Die Linke

Sahra Wagenknecht auf Stimmenfang in Düsseldorf

Foto: WNM

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Düsseldorf. Zwei Linke setzen zum Endspurt im Bundestagswahlkampf an: Sahra Wagenknecht will den Süden Düsseldorfs holen, Helmut Born versucht's im Norden. Wahlkampfhelfer Gregor Gysi schaut am 23. September in Düsseldorf vorbei.

Nein, auf innerparteiliche Flügelkämpfe will sie sich nicht einlassen. Nicht auf die Querelen in der Bundespartei, zu der auch die eigene stramme Marschroute als Hardlinerin und Wortführerin der Kommunistischen Plattform beiträgt. Und schon gar nicht auf die Zwistigkeiten der Ihren im Land und im Städtchen. Links lang. Alle. Einigkeit. Immerhin verdankt Sahra Wagenknecht - derzeit im Irgendwo des Europaparlaments schwebend - der NRW-Linken eine mit Listenplatz 5 nahezu sichere Niederkunft im neuen Bundestag und einen durchaus mit ansprechbarer Wählerschaft gepolsterten Wahlkreis Süd in Düsseldorf. Und nicht zu verachten: seit August eine Wohnung in Oberbilk, in einer Stadt, „die alles hat.” Wenige Reiche und viele Arme. Auf deren Kreuzchen setzt die 40-Jährige.

In Oberbilk gelandet

Ist doch allemale besser als Essen oder Mettmann, die das in Jena geborene Polit-Talent auch haben wollten - und sowieso besser als Dortmund, wo sie bei der Bundestagswahl 1989 chancenlos abschmierte. Hier im ideologisch einwandfreien, gemütlichen Bilker Hinterzimmer des Buchladens „BiBaBuze” schwärmt sie auf Nachfrage von der hiesigen „rheinischen Lebensart”, die ganz anders sei als in Berlin. „Die Menschen hier”, sagt Wahlkämpferin Sahra Wagenknecht, „sind offener und freundlicher - selbst wenn sie meine Politik nicht teilen.” Am Abend des 27. Septembers hofft sie die Hürde der fünf Prozent genommen zu haben („Nur bei unter vier Prozent wird es für mich unsicher!”) und von da ab zwischen Arbeitsplatz Berlin und Wohnort Düsseldorf pendeln zu können.

Dass sie darauf setzt, das südliche Düsseldorfer Wählerherz möge mit Erst- und Zweitstimme für sie und links schlagen - und damit womöglich der unsicheren Listenplatzkantonistin der SPD, Karin Kortmann, Stimmen ab- und die vom bisherigen Stammsitz im Bundestag verjagen, ringt der elegant schwarz gekleideten, zierlichen Konkurrentin ein müdes Schulterzucken ab: „Sie hätte ja auch gegen Hartz IV stimmen können.”

Sagt's und holt auch gleich in Richtung Beatrix Philipp aus, die für die CDU Dauergast in Berlin bleiben will und womöglich „Die Linke” mit der alten SED-Vergangenheit und deren Vermögen gleichsetzen will: „Ich bin's leid, wenn uns Leute immer wieder die DDR an die Backe kleben. Ich will die nicht wieder haben.” Auch das sagt sie freundlich lächelnd, nur die Stirn zeigt leichte Kräusel. Auch bei der Frage, die auf ihr Aussehen zielt: „Das mag äußerlich ein Vorteil sein.” Aber Stimmen brächte das auch nicht, wenn man „nur Unsinn redet”.

Wahlkampfhelfer Gysi

Und dann redet sie geübt und gewieft von den Zielen, für die sie steht - und die auch auf Düsseldorf passten: „Weil es auch hier immer mehr Billigjobs und Arbeitslose gibt und Kinder, die kein warmes Essen kriegen, weil die Eltern kein Geld haben.” Spricht, wie hinlänglich bekannt, von der Millionärssteuer oberhalb einer Million Privatvermögen statt einer Mehrwertsteuer-Erhöhung, der Abschaffung von Hartz IV, der Erhöhung der Renten und Löhne, von Entlassungsverbot für nicht gefährdete Firmen. Nur einmal bricht verbale Schärfe durch: Was derzeit herrsche, sei „eine soziale Sauerei.”

Bei so viel Wortgewandtheit hat es Helmut Born, als Direktkandidat im schwarzen Norden auf vergleichsweise einsamem Posten, nicht leicht, mit Altersteilzeit und Arbeitszeitverkürzung als Chance für Jüngere und Motor gegen Arbeitslosigkeit anzukommen. Dabei muss der Betriebsratsvorsitzende des Kaufhofs am Wehrhahn nur aus dem Fenster gucken und gen Karstadt blicken: „Die Insolvenz von Arcandor wird auch hier unmittelbare Auswirkungen haben.” Wenn das Haus schließe - und bei der möglichen Übernahme durch die Metro sieht er's kommen - „wird es Entlassungen geben und die Steuer wegbrechen.”

Tour geht bis Kaiserswerth

Born wird durch die betuchten nördlichen Viertel tingeln „bis Kaiserswerth”, während die laute linke Musik auf dem Vorplatz der Bilker Arcaden spielt: Zum Beispiel am 23. September, ab 14.30 Uhr mit Wahlkampfhelfer Gregor Gysi.

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