Flüchtlingshilfe

Düsseldorfer Verein hilft Geflüchteten in Selbstständigkeit

Der Vorstand des Düsseldorfer Vereins „Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf“: (v.l.) Hildegard Düsing-Krems, Patrick Schiffer und Gisela Dapprich.

Der Vorstand des Düsseldorfer Vereins „Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf“: (v.l.) Hildegard Düsing-Krems, Patrick Schiffer und Gisela Dapprich.

Foto: Ute Neubauer

Düsseldorf.  Fünf Jahre nach der Gründung: Der Düsseldorfer Flüchtlingshelfer-Verein blickt auf erfolgreiche Jahre zurück und präsentiert neue Projekte.

Vor rund vier Jahren hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre bekannte Ansprache mit dem Satz „wir schaffen das“. Der Verein „Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf“ wurde ein Jahr zuvor als Initiative in der Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen und sieht sich als Teil der Umsetzung von Merkels Ausspruch. Die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer blicken nun auf die vergangenen Jahre zurück und geben einen Einblick in neue Projekte ihres Vereins.

Geflüchtete werden in allen Bereichen unterstützt

„Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf“ könne auf viele positive Entwicklungen in den vergangenen Jahren zurückschauen, berichtet die Vorsitzende Hildegard Düsing-Krems. Am wichtigsten seien dabei die verschiedenen Beratungsangebote für die Geflüchteten, die sie im Welcome Center an der Heinz-Schmöle-Straße 7 hinter dem Hauptbahnhof wahrnehmen können. „Wir unterstützen sie bei der Wohnungssuche und dem Ausfüllen von Formularen und helfen beim Schreiben von Bewerbungen, sowie dem Erstellen von Lebensläufen“, so Düsing-Krems. Auch in Rechtsfragen bekommen die Geflüchteten Unterstützung. Da werden sie von ehrenamtlichen und pensionierten Anwälten beraten, die auch in „schwierigen Behördenangelegenheiten“ eine Lösung finden.

Die Geflüchteten können zudem Deutsch- und Englischkurse besuchen, und es gibt jeden Dienstag ein Sprachcafé. „Da trainieren die Leute, sich auf Deutsch zu unterhalten. Sie erzählen sich dann gegenseitig, mithilfe einer Landkarte, wo ihre Großmutter gelebt hat, oder über welche Route sie geflüchtet sind“, berichtet Düsing-Krems. Mittlerweile engagieren sich viele Geflüchtete, die bereits seit einigen Jahren in Deutschland sind, selbst in dem Verein und beraten Neuankömmlinge in deren Muttersprachen. „Arabisch und Farsi sind da besonders gefragt“, weiß Düsing-Krems.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Nun hat der Verein einige neue Projekte gestartet. „Wir initiieren immer etwas Neues, weil wir den Bedarf sehen“, sagt Düsing-Krems. „Viele der Geflüchteten haben sich mittlerweile so eingelebt, dass sie darüber nachdenken, sich selbstständig zu machen. Da gibt es jedoch einige Hürden in Deutschland, die sie so aus ihren Heimatländern nicht kennen“, berichtet sie.

In einer Kooperation mit dem Netzwerk IQ für Migrantenökonomie und mit der Handwerkskammer Düsseldorf unterstütz der Verein diese Geflüchteten nun auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Ein Beispiel dafür ist Souha Dayeh. Die Syrerin war nach ihrer Flucht erst in Ahlen untergekommen und suchte lange vergeblich nach einer Arbeit. „Ich habe über 100 Bewerbungen geschrieben. Ohne Ergebnis“, berichtet Dayeh. „Dann habe ich mich im Onlinehandel selbstständig gemacht und verkaufe nun Taschen und Schmuck über das Internet.“

Neue Anlaufstelle für Geflüchtete

Seit dem 1. Januar 2019 ist im Welcome Center des Vereins auch der Welcome Point 03 untergebracht. Insgesamt gibt es zehn dieser Anlaufstellen für Geflüchtete im Düsseldorfer Stadtgebiet. Dort sollen konkret die Menschen unterstützt werden, die im Stadtbezirk ihr Zuhause gefunden haben. Auch der Aufbau von Netzwerken soll gefördert werden. Freitags gibt es im Welcome Point 03 nun auch einen Frauengesprächskreis. „Für Frauen gibt es besondere Herausforderungen für die Integration“, erklärt Düsing-Krems. „Wir müssen zusehen, dass die Frauen nicht nur auf den Haushalt reduziert werden. Bestimmte Dinge sind in Deutschland nun mal gesetzt. Dass die Frau hier auch berufstätig ist, muss zur Integration dazu gehören.“

Seit fünf Jahren ist die Internetseite des Vereins ein wichtiges Nachschlagewerk zur Flüchtlingshilfe für alle. Nun erscheint die Seite im neuen Gewand und mit aktuelleren Inhalten. „Seit Sonntag haben wir alle Migrantenvereine der Stadt auf unserer Seite aufgelistet.

Bundesregierung erschwert die Arbeit

Für die Zukunft sieht Patrick Schiffer, Vorstands-Vize des Vereins, noch viel Arbeit. „Wir sind ein weltoffenes und integratives Land“, sagt er. „Aber was die Bundesregierung seit der Ansprache von Frau Merkel gemacht hat, ist kontraproduktiv für die Flüchtlingshilfe. Gerade die Gesetzgebung von Herrn Seehofer in den vergangenen zwei Jahren, erschwert unsere Arbeit und die Integration der Menschen. Das ist eine Reaktion ist auf die Debatte, die von der AfD angestoßen wurde“, kritisiert Schiffer, und Düsing-Krems fügt hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass ‘mein’ Düsseldorf auch weiterhin sagt, dass die AfD hier nicht willkommen ist.“

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