Altweiber

Schwere Unfälle trüben Altweiber-Bilanz der Polizei

Unfall am Burgplatz: Höhenretter der Feuerwehr bargen den Verletzten mit einem Kran aus dem Wasser.

Foto: David Young

Unfall am Burgplatz: Höhenretter der Feuerwehr bargen den Verletzten mit einem Kran aus dem Wasser. Foto: David Young

Düsseldorf.   Am Burgplatz fiel ein Mann in die eiskalte Düssel, in der Nacht zu Freitag brach ein „Cowboy“ in einen zugefrorenen Teich in Oberbilk ein.

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Selten war die Altweiber-Party in Düsseldorf so gut besucht wie in diesem Jahr. Trotz Trubels und Enge zieht die Polizei eine positive Bilanz. Polizeidirektor Jürgen Bielor leitete den Einsatz an Altweiber und sprach am Freitag von einer „friedlichen und entspannten Feierstimmung“.

Nach Angaben des Beamten ist die Gesamtzahl der Polizei-Aktionen (279) im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel zurückgegangen (378). Dabei wurden hauptsächlich Platzverweise ausgesprochen und Volltrunkene in Gewahrsam genommen. Dazu gab es einige leichte Fälle von Körperverletzung.

19-Jähriger stürzt in eiskalte Düssel

Trotz dieser positiven Bilanz ist der Auftakt des Straßenkarnevals von einem schweren Unfall überschattet worden. Nachdem vor einem Jahr an Altweiber ein 17-Jähriger rückwärts von einer Kaimauer mehrere Meter tief auf das Untere Rheinwerft gestürzt war und schwerste Verletzungen erlitt, kam es am Donnerstagabend zu einem ähnlichen Unglück.

Ein junger Mann (19) stürzte gegen 18 Uhr mitten in der Altstadt rund vier Meter tief in die Düssel. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass er nach Angaben der Feuerwehr zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Höhenretter der Feuerwehr bargen den Verletzten mit einem Kran aus dem Wasser. Er wurde mit einer schweren Kopfverletzung in die Uni-Klinik transportiert. „Der Betroffene ist mittlerweile über dem Berg und außer Lebensgefahr“, berichtete Bielor, schränkte jedoch ein: „Bei solchen Kopfverletzungen kann sich der Zustand wieder verschlechtern.“

Der Unfall geschah vor dem Stadterhebungsmonument am Burgplatz, wo zu diesem Zeitpunkt Tausende zumeist jugendliche Besucher feierten. Offenbar stürzte der Jugendliche über das Eisengitter vor dem bekannten Kunstwerk. Die Bergung aus der eiskalten Düssel gestaltete sich schwierig, teilte die Feuerwehr mit, der Mann lag längere Zeit im Wasser, bis er gesichert war und herausgehievt werden konnte.

Vier Männer werfen Pizzeria-Fenster mit Mülltonne ein

Ein zweiter schwerer Zwischenfall ereignete sich am späten Donnerstagabend gegen 22.38 Uhr in der Pizzeria Mansur an der Bolkerstraße. Mutmaßlich vier Männer warfen mit einer Mülltonne das Fenster zur Gaststätte ein und attackierten einige Gäste und zehn Polizisten mit Pfefferspray. Die vier Verdächtigen wurden in Gewahrsam genommen. Die Hintergründe zur Tat müssen noch ermittelt werden.

Cowboy bricht in Teich-Eis ein

In der Nacht zu Freitag brach dann in einer Grünanlage an der Haifastraße in Oberbilk ein als Cowboy verkleideter Mann in einen zugefrorenen Teich ein. Laut Feuerwehr wurde der etwa 30 Jahre alte Jeck von der Polizei ans Ufer gerettet. Ein Rettungswagen brachte ihn in ein Krankenhaus.

Auf der Fahrt dorthin gab der Mann an, er vermute eine weitere Person auf dem Teich, die möglicherweise ebenfalls eingebrochen sei. Taucher der Feuerwehr durchsuchten daraufhin das Gewässer, fanden aber niemanden. Der Verletzte befindet sich einem Feuerwehrsprecher zufolge nicht in Lebensgefahr.

Jugendliche unterschätzen Kälte

Die Sicherheits- und Rettungskräfte hatten viel zu tun. Viele Besucher waren stark alkoholisiert, es kam zu Schlägereien und Stürzen. Zum besonderen Problem entwickelten sich dabei die kalten Temperaturen.

Vor allem viele jugendliche Besucher hatten die Kälte unterschätzt und waren bei Sonnenschein in dünnen Kostümen oder gar kurzen Hosen gekommen – gepaart mit viel Alkohol führte das zu Problemen. „Wir haben viele Fälle von Unterkühlungen“, sagte Johanniter-Sprecher Norman Hofmann. Am Nachmittag waren zeitweise alle Betten in der Notversorgung im Rathausinnenhof belegt.

32 Jugendliche trinken sich ins Krankenhaus

Von Altweibermorgen 7 Uhr bis zum Freitagmorgen 7 Uhr disponierten die Leitstellenmitarbeiter der Feuerwehr insgesamt 946 (2017: 568) Einsätze. Zu 620 (2017: 441) Notfalleinsätzen und Transporten rückten die Rettungskräfte der Feuerwehr sowie der vier Düsseldorfer Hilfsorganisationen aus.

Die häufigsten Ursachen waren Kreislaufprobleme und übermäßiger Alkoholkonsum. Insgesamt 32 (2017: 24) unter 18-Jährige mussten wegen zu viel Alkoholgenuss behandelt werden. 99 (2017: 107) Jecken und Möhnen wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus transportiert. Der Feuerwehr wurden bis Freitagmorgen keine (2017: 6) Schnittverletzungen mit Bezug auf Glasscherben in der Altstadt gemeldet.

Die großen Unterschiede zu den Einsatzzahlen im Vorjahr sind laut Feuerwehr darauf zurückzuführen, dass 2017 die Außenveranstaltungen im Bereich der Altstadt aufgrund einer Sturmwarnung durch den Veranstalter bereits am Nachmittag beendet wurde.

OSD hat viel Arbeit und wenig Ärger

Auch für die rund 220 Mitarbeiter des Ordnungsamtes war es ein intensiver Einsatztag, auch wenn die meisten Besucher des Straßenkarnevals an Altweiber bestens informiert waren und keine Glasflasche oder Gläser mit in die Sperrzone brachten. Die aufgestellten Glas-Container waren meist noch nicht mal bis zur Hälfte gefüllt. Diejenigen, die dennoch Glasflaschen mitführten, konnten deren Inhalt in Plastikbecher umfüllen, die an jeder Sperrstelle zur Verfügung standen.

Insgesamt wurden am 8. Februar 55 Jugendschutzkontrollen durchgeführt. 39 Mal wurde der illegal mitgeführte Alkohol freiwillig vernichtet. 24 Minderjährige wurden beim Rauchen erwischt. Die Spezies der Wildpinkler war auch an Altweiber wieder unterwegs. Insgesamt wurden durch die Einsatzkräfte 66 Urinierer erwischt, teilt die Stadt mit.

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