Anrufe

Stehen Sie noch im Telefonbuch?

„Das Örtliche“ liegt mittlerweile unter anderem in Supermärkten aus.

„Das Örtliche“ liegt mittlerweile unter anderem in Supermärkten aus.

Foto: OH

Düsseldorf.   Jeder Bürger kann selbst entscheiden, ob er ins Telefonbuch eingetragen werden möchte. Mancher Düsseldorfer Politiker hat sich dafür entschieden.

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Früher gab es Telefonbücher nur gegen Abholkarte beim Postamt. Mittlerweile liegen sie einmal im Jahr unter anderem zur freien Mitnahme in den Supermärkten aus. Jeder Bürger kann für sich entscheiden, ob er in dem einst heiligen Buch auftauchen möchte – ob mit Festnetzanschluss oder mit Mobilfunknummer oder eben überhaupt nicht. Und es werden weniger, das Telefonbuch wird dünner und im Format kleiner. Auch der ein oder andere Politiker ist im „Örtlichen“, wie das Telefonbuch heißt, zu finden. Wir haben gefragt: Stehen Sie eigentlich im Telefonbuch?

Telefon-Rundumversorgung gibt es beim Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus. Bei ihm ist jedes Familienmitglied im Telefonbuch vertreten: Er, Ehefrau und die beiden Kinder – nur nicht der Hund. „Den kann man ja auch schlecht anrufen“, sagt der SPD-Mann lachend, „der bellt nur zurück“. Der Hund sei allerdings mit Bild an der Klingel vertreten, verrät er scherzend. Für die anderen Familienmitglieder gilt: Auch sie wohnen im Haus, also sollen sie auch angerufen werden können. Dass er selbst im Telefonbuch vertreten ist, hält Rimkus für wichtig: „Ich bin eine öffentliche Person.“ Bei ihm könne man auch an der Tür klingeln. Denn Rimkus pocht auf Bürgernähe. Auch wenn er selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Natürlich gibt es auch mal Idioten, die anrufen. Einmal hatte ich auch zerstochene Autoreifen.“ Er stellt jedoch klar: „Ich will mich nicht verstecken.“

Willms-Heyng (FDP): „Immer offen für Diskussionen“

FDP-Stadtteil-Politiker Sönke Willms-Heyng aus Gerresheim ist ebenfalls im Telefonbuch vertreten. Er wollte damit signalisieren, dass er offen sei, so Willms Heyng. „Die Bürger können mit ihren Anliegen jederzeit zu mir kommen. Ich bin auch immer offen für Diskussionen.“ Schließlich sei er gewählt worden – da hätten die Bürger Anspruch darauf, mit ihm in Kontakt zu treten, so der FDP-Mann.

Der Düsseldorfer Linken-Vorsitzende Udo Bonn steht nicht im Telefonbuch. „Meine Frau hat das Telefon angemeldet und sie stand auch eine Zeit lang drin. Dann gab es aber blöde Anrufe und sie hat den Eintrag rauslöschen lassen“, so Bonn. Wer ihn erreichen möchte, kann es über die Linke. Er selbst sei sehr zurückhaltend, auch was soziale Medien angeht. „Man verliert da schnell die soziale Contenance und diese Geschwätzigkeit ist nicht meins“, so Bonn.

Die Düsseldorfer Grünen-Sprecherin Mirja Cordes ist ebenfalls nicht im Telefonbuch vertreten. Wer aber mit ihr in Kontakt treten möchte, werde im Internet fündig“, so die Grüne.

Thomas Jarzombek (CDU) ist bald im Telefonbuch

Nicht im Telefonbuch vertreten ist auch die Düsseldorfer FDP-Vorsitzende, Ratsfrau und Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Früher war sie es einmal, „aber ich habe dann Anrufe bekommen, die mir sehr nahe gingen“. „Manche Leute können keine Distanz wahren“, so Strack-Zimmermann. Nun gebe es nur noch die Möglichkeit über das Wahlkampfbüro mit ihr in Kontakt zu treten.

Der Düsseldorfer CDU-Chef Thomas Jarzombek hat bislang ebenfalls keinen Eintrag im Telefonbuch – das wird sich aber ändern (NRZ sei Dank). „Ich weiß selbst nicht so ganz, warum ich das bisher nicht eingetragen habe“, so der Christdemokrat. Nun wolle er das aber in die Wege leiten – bis die Eintragung jedoch auf dastelefonbuch.de und Konsorten zu finden ist, können aber bis zu acht Wochen vergehen, heißt es auf der Seite seines Düsseldorfer Telefonanbieters. Zwar findet Jarzombek, dass Telefonbücher schon „ziemlich 90er“ sind, dennoch sei es wichtig, dass die Bürger mit ihm in Kontakt treten können.

Bundesweit erscheinen 163 Ausgaben „Das Örtliche“. Bei einer Gesamtauflage von 19,7 Millionen Exemplaren sind dort 21,8 Millionen Einträge verzeichnet. Es gibt 41 Partnerverlage, einer ist Schwann in Düsseldorf, der auf mehrmalige Nachfrage weder etwas zur Auflage des Düsseldorfer Telefonbuches noch zur Zahl der Einträge sagen konnte.

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