Punkszene

So leben Punks in Düsseldorf - Bildband einer anderen Welt

Fotograf Kaan Düzer ist ein halbes Jahr in die Düsseldorfer Punkszene eingetaucht.

Foto: Kaan Düzer

Fotograf Kaan Düzer ist ein halbes Jahr in die Düsseldorfer Punkszene eingetaucht. Foto: Kaan Düzer

Düsseldorf.   Kaan Düzer gibt in seinem Bildband Einblicke in die Düsseldorfer Punkszene. Ein halbes Jahr verbrachte er mit den Punks von der Kapuzinergasse.

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Mitten in der Altstadt Düsseldorfs zwischen schicken Geschäften mit hohen Schaufenstern sitzen sie auf dem Asphalt. Grell pink oder neongrün leuchten ihre Haare, geflochten, kurz geschoren oder zum Irokesen-Schnitt aufgestellt, ihre Kleidung meist schwarz. Nieten und Aufnäher prangen darauf. Die Haut tätowiert und gepierct. Den ganzen Tag sitzen sie da. Vertreiben sich die Zeit mit Rauchen, Trinken, Lesen, Musizieren. "Einige Passanten starren sie an, andere trauen sich nicht hinzusehen", sagt Fotograf Kaan Düzer. Die Punks in der "Kapu", der Kapuzinergasse, scheinen nicht hierher zu passen. Kaan Düzer hat sie ein halbes Jahr mit der Kamera begleitet. Seine Fotos hat er in dem Bildband "frei sein - das andere Leben in Düsseldorf" veröffentlicht.

Kaan Düzer ist fasziniert von den Punks. Hauptberuflich arbeitet er in der IT-Branche, doch in seiner Freizeit widmet er sich ganz der Fotografie. "Es ist als würde ich Durst bekommen. Ich muss dann einfach fotografieren." Dann fährt er los und sucht sich Motive, am liebsten Menschen. Bei einer dieser Touren ist er auf die Punks in der Kapuzinergasse gestoßen.

Sechs Monate verbrachte Kaan Düzer mit den Punks

"Ich bin einfach hingegangen und habe gefragt, ob ich Fotos machen kann", erzählt Düzer. Erst seien sie skeptisch gewesen, wollten nicht. Düzer ließ nicht locker. Irgendwann ließen sie sich darauf ein. "Die ersten Bilder waren gestellt, meine Kamera war ein Fremdkörper". Er kam wieder, brachte Abzüge der Bilder mit. Sie tranken ein Bier zusammen. Das Eis war gebrochen.

Ein halbes Jahr lang von April bis Oktober 2015 kam er regelmäßig her, lernte die Gruppe kennen. "Irgendwann bemerkten sie gar nicht mehr, dass ich fotografierte. Dann konnte ich die schönsten Situationen einfangen." 2000 Bilder sind in dieser Zeit entstanden. Ein Drittel davon hat Düzer mit einer analogen Kamera aufgenommen.

Studenten, Obdachlose und Berufstätige

Was Punks für Menschen sind? Düzer überlegt einen Moment. Studenten, Obdachlose, aber auch Berufstätige seien unter ihnen. "Manchen merkt man an, dass sie aus einer guten Familie kommen", sagt Düzer. Was sie verbindet sei der Protest, der Wunsch, anders sein zu wollen.

Vor allem eine Begegnung ist dem Fotografen im Gedächtnis geblieben: "Er ist Wissenschaftler, Doktor der Biologie. Tagsüber forscht er im Labor. Abends sitzt er auf der Straße und trinkt Bier." Für Düzer sei das unvorstellbar. "Der Mann führt ein Doppelleben."

Autorenhonorar wird gespendet

Der heute 46-Jährige ist in Istanbul geboren worden. Sein Großvater schenkte Kaan Düzer seine erste Kamera. Damals war er neun Jahre alt. Nach der Schule begann er eine Fotografenausbildung, studierte anschließend BWL. Während des Studiums lernte er seine Frau kennen und ging mit ihr nach Deutschland. Hier wandte er sich der Informatik zu. Ob er es bereue, nicht Fotograf geworden zu sein? "Nein, müsste ich mit der Fotografie Geld verdienen, könnte ich mich nicht künstlerisch austoben", sagt Düzer.

Das Autorenhonorar aus dem Bildband spendet er in voller Höhe an das Projekt "underdog" der Obdachlosenzeitung fiftyfifty. Im Rahmen des Projekts werden kostenlose Arztsprechstunden für Haustiere angeboten.

Titel: frei sein - das andere Leben in Düsseldorf, ISBN: 978-3-7392-0751-3, Verlag: BoD - Books on Demand, Norderstedt, Preis: 14,90 Euro

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