Schmiergeld

Skandal um schwarze Kassen bei Schüler Union

Die Mitgliedsbeiträge sollen erstattet worden sein, um sich die Gunst neuer Parteimitglieder zu sichern.

Die Mitgliedsbeiträge sollen erstattet worden sein, um sich die Gunst neuer Parteimitglieder zu sichern.

Düsseldorf.   Die Düsseldorfer CDU ist in Aufruhr. Ulrich Wensel, Chef der Jungen Union, soll Stimmen von neuen Parteimitgliedern gekauft haben.

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Der Vorwurf an die Führung der Düsseldorfer Jungen Union (JU), schwarze Kassen unterhalten zu haben, nimmt neue Fahrt auf. Denn die CDU-Kreispartei hat während der Aufarbeitung des Falls dessen Existenz bestätigt. Im Zuge der parteiinternen Aufklärung wurde der Vorgang an die Bundes-CDU und die Bundestagsverwaltung zur Prüfung weitergereicht.

Der Vorwurf: Schmiergelder für Parteieintritte

Im November wurden in einem anonymen Brief schwere Vorwürfe gegen Mitglieder des Kreisvorstandes der Jungen Union laut. So soll der Vorsitzende Ulrich Wensel versucht haben, sich vor Wahlen im Stadtbezirk Mehrheiten zum verschaffen, indem er Neumitgliedern Mitgliedsbeiträge auszahlte. Das Geld für dieses Vorgehen stamme laut anonymer Nachricht aus einer schwarzen Kasse der Schüler Union.

Der Beschuldigte weist die Vorwürfe von sich und holt zum Gegenschlag aus. Am Freitag veröffentlichte Wensel eine Stellungnahme von ihm und dem früheren Kassenbuchführer Kilian Chevalier vom vergangenen Dezember. Dort heißt es, die Schüler Union sei zum Zeitpunkt der ungeklärten Geldflüsse nicht offizieller Teil der Partei gewesen. Somit müssten die Einnahmen im Kassenbuch der Schüler Union nicht als Parteispenden ausgewiesen sein. „Ich habe dieses ‘Kassenbuch’ vor Publikation in der Presse nie gesehen“, verteidigt sich Ulrich Wensel in der Stellungnahme.

Wensel beschuldigt seinen Vorgänger

Zudem beschuldigt der JU-Chef indirekt seinen Vorgänger Benedict Stieber. So habe der damalige Kassenbuchführer Kilian Chevalier einen USB-Stick mit der vermutlich schwarzen Kasse Stieber bei einem Parteitreffen im März vergangenen Jahres übergeben.

In einer schriftlichen Stellungnahme bestätigt Chevalier diese Behauptung. „Benedict Stieber hat den Erhalt des digitalen ‘Kassenbuchs’ aber bis heute verschwiegen“, kritisiert Wensel, spricht von einer „bewussten und gewollten Schädigung seiner Person“ und droht mit rechtlichen Schritten: „Dieser widerwärtigen Kampagne gehe ich nach anwaltlicher Beauftragung straf- und zivilrechtlich nach.“

Stieber: „Das ist einfach schlechter Stil.“

Benedict Stieber, mittlerweile stellvertretender Vorsitzender der CDU Kaiserswerth, weist auf NRZ-Anfrage die Anschuldigungen von sich: „Der Vorwurf ist falsch. Sie können alle restlichen Teilnehmer der Veranstaltung fragen, ich habe keinen USB-Stick bekommen und wusste nichts von der Kasse“, so Stieber und führt weiter aus: „Das jetzt in die Öffentlichkeit zu zerren, ist einfach schlechter Stil.“

Zu einem Punkt sind sich Stieber und Wensel einig: Die Schlammschlacht um die schwarzen Kassen schadet nicht nur den Betroffenen, sondern vor allem der CDU in Düsseldorf.

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