Kultur

Volksbühne spendet 50.000 Euro für die freien Theater

Vertreter der Volksbühne (Kultur am Rhein) vergeben Spenden der Mitglieder an Leiter von Freien Theater. Peter Haseley (2. v. links) und Werner Sesterhenn (3. v. rechts).

Vertreter der Volksbühne (Kultur am Rhein) vergeben Spenden der Mitglieder an Leiter von Freien Theater. Peter Haseley (2. v. links) und Werner Sesterhenn (3. v. rechts).

Foto: Alexander Basta / Volksbühne

Theater schauen in eine unsichere, düstere Zukunft. Viele Betriebe können auch jetzt noch nicht spielen.

Es ist an der Zeit, sich für die vielen günstigen Theaterkarten der letzten Jahr(zehnt)e zu bedanken. Das dachten viele der 9000 Mitglieder der Düsseldorfer Volksbühne – heute „Kultur am Rhein“ genannt -, als sie einem Spendenappell folgten. Für Künstler, die am stärksten vom Lockdown betroffen sind. Nachdem Ende März die Schotten sämtlicher Theater dicht waren und, Corona-bedingt, eine der längsten Theaterpausen nach dem Zweiten Weltkrieg begann, schickten Vorsitzender Werner Sesterhenn und sein Team den ungewöhnlichen Aufruf. Etwa 550 Volksbühnler spendeten 45.000 Euro, der Vorstand legte 5000 Euro dazu, so dass nun 50.000 Euro verteilt werden konnten.

Anton Bachleitner: „Das Schlimmste liegt noch vor uns“

Da Sesterhenn und Peter Haseley (Geschäftsführender Vorstand) wissen, dass besonders die Freie Szene von den neuen Infektions-Gesetzen betroffen sind, entschieden sie sich das Geld unter zehn freien Theater-Ensembles und -Kollektiven zu verteilen. „Mit 5000 Euro kann man die Welt nicht retten, aber doch ein Zeichen setzen und Mut machen.“ Das sagte Sesterhenn gestern, als er im Theater an der Kö die Leiter der ausgewählten Freien Theater begrüßte. Unter anderem Christof Seeger-Zurmühlen, der in der Krise erfinderisch wurde und mit seinem Asphalt-Festival den Schwanenspiegel vor dem K21 als Open-Air-Spielstätte entdeckte und die Zuschauer begeisterte.

Aber: „Das Schlimmste liegt noch vor uns“, so Anton Bachleitner vom Marionetten-Theater. Sein Betrieb (Bilkerstraße) kann auch jetzt noch nicht spielen. Zu klein sind Zuschauer- und Bühnenraum, in dem Marionettenspieler auf Tuchfühlung stehen müssen. Wie er, wissen die meisten seiner Kollegen nicht, ob sie das nächste Jahr – die Saison 2020/2021 – überstehen und im nächsten Herbst nicht längst pleite sind. Und schlimmstenfalls für immer als Kultur-Institution von der Bildfläche verschwinden. Ausgerechnet sie, die, abseits der sogenannten ‚Hochkultur‘ für eine lebendige Kultur sorgen.

Anders als Sänger des Opernhauses, das Ensemble des Schauspielhauses und Musiker der Symphoniker, die beinah im Status von Kulturbeamten nahezu unkündbar sind, kann die Freie Szene nur durch Hilfe von Außen und Entgegenkommen der Stadtväter überleben. Das könnte 2021 schwierig werden, da erst dann der - durch den Lockdown verursachte - Einbruch der Gewerbesteuer-Einnahmen sichtbar und vermutlich riesige Löcher in den Stadtsäckel reißen wird.

Kämpfen wollen alle

Dennoch: Kämpfen wollen alle. Und verlieren – trotz steigender Infektionszahlen und eingeschränkter Zuschauer-Kapazitäten – ihren Optimismus nicht. So hat Kay Lorentz ‚sein‘ Kom(m)ödchen seit 1. Oktober wieder eröffnet. Nur die Hälfte der sonst üblichen Plätze sind im freien Verkauf. „Wenig Publikum, viel Applaus“, schmunzelt er. Das sei alles nicht kostendeckend. Ähnlich ist es im Puppentheater an der Helmholtzstraße, wo 26 Zuschauer statt 90 Platz nehmen dürfen. „Wir müssen schauen, wie lange wir das durchhalten“, so der Spross von Kabarett-Legende Lore Lorentz, die kürzlich 100. Geburtstag gefeiert hätte. Aber das Traditions-Kabarett wegen Corona aufgeben? Das kommt für ihn nicht in Frage.

Aus der Not eine Tugend machte das „Theater am Schlachthof“ in Neuss, ebenfalls Empfänger einer Volksbühnen-Spende. Die Betreiber konnten zwar nicht in der Gewerbehalle spielen, zogen aber ab April nach draußen und machten durch Parkplatz-Theater Schlagzeilen. Wegen der Kälte ist das nun nicht mehr möglich. Daher beginnt für sie jetzt eine Durststrecke. Dass auch die Volksbühne die Krise zu spüren bekommt, zeigen die Zahlen: 40 Prozent weniger Karten wurden in der letzten Spielzeit, nach Lockdown-Beginn im März, vermittelt.

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