SPD

Regierungspartei oder Karnevalsverein?

Zweimal Martin: Ratsherr Martin Volkenrath (rechts), hier mit Martin Wilms von den Düsselodrfer Originalen, kam als Obelix zur ersten SPD-Sitzung.

Foto: Dirk Neubauer

Zweimal Martin: Ratsherr Martin Volkenrath (rechts), hier mit Martin Wilms von den Düsselodrfer Originalen, kam als Obelix zur ersten SPD-Sitzung. Foto: Dirk Neubauer

Düsseldorf.   Die Düsseldorfer SPD feierte bei ihrer erster Karnevalssitzung die mittelprächtige Stimmung innerhalb der Partei einfach weg,

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Mut wird belohnt. Mit einer gelungenen Premiere meldete sich die Düsseldorfer SPD auf der öffentlichen Bühne zurück. Nicht als Mehrheitspartei – das geben die bei 20 Prozent eingefrorenen Wahlergebnisse derzeit nicht her. Aber wer wird deswegen Trauer tragen?

Zusammen mit der Stadtgarde der Landeshauptstadt Düsseldorf klatschten und sangen die Genossen die, nun ja, mittelprächtige Stimmung einfach weg. Schunkelnde Rechts- und Links-Bewegungen gehören nun mal zu jeder Volkspartei. Die SPD aber hatte am Samstagabend die Kraft, über sich selber zu lachen. Und über Merkel. Und über Jamaika, das so kläglich baden ging. Ausverkaufter Saal im Haus der Jugend am Samstagabend an der Lacombletstraße – also 100 Prozent für die erste Düsseldorfer SPD-Karnevalssitzung.

Rote Teufelinnen-Hörner, rote Flügelchen – war Verdi-Geschäftsführerin Stephanie Peifer mehr Engel oder eher die Leibhaftige? „Natürlich Teufelin“, erklärte Peifer auf die investigative Nachfrage der NRZ hin. Bereits die Kostüme der SPD-Granden verrieten politischen Beobachtern jede Menge über das Gefühlsleben und die Absichten der Düsseldorfer SPD. Oberbürgermeister Thomas Geisel gab den Panzerknacker. Notfalls verkauft er ein paar Abwasserrohre, um Geld in die Stadtkasse zu holen.

SPD-Ratsherr Martin Volkenrath suggerierte als Obelix, dass er als kleiner Junge in Willy Brandts Zaubertrank gefallen ist. Und um da – in Kraft und Macht – den Anschluss halten zu können, hatte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Herbert Weske in eine sowjetische Soldaten-Gala-Uniform geworfen; der Genosse, der aus der Kälte des christdemokratisch dominierten Düsseldorfer Nordens kommt.

Der SPD-Vorsitzende Andreas Rimkus und Stadtgarde-Chef Frank Slingerland moderierten im Duett den Abend, dem der Zauber eines Anfangs innewohnte. Rasch befand sich der Programmablauf abseits festgelegter Zeit im kreativen Fluss. Cisco Stewart und die CSB-Band mussten mehrere Zugaben geben, die Jolly-Family kam nur deshalb von der Bühne, weil sie sich zu „Freunde der Nacht…!“ Selbst aus dem Saal sangen; so erfolgreich hatten die Kilt-Träger ihre Düsseldorf-Balladen präsentierten.

Neben familienfreundlicher Party-Time mit einem kindgerechten Beginn um 17.11 Uhr und moderaten Preis für ein Glas Schuhmacher Alt, hatte die 1. Düsseldorfer SPD-Sitzung aber auch eine politische Dimension. Dafür sorgte Jens Singer als „Dä Schofföhr“ der Kanzlerin. Kostprobe: „Mit der Bundeskanzlerin können sie im offen Cabrio durch die Waschstraße fahren. An der perlt alles ab.“ Neulich sei der Fahrbereitschaft der Bundesregierung eine Limousine gestohlen worden. „Erst als wir nach drei Wochen das Auto wiederfanden, haben wir gemerkt, dass noch ein CSU-Bundesminister darin saß.“ Sowas gefällt nicht nur der SPD. Karneval ist eben nicht bloß Party, sondern auch deftige Kritik an der Obrigkeit.

Fazit: Die Premiere der SPD als Karnevalsverein war gelungen. Die Karten dafür waren ruckzuck weg, es hätte das doppelte Kontingent verkauft werden können. Ob es kommendes Jahr eine Neuauflage gibt, ist aber noch unklar.

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