit Aufenthaltsqualität schaffen wolle, jetzt müsse man aber neben der Optik des riesigen Lagers vor allem auch die verkehrlichen Auswirkungen durch die zusätzlichen Lastwagen betrachten. Zuschke bot Krieger an, man könne die Pläne möglicherweise zweiteilen. Auf diese Weise würde die fortgeschrittene Planung für das zentrale Höffner-Möbelhaus ohne Verzögerung vorangetrieben, während man getrennt davon das geplante Logistikzentrum in allen nötigen Schritten prüfe. Eine Zustimmung Kriegers dazu scheint aber unwahrscheinlich, weil er dann zunächst ohne Garantie für das von ihm zur Bedingung gemachte Logistiklager bauen müsste.

Planungsdezernentin fordert Verkehrsgutachten

Die Stimmung zwischen Dezernentin und Unternehmer war hörbar angespannt, zumal Zuschke sich von Krieger mangelhaft informiert fühlte. Während der sich jovial gab und das Gespräch bei der Stadt lobte („Es war sehr freundlich, ich bin nicht rausgeflogen“), mochte die Planungsdezernentin nicht den Eindruck von Harmonie in dieser Sache entstehen lassen: „Es war sehr deutlich!“ Sie forderte Verkehrsgutachten und eine präzise Betriebsbeschreibung und machte deutlich, dass man als Stadt im bisherigen Verfahren immer zügig auf alles regiert habe: „Die Vollbremsung hat jetzt er gemacht.“

Auch CDU-Planungsexperte Alexander Fils sprach von einem „kleinen Schock, was uns hier präsentiert wird“. Er gab sich zwar milde in der Beurteilung des Entwurfs für das weitgehend verglaste Logistikzentrum („Ich habe noch nie so ein schönes Hochregallager gesehen“), wies aber darauf hin, dass man hier von einem etwa 15 Stockwerke hohen Gebäude spreche: „Man muss wirklich fragen, ob das der richtige Bau ist direkt an einem Einfallstor für die 300 000 Einpendler in die Stadt.“ Dazu komme die Frage, ob die Kreuzungen im Umfeld überhaupt die Aufnahmekapazität für so umfassenden Lieferverkehr hätten. Genehmigt habe man ursprünglich ein Haupt-Möbelhaus mit zwei Flügel-Gebäuden, nun müsse man eine komplett neue Variante hinnehmen, fügte Fils hinzu.

Lager soll 44 Meter hoch werden

Krieger sagte dagegen, Düsseldorf habe den Möbel-Mitnahmemarkt Skonto doch ohnehin nie gewollt: „Den hatte ich Ihnen aufgenötigt.“ Und das ehemalige Autohaus Brüggemann, das jetzt ebenfalls weichen soll, hätte er selbst gerne erhalten: „Das ist ein Zugeständnis von uns, weil wir an anderer Stelle nun das Grün anknabbern und da für einen Grünausgleich sorgen wollen.“ Krieger hatte schon einmal die Ursprungspläne geändert, als er kein Haus der Luxus-Linie „Krieger Home“ mehr bauen, sondern die Marke in das große Höffner-Haus integrieren wollte. In der vergangenen Woche wurde dann der Plan bekannt, dass nun auch kein Skonto gebaut wird, sondern stattdessen ein Lager. „Wir benötigen das, weil sich die Bedingungen im Handel schneller und drastischer wandeln, als wir das bisher absehen konnten“, sagte Krieger zur Begründung. Nur mit dem Lager samt angeschlossener Werkstatt – das Internetbesteller ebenso versorgen soll wie die weiteren Höffner-Filialen in Neuss und Köln – könne er den Standort zukunftssicher gestalten. „Die Stadt will ja auch, dass ich einen funktionierenden Laden hier hinstelle.“

Die Bezirkspolitik zeigte sich höchst kritisch. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Birgit Schentek wies darauf hin, dass man im Stadtteil sehr empfindlich auf neue „Hochpunkte“ wie das 44-Meter-Lager reagiere. Zudem wünsche sie sich „die Gewissheit, dass hier auch wirklich gebaut wird“. Wieroszewsky sagte, er sei maßlos enttäuscht: „Und es ist ja die Frage, wann Herr Krieger die nächste Vision hat.“

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