Stoppt diesen Lärm!

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

PROTEST. Angermunder schließen sich zur Bürgerinitiative gegen den wachsenden Zugverkehr vor ihrer Haustür zusammen.

ANGERMUND. Erst brummt es, dann grollt es in Orkanstärke: Alle paar Minuten donnert ein Zug durch Angermund, klagt Mediziner Georg Kraus. "Wir wohnen hier seit 15 Jahren", sagt der Chirurg, "und es ist Jahr für Jahr spürbar schlimmer geworden." Deshalb wollen sich jetzt rund 70 Angermunder zu einer Bürgerinitiative gegen den Zuglärm zusammenschließen. Denn nach den Plänen der Landesregierung soll zusätzlich zu ICE, Intercity und Güterzügen 2015 auch der Rhein-Ruhr-Express durch Angermund fahren.

Nachts 80 Dezibel gemessen

"Wir gehören nicht zu den Menschen, die an eine Autobahn ziehen und dann sagen: Die muss jetzt weg", macht Gefäßchirurg Kraus die Motivation der Anwohner klar. Aber allein der neue Express würde den Ausbau der Bahnlinie von vier auf sechs Gleise nötig machen. Dabei sei der Lärm schon jetzt unerträglich. "Wir haben bei eigenen Messungen 80 Dezibel festgestellt - auch nachts!" sagt Kraus. Und damit Lärm weit über dem erlaubten Grenzwert.

Es führen mehr Züge als früher, der Güterverkehr habe enorm zugenommen, dazu rollten die Loks mit ihren Waggons schneller und machten so mehr Krach. "Die Deutsche Bahn hat 1994 ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben - aber weigert sich bis heute, das zu veröffentlichen", kritisiert Kraus. Die CDU-Landtagsfraktion, so der Angermunder Arzt, habe die Anwohner wegen des Lärmschutzes auf 2015 vertröstet. Aber der Planungsausschuss im Rathaus habe schon 1992 beschlossen, den Lärmschutz entlang der Gleise zu verstärken. Bisher sei allerdings nichts passiert.

Einige Angermunder haben daher vor Wochen einen Fragebogen im Stadtteil zum Zuglärm verteilt. "350 kamen ausgefüllt zurück, und 70 Bürger wollen sich in einer Initiative engagieren", schildert Kraus den Erfolg. "Am 16. April werden wir uns deshalb zusammensetzen und überlegen, wie wir uns organisieren, und unsere zentralen Forderungen formulieren." Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.

Zu den Plänen für den Rhein-Ruhr-Express läuft zurzeit die Umweltverträglichkeits-Prüfung. Das Genehmigungsverfahren soll im kommenden Jahr anlaufen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben