Stadtteilserie

Unterwegs mit einem echten „Dorfsheriff“

Wolfgang Stahl ist der Bezirksbeamte von Lohausen

Foto: Annabell Fugmann

Wolfgang Stahl ist der Bezirksbeamte von Lohausen Foto: Annabell Fugmann

Düsseldorf.  Der Polizist Wolfgang Stahl ist Bezirksbeamter in Lohausen und Kaiserswerth. Die NRZ ging mit ihm auf Streife.

Kaffeepause. In der Flüchtlingsunterkunft strahlen uns ein Mitarbeiter vom Ordnungsamt und der Unterkunftsverwalter entgegen, als der Bezirksbeamte Wolfgang Stahl in die Verwaltungszentrale kommt. „Alles gut?“ Jamal Mouzhir springt vom Tisch auf, ein freundschaftlicher Handschlag folgt. Der Container-Standort in Lohausen ist ein Punkt, den Wolfgang Stahl bei seiner Streife regelmäßig besucht.

Wichtig sind die Kontakte vor Ort

Kontakte vor Ort zu knüpfen, das gehört zum Berufsbild vom Bezirksdienstpolizisten. „Viele machen diesen Job bis zum Rentenalter“, sagt er 43-Jährige. Bezirksbeamte sind die Schutzleute in den Stadtquartieren, die Ansprechpartner vor Ort, sie überwachen die Verkehrssicherheit oder die Rückkehrverbote nach häuslicher Gewalt und sind bei den Schützenfesten präsent. Zudem leisten sie Nachsorgearbeit bei Opfern von Straftaten, überwachen Schulwege und machen einen „Fußgängerführerschein“ mit den Kleinsten. „Kein Hansguckindieluft, nicht rennen oder pennen, an Bordstein ist halt“, lacht der Polizist, solche Sprüche kämen bei den Kindern an. Auch Freundlichkeit gehört zu seinem Berufsprofil.

Wolfgangs Stahls Arbeitstag beginnt in Kaiserswerth, dort hat er in dem kleinen Dienstposten seinen Computer, hier finden auch die Bürgersprechstunden statt. „Ich mache mir zuerst ein Lagebild davon, was in der Inspektion los ist“, sagt der 43-Jährige. Der Beamte schaut nach Strafanzeigen, guckt, ob er Aufträge zur Aufenthaltsermittlung erhalten hat oder blickt in das „Vorhersagetool“.

Der Computer zeigt die potenziellen Einbrüche

Mittels Berechnungen gibt ein Computerprogramm an, an welcher Straße vermutlich Einbrüche stattfinden. Dort will die Polizei mehr Präsenz zeigen. Mit diesen Faktoren stellt der Polizist seine individuelle Route für den Tag zusammen. Dann steigt er in den Bus, denn Bezirksbeamte sind nur per Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs.

Manchmal, wenn sich Stahl morgens per Funk zum Dienst melden will, muss er warten, bis ein Flugzeug vorbei ist. Die sind zu laut... Auf seinem Weg von der Flüchtlingsunterkunft zur gelben Schule begegnen Stahl auch an diesem Tag mehr Flugzeuge als Menschen. Einige Fußgänger sagen „Hallo“, einige scheinen eingeschüchtert, vorbeifahrende Autos werden langsamer. Ein Hund verfolgt den Gang des Beamten.

Nur wenige Einbrüche

Auch die Kriminalstatistik bescheinigt dem Stadtteil wenig Vorkommen. „Fahrraddiebstähle sind im Sommer der Klassiker“, sagt der 43-Jährige, 22 gab es in den vergangenen zwölf Monaten. Autos wurden im vergangenen Jahr nur vier gestohlen. Dazu kommen Onlinebetrug oder Kreditkartenmissbrauch. Auch Einbrüche gebe es im Vergleich zu anderen Bezirken nicht viele – 13 waren es vergangenes Jahr. Dagegen scheint die Anzahl an Körperverletzungen hoch (80).

Jedoch müsse man auch einige Gebiete ausklammern, erklärt der Beamte, so sei der Flughafen in Sachen Taschendiebstahl nicht Repräsentant für den Ort und treibe die Statistik hoch (268 in den vergangenen 12 Monaten). Die Danziger Straße fällt mit schwerwiegenden Unfällen aus der Reihe.

Der Polizist stoppt an einer Ampel und schreibt etwas in sein Notizheftchen. Die Leuchte für den Warteknopf ist kaputt, er will den Kollegen Bescheid geben. Auch das gehört zu seinem Job. Nein, in Lohausen sei nicht viel los, und das sei auch gut so, sagt Wolfgang Stahl. Lohausen sei eben ein Dorf, und er, sagt er aus Spaß, sei der Dorfsheriff.

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