Coronakrise

Corona: Zwei Italiener appellieren an die Düsseldorfer

“Gemeinsam, ohne Angst“ heißt es auf diesem Plakat. Die Menschen werden aufgefordert, das Haus nur zu verlassen, wenn es notwendig ist. In Deutschland scheinen viele die Situation zu unterschätzen.

“Gemeinsam, ohne Angst“ heißt es auf diesem Plakat. Die Menschen werden aufgefordert, das Haus nur zu verlassen, wenn es notwendig ist. In Deutschland scheinen viele die Situation zu unterschätzen.

Foto: CARLO HERMANN / AFP

Düsseldorf.  Italien hat das Coronavirus weltweit am schwersten getroffen. Zwei Italiener zeigen sich deshalb befremdet von dem Verhalten vieler Deutscher.

Auf das Verhalten vieler Menschen in Deutschland – auch in Düsseldorf – die trotz der Warnungen noch unbekümmert ausgehen, können Italiener nur mit Kopfschütteln reagieren.

„Auf Sizilien gibt es in einigen Orten Straßensperren. Man kann sich nur noch sehr begrenzt bewegen“, berichtet Giuseppe Saitta, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Düsseldorfer Ortsverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), aus seiner italienischen Heimat.

Coronavirus: Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

„Die Leute akzeptieren das und leben damit, auch wenn es schwer ist.“ Auch in Rom sei die Lage ähnlich. „Freunde von mir gehen nur noch mit dem Hund raus. Die Kleidung ziehen sie dann vor der Tür aus, um keine Erreger in die Wohnung zu tragen“, erzählt Saitta. Diese Kleidung bleibe auch vor der Tür und sei nur zum Rausgehen bestimmt. „Die Tür ist wie eine Schleuse“, sagt der gebürtige Sizilianer.

Deutschland muss das Virus ernster nehmen

„Die Straßen sind menschenleer, und in die Supermärkte werden nur vereinzelt Kunden eingelassen, um Abstand zu wahren“, sagt Saitta weiter. Die Leute hielten sich mittlerweile an die Hinweise. „Der Bürgermeister von Palermo hat einen eindringlichen Appell an die Menschen gerichtet. Sie sollen zu Hause bleiben und nicht rausgehen, wenn es nicht wirklich nötig ist. Das muss hier in Deutschland auch gemacht werden. Wir müssen das ernster nehmen“, fordert Saitta.

„Wir müssen diese paar Wochen dann eben durchhalten. Es braucht eine ernsthaftere Herangehensweise, einen Cut. Wenn wir keinen Cut machen, gibt es auch keine Perspektive, weil wir die Krankheit nicht eindämmen“, meint Saitta.

Einheitliche Entscheidungen

„Es scheint, als hätten wir nichts gelernt aus Italien. Dort ist man uns gerade zwei Wochen voraus. Bei den Infektionen ist man auf dem Peak angekommen“, sagt er. Angesichts solcher Szenen wie aus Bergamo, wo vor einigen Tagen das italienische Militär die vielen Särge abtransportierte, müsse man den Leuten vor Augen halten, dass die Krankheit hier ist, meint Saitta. „Sie ist bei uns, und es ist die gleiche Krankheit, wie in Italien.“

Auch fordert er erneut einheitliche Entscheidungen der Politik. Gebe es diese nicht, führe es dazu, dass die Menschen die Krankheit unterschätzten, sagt Saitta. „Wir als Dehoga appellieren auch an die Politik, die Gastronomie komplett zu schließen. Das ist eine einheitliche Regelung und sie gibt uns Gastronomen die Möglichkeit, schneller an staatliche Unterstützung zu kommen“, so Saitta weiter.

Als wäre alles wie immer

Mit Unverständnis über das Verhalten vieler Leute hierzulande reagierte auch Kevin aus Udine in Norditalien, ein Freund des Autors dieser Zeilen. „Denken die Leute, in Italien würde man alles falsch und in Deutschland alles richtig machen, und deswegen werde schon nichts passieren?“

Kevin hat Medizin studiert, man kennt sich von einem Auslandsjahr in Spanien. „Es ist ein Desaster“, sagt er, „aber die Leute machen weiter, als wäre alles wie immer.“ Wie die meisten anderen bleibt er zu Hause. Noch habe er keine Anstellung in einem Krankenhaus, da ihm noch eine Spezialisierung fehle. „Aber ich gehe davon aus, dass man mich bald in eine kleinere Klinik schickt, um dort auszuhelfen“, sagt Kevin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben