Karnevalsverein

Rechtsextremismus: Anwalt tritt aus Narrencollegium aus

Rosenmontag in Düsseldorf: Im vergangenen Jahr musste der Umzug wegen Sturmwarnungen verschoben werden. 2020 erschüttert ein Neonazi-Skandal beim „Narencollegium“ die Karnevalsgemeinde der Landeshauptstadt.

Rosenmontag in Düsseldorf: Im vergangenen Jahr musste der Umzug wegen Sturmwarnungen verschoben werden. 2020 erschüttert ein Neonazi-Skandal beim „Narencollegium“ die Karnevalsgemeinde der Landeshauptstadt.

Foto: Maja Hitij / dpa

Düsseldorf.  Nach Rechtsextremismus-Vorwürfen ist der Anwalt Björn Clemens aus dem Düsseldorfer Karnevalsverein „Narrencollegium“ ausgetreten.

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Der Anwalt Björn Clemens ist nach Rechtsextremismus-Vorwürfen aus dem Düsseldorfer Karnevalsverein „Narrencollegium“ ausgetreten. Wie der Verein am Dienstag mitteilte, kommt Clemens damit einer Entscheidung des Vorstandes zuvor und folgt dem Rat des Präsidenten Dennis Vobis.

Zuvor hatte die „Rheinischen Post“ über die Mitgliedschaft Clemens’ im „Narrencollegium“ berichtet. 2019 sei Clemens auch auf einem Wagen des „Narrencollegiums“ im Rosenmontagszug mitgefahren. Der Jurist Clemens vertrete Neonazis und sei Vorstandsmitglied der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Zudem sei er Bundesvize der Partei „Die Republikaner“ gewesen und habe damals Gespräche mit der NPD angestrebt.

Der 52-Jährige vertritt derzeit einen der Verdächtigen im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Lübcke soll von einem Rechtsextremisten erschossen worden sein.

„Narrencollegium“ wusste um Verbindung: „Politik ist im Karneval außen vor“

Der Vorsitzende des „Narrencollegiums“, Dennis Vobis, sagt in dem Bericht, man habe über Clemens’ Verbindungen zur rechtsextremen Szene diskutiert, aber Politik sei im Karneval außen vor.

Diese Beurteilung bleibe auch nach dem Austritt bestehen, erklärte der Karnevalsverein. Clemens habe auf keiner Veranstaltung des „Narrencollegiums“ je über Politik gesprochen, weder in kleineren Runden noch auf der Bühne. „Von dem Gedankengut, das Björn Clemens allerdings auf privaten Veranstaltungen und Kundgebungen hat verlauten lassen, distanzieren wir uns deutlich“, erklärte der Verein.

Clemens selbst sagte, er halte es für ungerechtfertigt, die GfP als rechtsextremistisch zu bezeichnen: „Ich weise alle Behauptungen als haltlos zurück.“

Der Brauchtumsmanager der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen, kritisierte Clemens’ Mitgliedschaft im „Narrencollegium“: „Ich bin entsetzt und verspüre ein leichtes Gefühl von Ekel“, sagte Schuhen. Vom „Narrencollegium“ erwarte er eine Erklärung. Auch der bekanngte Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly äußerte sich zu dem Fall: „Karneval ist für alle da, wir sind politisch neutral. Aber hier ist die rote Linie ganz klar überschritten“-

Ehemaliger Stadtdechant Ulrich Hennes überdenkt Mitgliedschaft im „Narrencollegium“

Der ehemalige katholische Stadtdechant Ulrich Hennes überdenkt aktuell offenbar seine Mitgliedschaft im „Narrencollegium“. Er ist seit 2018 Ehrensenator und war im vergangenen Jahr gemeinsam mit Clemens auf dem Rosenmontagswagen gefahren.

Er habe den Juristen ebenso wenig gekannt wie der derzeitige kommissarische Stadtdechant Frank Heidkamp, der kürzlich die Rosenmontagswagen des Vereins gesegnet habe. Beide sind nach eigenen Aussagen vom Verein nicht informiert worden. Heidkamp sagte, er habe die Segnung des Wagens in gutem Glauben und in der Tradition seines Vorgängers übernommen.

Björn Clemens beende die Mitgliedschaft im Narrencollegium, um „weiteren Schaden vom Verein und von meiner Person und Familie fernzuhalten“. Die Karnevalsgesellschaft Narrencollegium distanzierte sich von Antisemitismus und Extremismus allgemein. Das Motiv des Rosenmontagswagens von 2018 (Titel: „Scheißhaufen mit eingesteckter Hakenkreuzfahne“) spreche für sich. (dpa/epd)

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