Mülltonnen

Städte in NRW testen singende High-Tech-Mülltonnen

Ein Kind wirft eine leere Flasche in die sprechende Mülltonne „Big Belly“ am Carlsplatz in Düsseldorf. Die Mülltonne sagt Danke, nachdem ein Einwurf stattgefunden hat.

Ein Kind wirft eine leere Flasche in die sprechende Mülltonne „Big Belly“ am Carlsplatz in Düsseldorf. Die Mülltonne sagt Danke, nachdem ein Einwurf stattgefunden hat.

Foto: Uwe Schaffmeister

Essen.   Singen können sie und eigenständig melden, wenn sie geleert werden müssen. In deutschen Innenstädten, darunter Arnsberg, Düsseldorf und Recklinghausen, werden High-Tech-Mülltonnen getestet, die allerdings nicht ganz billig sind.

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Was sie können, kann nicht jeder. Singen etwa, „Danke“ sagen oder rechtzeitig melden, wenn sie voll sind. Ob die High-Tech-Abfalltonnen eines US-Herstellers aber die Lösung der Müllprobleme in deutschen Innenstädten darstellen, soll der Praxistest in den Kommunen zeigen. Recklinghausen und Arnsberg beteiligen sich an den Versuchen, in Düsseldorfer haben sich Marktbetreiber privat für die neuen Tonnen entschieden. erfahrungen sammeln auch Hamburg, Karlsruhe oder Frankfurt. Skeptiker gibt es vor allem wegen der Kostenfrage.

Die mit Solarenergie betriebenen „Big Bellys“, was frei mit „dicker Bauch“ übersetzt wird, verdichten den eingeworfenen Müll nach Herstellerangaben derart zuverlässig, dass sie die siebenfache Menge schlucken können. Per Internet melden sie sich bei ihrem Entsorgungsbetrieb, wenn sie voll sind. Von dieser Ausstattung verspricht sich die Stadt Recklinghausen viel: „Vier Behälter im zweiwöchigen Rhythmus (gleich 400 Liter pro Woche) könnten somit durch vier Big Belly Solar ersetzt werden, die dann nur ein Mal in sechs Wochen geleert werden müssten. Statt zwölf Anfahrten also nur eine Anfahrt.“

In 14 Sprachen ein „Danke“

Bemerkbar machen sich die Tonnen für die Passanten weniger durch ihre eingebaute Müllpresse. An einer Schule in Karlsruhe zeigt sich ein „Big Belly“ lernfähig. Gleich in 14 Sprachen bedankt er sich für den Einwurf. Und auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt stimmte im vergangenen Jahr die Mülltonne Adventslieder an, wenn sie Müll schlucken musste. In Hamburg zeigte der Behälter allerdings seine Schwächen. Als Unbekannte an den Sprachchip wollten, reagierte „Big Belly“ beleidigt. Seitdem schweigt er beharrlich.

Der seit etwa zwei Jahren in vielen Städten laufende Praxistest soll jetzt zeigen, wie anfällig die Technik der Tonnen ist und ob sich wirklich Fahrten der Entsorgungsbereiche einsparen lassen. 4500 Euro kostet ein „Big Belly“, deutlich mehr als einer der bisher üblichen Papierkörbe, deren Anschaffung mit rund 600 Euro im Etat auftaucht. Für Rolf Friesewinkel von den Essener Entsorgungsbetrieben ist dies die Kernfrage: „Der Preis erscheint mir zu hoch.“

Hohe Kosten für die "Big Bellys“

Er beobachtet die Versuche in den anderen Städten und freut sich, „dass nicht jede Kommune eigene Erfahrungen mit entsprechenden Kosten machen muss“. Nach seiner bisherigen Einschätzung ist das Aufnahmevolumen der „Big Bellys“ trotz der inneren Müllpresse gegenüber normalen Tonnen nicht so viel höher. Den hohen Kaufpreis sieht er auch dadurch nicht gerechtfertigt. Gerade in Innenstädten, wo Mülltonnen mehrmals täglich geleert werden, sei es auch nicht sinnvoll, die eingespielten Touren zu ändern, um individuell auf den per Internet gemeldeten Füllstand zu reagieren.

Den Sprachchip sieht er als nette Spielerei an, die als Extra-Ausstattung auch wieder Geld koste. Entscheidend sei bei den modernen Tonnen ihre Robustheit, denn der „zunehmende Vandalismus in unseren Städten“ verlange schon eine gewisse Standfestigkeit.

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