Oper

Teure Vertragspanne an der Oper am Rhein

Wenn Martin Schläpfer (rechts) nach Wien geht, wird sein Vertrauter Remus Sucheana (links) freigestellt. Der neue Tanz-Chef Demis Volpi hat andere künstlerische Vorstellungen.

Wenn Martin Schläpfer (rechts) nach Wien geht, wird sein Vertrauter Remus Sucheana (links) freigestellt. Der neue Tanz-Chef Demis Volpi hat andere künstlerische Vorstellungen.

Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.  Wenn Ballett-Chef Martin Schläpfer nach Wien wechselt, wird sein Vertrauter unter dem Nachfolger nicht ,mehr arbeiten, wird aber weiter bezahlt.

Der vorzeitige Abgang von Ballett-Direktor Martin Schläpfer wird für die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf ein teures Nachspiel haben: Nachfolger Demis Volpi, der das Ballett zur Spielzeit 2020/21 übernimmt, und Schläpfers Vertrauter Remus Sucheana können sich eine gemeinsame Arbeit nicht vorstellen. Für diesen Fall hat die Oper vertraglich offenbar nicht vorgesorgt: Sucheanas Vertrag läuft noch bis 2024. Eine Ausstiegsklausel gibt es darin nicht. Nun soll Sucheana nach Volpis Antritt freigestellt – aber weiter bezahlt werden.

Es geht um 381.000 Euro

Beide Seiten haben eine Übereinkunft verhandelt. Falls Sucheana bis zum Ende des Vertrags keine neue Stellung antritt, müsste die Oper ihm 381.600 Euro zahlen.

Sucheana war mit Schläpfers Antritt im Jahr 2009 zunächst als Solist zur Compagnie der Rheinoper gestoßen. Unter Schläpfer stieg er erst zum Co-Direktor und Leiter der Ballettschule und dann zum Direktor der Compagnie auf. Schläpfer holte ihn in eine Doppelspitze, um sich zu entlasten. Das Modell bewährte sich auch aus Sicht der Opernspitze: Noch Ende 2017 wurden die Verträge der beiden bis zum Jahr 2024 verlängert, wobei Schläpfer noch mehr Freiheiten für Arbeiten außerhalb Düsseldorfs erhielt. Auch dieses Entgegenkommen konnte den gefeierten Ballett-Chef nicht halten: Nur rund ein halbes Jahr später entschied sich Schläpfer, 2020 zum Wiener Staatsballett zu wechseln.

Auch Sucheanas Tage in leitender Position sind gezählt

Dadurch sind auch die Tage von Sucheana in seiner leitenden Position gezählt. Die kommende Spielzeit bestreitet die bisherige Doppelspitze noch gemeinsam. Dann kommt Nachfolger Demis Volpi. Der traf sich im März mit Sucheana zum Gespräch. Es habe sich herausgestellt, dass die beiden unterschiedliche „künstlerische Ausrichtungen“ haben, hieß es in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats zur Personalie Sucheana. Eine Fortsetzung der Doppelspitze war damit keine Option.

Das Haus hat für einen solchen Fall nicht vorgesorgt

Das Problem: Dafür hat das Haus nicht vorgesorgt. Gedanklich seien die Verträge mit Schläpfer und Sucheana zwar verknüpft gewesen – vertraglich sind sie unabhängig. Auch als Schläpfers plötzlicher Abschied vollzogen wurde, wurde das Thema Sucheana offenbar nicht geklärt. Die Oper begründet das damit, dass nicht klar gewesen sei, ob eine längere Übergangszeit bevorsteht, in der Sucheana die Compagnie kommissarisch geleitet hätte.

Beide Seiten werden anwaltlich vertreten und haben eine Vereinbarung ausgehandelt. Demnach endet der Vertrag nun ein Jahr früher. Für zwei Spielzeiten erhält Sucheana die bisherige Vergütung von 11.000 Euro pro Monat, danach für ein Jahr noch eine geringere Entlohnung. Aus Aufsichtsratskreisen heißt es, man sei zuversichtlich, dass der ehrgeizige Ballettdirektor bald ein neues Engagement habe, dann würde je nach Zeitpunkt nur eine geringere Abfindung fällig. Sucheana und Opernintendant Christoph Meyer wollten sich auf Nachfrage nicht zu dem Fall äußern. Der Aufsichtsrat hat zugestimmt, eine sofortige Vertragsauflösung wäre noch teurer gekommen. Für die Oper ist der Fall nicht zuletzt brisant, da das von Düsseldorf und der Nachbarstadt Duisburg betriebene Haus unter starkem Spardruck steht.

„Leider wurde der Vertrag von Sucheana nicht an den von Schläpfer gekoppelt“

Der stellvertretende Aufsichtsratschef, Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), sagt, bei der Verlängerung von Martin Schläpfer habe man seine Erfolgsgeschichte in Düsseldorf weiterschreiben wollen. Dazu habe gehört, ihn von den administrativen Aufgaben zu entlasten und Sucheana in die Doppelspitze einzubinden. „Bekanntlich ist es anders gekommen, als wir alle erwartet hatten“, sagt Geisel. „Leider wurde der Vertrag von Sucheana nicht an den von Schläpfer gekoppelt.“

Eine Pflicht hat Sucheana aber noch übernommen: Er erklärt sich bereit, für die Einstudierung von Schläpfer-Balletten zur Verfügung zu stehen. Es ist ungewiss, wie stark die Oper und ihre Besucher davon profitieren werden: Demis Volpi soll dem Vernehmen nach wenig Interesse daran haben, die Ballettabende seines Vorgängers zu zeigen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben