Bandprojekt

"Sound of Freedom": Flüchtlinge in Düsseldorf machen Musik

„Sound of Freedom“ im Proberaum des Düsseldorfer Musikbunkers.

Foto: Francois Duchateau

„Sound of Freedom“ im Proberaum des Düsseldorfer Musikbunkers. Foto: Francois Duchateau

Düsseldorf.  Das Musikprojekt „Sound of Freedom“ sorgt für Aufsehen. Mit dieser Band lernen Flüchtlinge, sich schneller im deutschen Alltag zurechtzufinden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein Rapper und Keyboarder aus dem Iran, Gitarrist und Geiger aus Albanien, Reggae-Sänger aus Guinea: Das bunt zusammengewürfelte Projekt „Sound of Freedom“ sorgt derzeit für Aufsehen. Selbst TV-Teams aus Asien reisen an, um über die Düsseldorfer Band zu berichten – sie besteht aus Flüchtlingen.

Andere Musiker träumen von Ruhm und großem Geld, diese hier wollen nur spielen, um sich nicht verrückt zu machen. Das Schreiben und Proben eigener Songs im Düsseldorfer Hochbunker ist ein guter Ausgleich zum monatelangen Warten auf die Beantwortung des Asylgesuchs, sagt Björn Frahm; er betreut das Projekt nicht nur musikalisch, sondern ist auch mit Alltagstipps für die jungen Männer da. „Die Jungs brauchen ein kreatives Ventil. In ihnen steckt viel Talent, das sagen auch die Leute von der Schumann-Musikhochschule.“

Neuling Reza beeindruckt mit sieben gerappten Silben pro Sekunde. Er ist erst seit wenigen Wochen Teil der Gruppe. Musikmachen mit Flüchtlingen bedeutet nämlich auch: hohe Fluktuation. So kommt es, dass alle drei bis vier Monate ein Mitglied die Band verlässt oder neue Gesichter sich anmelden. „Gut, dass an den Drums Konstanz herrscht“, sagt Frahm, „dort hilft uns ein deutscher Musikstudent aus. Die wenigsten Flüchtlinge spielen nämlich Schlagzeug“. Er hat früher auch schon Projekt e mit den Vereinten Nationen in die Tat umgesetzt.

Nach Deutschland geflohen

Rasta-Mann Michael ist nicht nur der älteste der Gruppe, er ist vielleicht auch das Vorbild für die vielen anderen, die mit großen Hoffnungen nach Deutschland geflohen sind. Der Antrag des 32-Jährigen wurde nämlich bereits angenommen. Drei Jahre des Wartens und der Ungewissheit „waren allerdings sehr viel Stress“, erzählt die Frohnatur auf Deutsch. „Ehrlich gesagt war sie eine Katastrophe. Doch so ist das Leben, man muss kämpfen, immer kämpfen.“

Zu gerne würde er seiner Heimat Guinea, die er 2011 verließ als noch eine Militärdiktatur herrschte, genauso etwas zurückgeben wie Deutschland, das ihm politisches Asyl gewährte. Michael, dessen Ein­flüsse sich von Bob Marley über den Rapper Tupac bis zum Jazz erstrecken, erzählt von seinem Traum, Profimusiker zu werden und mit dem Geld sinnvolle Projekte zu fördern: sauberes Trinkwasser in Afrika, bessere Schulen, Betreuung für Flüchtlinge. Auch eine Ausbildung als Tontechniker reizt ihn.

Katastrophale Perspektiven

Während Michaels Status geklärt ist, wartet Fatjon noch auf den Bescheid. Im Gegensatz zu seinem afrikanischen Bandkollegen muss sich der albanische Gitarrist auf eine Abweisung einstellen. Wirtschaftsflüchtlinge werden aktuell in der Regel abgeschoben. Fatjon floh nach Deutschland, weil die musikalischen Ausbildungsmöglichkeiten in Albanien genauso katastrophal sind wie die berufliche Perspektive, sagt er. Ein Schullehrer verdiene umgerechnet etwa hundert Euro im Monat.

Solche Gedanken sollen in der Zeit an den Instrumenten einfach mal abgeschaltet werden, sagt Björn Frahm, der auf Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Pünktlichkeit achtet und diese Werte seinen Jungs auch bewusst vermittelt. „Ich zeige ihnen, wie Deutschland funktioniert, damit sie im Alltag besser zurechtkommen.“

Instrumentenspenden und U-Bahntickets

Mit Konzerten haben sich „Sound of Freedom“ in den vergangenen Wochen und Monaten bei einigen der vielen Sponsoren bedankt, die ihnen mit Instrumentenspenden und U-Bahntickets geholfen haben. Weitere Gigs sollen folgen. Derzeit schreiben „Sound of Freedom“ Songs, in denen Hip Hop und internationaler Pop auf klassische Elemente treffen; die Texte drehen sich um Liebe, Hoffnung und Heimat. Ihre Nummer, in der sich die Multikulti-Truppe fragt, wo doch „The Land Of Love“ sei, geht sofort ins Ohr. Und Michael, der das Land seiner Liebe in Deutschland fand, lacht dazu: „Aber eins kann ich euch sagen: Ohne Papiere geht gar nichts in diesem Land!“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik