Lockdown-Light

Sollen Düsseldorfer Gastronomen im Gesundheitsamt helfen?

Auch auf der Kö werden die Stühle in nächster Zeit unbesetzt bleiben. Gäste dürfen vorerst nicht empfangen werden. Geht es nach der NRW-FDP könnten die Kellner derweil im Gesundheitsamt arbeiten.

Auch auf der Kö werden die Stühle in nächster Zeit unbesetzt bleiben. Gäste dürfen vorerst nicht empfangen werden. Geht es nach der NRW-FDP könnten die Kellner derweil im Gesundheitsamt arbeiten.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die FDP schlägt vor, dass Gastronomen bei der Corona-Kontaktverfolgung helfen. Idee bekommt von Düsseldorfer Politikern verhaltene Zustimmung.

Wegen der Corona-bedingten Einschränkung der Gastronomie müssen viele dort Beschäftigte um ihre Jobs bangen. Bei der NRW-FDP will man jetzt eine Abhilfe gefunden haben, die sich doppelt lohnt: „Diese Kräfte könnte man bei den Nachverfolgungen in den Gesundheitsämtern oder für Kontrollen der Ordnungsämter einsetzen“, sagte Henning Höne, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, am Montag. Diese mögliche Maßnahme solle tausenden Kellnern und Küchenhilfen ein Einkommen sichern, gleichzeitig bei der Pandemiebekämpfung helfen, so Höne.

Strack-Zimmermann befürchtet verzögerte Wiedereröffnungen

„Das ist grundsätzlich erstmal eine nette Idee“, sagt seine Parteikollegin und Düsseldorfer FDP-Chefin Marie Agnes Strack-Zimmerman, „Ich glaube aber, es gibt andere Schalter, die man erstmal umlegen müsste“. Statt der Gastro-Beschäftigten sollen „so neben Bundeswehrsoldaten auch Beamte aus der Stadtverwaltung, die in gerade nicht priorisierten Bereichen arbeiten, zur Unterstützung der Ämter eingesetzt werden“. Ihre Partei wolle verhindern, dass Gastronomiebetriebe über längere Zeit geschlossen bleiben müssen. Ein Abzug der Kellner und Küchenhilfen würde, so befürchtet sie, eine Wiedereröffnung der Gastronomie verzögern.

„Dass man Mitarbeitern aus der Gastronomie, ähnlich wie den Beschäftigten von Kaufhof, anbietet, zwischenzeitlich beim Gesundheitsamt mitzuarbeiten, etwa in der Kontaktnachverfolgung, finde ich richtig“, so der Grünen-Landtagsabgeordnete Stefan Engstfeld. Eine ähnliche Maßnahme beim Ordnungsamt hält er dagegen für unmöglich, da es für die Arbeit dort eine spezielle Schulung brauche.

Marmulla: Stadt soll bei Lohnfortzahlung einspringen

„Eine solche Verstärkung des Personals beim Gesundheitsamt ist vorstellbar“, so Linke-Ratsmitglied Julia Marmulla, „wenn auch entsprechende Löhne gezahlt werden und es eine angemessene Einführung in die neue Arbeit gibt – etwa im Bereich Datenschutz“. Eine Verstärkung des Ordnungsamtes lehnt Marmulla jedoch ab – denn ihre Partei stehe dem Ordnungsamt an sich kritisch gegenüber, sagt sie. Besonders wichtig findet sie es dagegen, dass dafür gesorgt wird, dass die vielen auf 450-Euro-Basis Beschäftigten ihre Löhne während des Lockdowns fort bezahlt bekommen. Etwa 8000 davon arbeiten in Düsseldorf in der Gastronomie. „Am besten wäre eine bundesweite Lösung, aber wo der Bund nicht einspringt, soll die Stadt Düsseldorf aushelfen.“ Sonst drohten, so Marmulla, verheerende soziale Folgen.

Weske: „Geld in die Hand nehmen“

„Wir müssen die Studierenden im Blick haben, die überhaupt nichts haben, wenn ihre Nebenjobs in der Gastronomie oder an der Kinokasse wegfallen“, mahnt auch Markus Weske, Düsseldorfer Landtagsabgeordneter der SPD. Wenn von den Betroffenen einige erstmal nach freier Entscheidung im Gesundheitsamt arbeiten können, und so ein Einkommen gesichert bekommen, findet er das gut. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass solche Maßnahmen begrenzt sind. Die jetzt zusätzlichen Stellen reichten nicht dafür, alle entfallenen Jobs zu ersetzen. Wolle man an der Situation der nun ohne Einkommen dastehenden etwas ändern, „dann muss man schon mal Geld in die Hand nehmen“, so Weske.

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