Soziale Integration

Schwimmkurs der Caritas ermöglicht Teilhabe per Seepferdchen

Die Kinder der St. Michael Kita und Schwimmlehrer Jürgen Gläser starten die „Wassergewöhnung“.

Die Kinder der St. Michael Kita und Schwimmlehrer Jürgen Gläser starten die „Wassergewöhnung“.

Foto: Niklas Tröschel

Düsseldorf.   Ein Schwimmkurs der Caritas soll sozial schwache Kinder über Wasser halten. Bäderchef Kettler fordert mehr Personal.

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Die Caritas hat gestern im Flingerner Freizeitbad „Düsselstrand“ einen neuen Schwimmkurs für sozial schwache Kinder vorgestellt. Während der Veranstaltung kritisierte der Caritasdirektor Frank Hensel die Organisation von Fördermitteln und forderte mehr kulturelle Teilhabe für benachteiligte Familien.

Das erste Mal im Schwimmbad

Am Düsselstrand bekamen gestern 13 Vorschulkinder aus der Lierenfelder Tagesstätte St. Michael ihren allerersten Schwimmunterricht. In 20 einstündigen Kursen sollen die Kinder erst mögliche Ängste vor dem Wasser verlieren und anschließend das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ abschließen. „Keines dieser Kinder hat bis heute ein Schwimmbad betreten“, betonte Caritasdirektor Hensel: „Für Familien, die Hartz IV beziehen, ist der Besuch im Schwimmbad ein Luxusgut.“

Das bestätigte auch die Leiterin der Lierenfelder St. Michael-Kita Karin Moseke: „Man darf nicht vergessen, mit den Eintrittspreisen ist es nicht getan. Dazu kommt noch der Anfahrtsweg, Badehosen und weiteres.“ Laut Caritas fielen für den Schwimmkurs etwa 250 Euro pro Kind an.

Düsseldorf verteilt effektiver als Bund

Frank Hensel kritisierte die Organisation von staatlichen Zuschüssen. Das Bildungs- und Teilnahmeprojekt der Bundesregierung bringe das zur Verfügung gestellte Geld nicht effizient an die Bevölkerung: „Wer für einen Schwimmkurs Zuschüsse haben möchte, muss sich teilweise durch einen 19-seitigen Antrag kämpfen. Allein daran scheitern schon viele Familien.“

Familien in Düsseldorf können auf kommunale Mittel zugreifen. Die „Düsselcard“ wird Empfängern von Sozialleistungen automatisch zugeschickt. Inbegriffen ist eine Vergünstigung der Eintrittspreise für die Bädergesellschaft der Landeshauptstadt von 4,60 auf 3 Euro. Schwimmkurse sind dabei nicht enthalten.

Immer mehr Kinder schließen nicht mehr das Schwimmabzeichen „Bronze“ ab, dass laut der deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ein Mindestmaß an Sicherheit im Wasser garantiert. So seien 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer.

Es mangelt an Schwimmlehrern

Roland Kettler, Geschäftsführer der Bädergesellschaft, will mit mehr Angeboten gegen diesen Trend steuern. „Nur die Suche nach Schwimmlehrern gestaltet sich unheimlich schwer“, erklärte der Bädcherchef: „In der Branche herrscht Vollbeschäftigung, wir brauchen mehr Ausbilder.“ Laut Kettler kann sich durch die Schwimmkurse der Düsseldorfer Grundschulen etwa ein Drittel der Kinder das Bronze-Abzeichen auf die Badehose nähen. Immerhin 70 Prozent machen das Seepferdchen.

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