Theater

Statt Boulevard absurdes Theater mit offenem Ende

Herbert Herrmann und Nora von Collande bei der Premiere von „Als ob es regnen würde“ im Theater an der Kö.

Herbert Herrmann und Nora von Collande bei der Premiere von „Als ob es regnen würde“ im Theater an der Kö.

Foto: Dennis Haentzschel

Düsseldorf.   Herbert Herrmann und Nora von Collande begeistern bei der Premiere im Theater an der Kö in der französischen Komödie.

Normalerweise verschwindet Geld. Vermutlich keine Seltenheit in Wohnungen betuchter Herrschaften. Doch beim lässigen Anästhesisten Bruno (Herbert Herrmann) und seiner Frau Lawrence, einer attraktiven Lehrerin (Nora von Collande) ticken die Uhren anders. In ihrem Pariser Domizil im historischen, feinen 15. Arrondissement, das nicht selten von Einbruch und Diebstahl bedroht ist, liegt plötzlich Geld auf dem Tisch, wird aus einem Schrank geblasen oder regnet von der Decke. Insgesamt fast 30 000 Euro. „Als ob es regnen würde“ – so der Titel einer seltsamen Komödie aus der Feder von Sébastien Thiéry, die am Wochenende Premiere im Theater an der Kö feierte. Wegen Grippewelle, wie Hausherr René Heinersdorff bedauerte, war an dem Abend sein Theater in den Schadow-Arkaden nicht voll besetzt.

Das Dream-Team hat eine große Fan-Gemeinde

Obwohl das Dream-Team Herbert Herrmann und Nora von Collande eine große Fangemeinde hat. Seit fast 30 Jahren spielen sie sich, wie auch jetzt wieder, die Bälle zu. Gags und Slapsticks inklusive. Bislang traten sie in der Komödie Steinstraße auf, nun das erste Mal bei Heinersdorff. Und wie meist, wenn Herrmann/Collande – ein Paar im Leben und praktischerweise auch auf der Bühne – im Doppelpack auftreten, führt er Regie, und sie ist gleichzeitig für Kostüme zuständig. Und, auch das ist schon Tradition, wechselt die modebewusste Madame Cora permanent die Klamotten. Viele schließen vorher Wetten ab, wie viele Kleider sie diesmal vorführt.

In der französischen Komödie des Erfolgsautors Thiéry, die mit ihren haarsträubenden Verwicklungen und Verdrehungen eher an absurdes Theater denn an Boulevard erinnert, fliegen so viele Scheine vom Himmel, dass der geldgierige Monsieur Bruno gleich in Paris’ schicke Boutiquen aufbricht. Und zurückkehrt mit lauter Einkaufstüten von Nobelmarken. Kaum jemand wundert sich, dass darunter auch ein pinkfarbenes Haute-Couture-Kleid mit gewagtem Dekolleté ist, das seine Frau nach einigem Zögern überstreift. Umzieh-Aktionen dieser Art quittieren gerne Zuschauerinnen mit Extra-Applaus. Gilt’s der Mode oder dem Stück? Egal.

Die Lügengeschichten werden zunehmend unwahrscheinlicher

Plötzlich taucht ein Nachbar auf, vermutlich das Opfer eines Diebstahls und auf der Suche nach seinem Vermögen. Mit Knarre und Beil will er (Stephan Schill macht daraus fast eine Comedy-Figur) sich sein Recht erkämpfen. Zunehmend unwahrscheinlicher werden die Lügengeschichten, die das muntere Paar Bruno und Lawrence dem Ärmsten auftischen. Wer auf Logik und Realitätsbezug verzichtet und sich auf die immer abstruseren Erklärungen einlässt, kann vielleicht einen ganz amüsanten Abend erleben. Die anfangs gestellten Fragen „Wie kommt das Geld zu uns?“ oder „Wer hat uns das (den Geldsehen) angetan?“ werden eh’ immer seltener, im zweiten Teil komplett ausgeblendet. Für Heiterkeit sorgt auch die spanische Reinemachfrau in lila-weißer Kittelschürze (Julia Kelz), die in Spanisch losrattert, alle Fragen falsch versteht und ohne Punkt und Komma auf Madame Lawrence einredet.

Fazit: Kein Boulevard, eher absurdes Theater, mit offenem Ende.

Bis 15. April zu sehen im Theater an der Kö in Düsseldorf, Schadow-Arkaden, Telefon 0211/322 333. www.theateranderkoe.de

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