Luftfahrt

Ryanair landet durch die Hintertür in Düsseldorf

Laudamotion ist in Düsseldorf der Türöffner für die irische Billig-Gesellschaft Ryanair. Die will 75 Prozent der österreichischen Gesellschaft übernehmen, die viele Flüge von Düsseldorf aus anbietet.

Foto: Rolf Vennenbernd

Laudamotion ist in Düsseldorf der Türöffner für die irische Billig-Gesellschaft Ryanair. Die will 75 Prozent der österreichischen Gesellschaft übernehmen, die viele Flüge von Düsseldorf aus anbietet. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf.   Mit der geplanten mehrheitlichen Übernahme der Laudamotion mischt der irische Billig-Flieger künftig auch in Düsseldorf mit.

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Seit Jahren wird spekuliert, ob und wann die irische Billig-Airline Ryanair auch in Düsseldorf landet. Anträge für Start- und Landerechte (Slots) wurden in der Vergangenheit gestellt. Es gab auch einmal eine Zusage, doch die wurde von Ryanair nicht genutzt. Wahrscheinlich wollte das Unternehmen, das mit absoluten Kampfpreisen auf sich aufmerksam macht, mehr Slots in Düsseldorf – doch die gab es nicht wegen der knappen Kapazitäten in Düsseldorf. Fluggesellschaften stehen Schlange für attraktive Slots, doch die stehen nicht zur Verfügung, weil der Airport bei den Kapazitäten an enge Richtlinien gebunden ist.

Landung für Ryanair durch die Hintertür

Diesen Sommer landet Ryanair erstmals in Düsseldorf und bietet eine tägliche Verbindung von Düsseldorf nach Mallorca an. Aktuelle Anträge auf mehr Landerechte am größten NRW-Flughafen gibt es laut Airport-Chef Thomas Schnalke nicht. Warum, ist inzwischen klar: Denn Ryanair mit seinem exzentrischem Geschäftsführer Michael O’Leary kommt zwar nicht mit eigener Marke, dafür aber durch die Hintertür nach Düsseldorf: Mit der neuen österreichischen Fluggesellschaft Laudamotion.

Deren Chef ist der frühere Rennfahrer Niki Lauda, der einst Laudaair und Niki gegründet hatte. Niki hatte er später an Air Berlin verkauft, die zuletzt vor allem für das touristische Geschäft mit Warmwasser-Zielen zuständig gewesen ist. Doch auch Niki wurde durch die Air Berlin-Pleite in die Insolvenz gerissen. Niki Lauda kaufte die insolvente Niki, die einst sein Baby gewesen ist – und damit Flugzeuge und die attraktiven Start- und Landerechte, die vor allem in Düsseldorf Gold wert sind.

Als „Laudamotion“ sind die einstigen Niki-Flieger nun unterwegs. Und sie mischen auch in Düsseldorf den Markt auf. Denn inzwischen wurde bei einer Pressekonferenz von Niki Lauda in Düsseldorf bekannt, dass der Ex-Rennfahrer zunächst 25 Prozent seiner „Laudamotion“ an Ryanair abgibt, später weitere 50 Prozent. Wenn die Kartellbehörden mitspielen...

Laudamotion wird über Ryanair- Website vermarktet

Laudamotion-Flüge werden bereits von Ryanair vermarktet. Wurden nur wenige Wochen auch über laudamotion.com Tickets angeboten, so landet man beim Anklicken dieser Seite nun automatisch auf ryanair.com. Laudamotion hat auch schon das Tarifsystem des irischen Billig-Fliegers übernommen: Standard-Tarif (Flug und Handgepäck), Standard Plus (plus Aufgabegepäck, fester Sitzplatz, Priority-Boarding) und Flexi Plus (zusätzlich schnelle Sicherheits-Abfertigung und kostenlose Umbuchung). Ein von Laudamotion vor wenigen Wochen vorgestelltes eigenes Tarif-Konzept wurde wieder gestrichen.

Das Flugprogramm von „Laudamotion – operated by Ryanair“ ist in Düsseldorf auf touristische Ziele ausgerichtet und umfasst Flüge zu Destinationen in Spanien, Portugal und Griechenland.

Condor ist sauer auf Laudamotion

Besonders sauer über den Ryanair-Einstieg bei Laudamotion ist Condor, die Fluggesellschaft des europäischen Reise-Riesen Thomas Cook. Condor-Chef Ralf Teckentrup war am 1. März extra in die Landeshauptstadt gekommen, um mit dem Düsseldorfer Flughafen-Chef Thomas Schnalke vor der Presse im Wirtschaftsclub die Expansion der Condor am Rhein anzukündigen. „Wir sind die zweitgrößte Airline am Flughafen Düsseldorf und können mit dem Zusatzprogramm unseres Kooperationspartners Laudamotion das Angebot für unsere Kunden ab Düsseldorf enorm steigern“, so Teckentrup. „Damit können unsere Kunden aus vielen zusätzlichen Verbindungen auswählen und von günstigen Einstiegsangeboten profitieren.“ Condor hatte Flüge der Laudamotion auf der eigenen Internet-Seite verkauft, wollte so die Österreicher unterstützen. Auch über Reise-Veranstalter gebuchte Passagiere wurden von der Condor auf Laudamotion gebucht.

Doch die Kooperation wurde für beendet erklärt und läuft Ende April aus. Auch Eurowings will die Anmietung von Laudamotion-Flugzeugen Ende Mai beenden. Beide Airlines wollen, aus ihrer Sicht verständlich, nicht den massiven Markteintritt des aggressiven Mitbewerbers Ryanair in Düsseldorf über die Hintertür Laudamotion unterstützen.

Condor-Gäste werden umgebucht

Für Condor bringt das erhebliche Probleme: Sie hat bereits 100 000 Tickets für Flüge mit Laudamotioin verkauft. Die Passagiere werden nun umgebucht. Das Problem: Condor hat nicht genug eigene Kapazitäten, um die eingebuchten Kunden, vor allem von Veranstaltern, zu befördern. Die Tourismus-Fachzeitschrift FVW warnt bereits: „Erneut droht im Sommer Chaos im deutschen Ferienflug.“

Besorgt ist man unter anderem in der Düsseldorfer Zentrale des Reiseveranstalters Alltours. Auch deren Pauschal-Kunden wurden von Condor auf Laudamotion-Flüge gebucht. Alltours-Chef Markus Daldrup pocht aber darauf, dass es für seine Kunden keine Probleme gibt und stellt klar: „Wir haben einen Vertrag mit Condor – und nicht mit Laudamotion...“

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