Stadtrundfahrt

Wagenbauer Jacques Tilly zeigt bei Rundfahrt sein Düsseldorf

Bei der Tour mit dem roten Doppeldecker von Düsseldorf Tourismus zeigte Tilly seine Düsseldorfer Hotspots – einen großen Teil der Tour widmete er dem Schrecken des Nationalsozialismus in Düsseldorf.

Foto: Bern Schaller

Bei der Tour mit dem roten Doppeldecker von Düsseldorf Tourismus zeigte Tilly seine Düsseldorfer Hotspots – einen großen Teil der Tour widmete er dem Schrecken des Nationalsozialismus in Düsseldorf. Foto: Bern Schaller

Düsseldorf.   Bei einer Rundfahrt im roten Doppeldecker-Bus gewährte der Künstler Einblicke in die prägenden Orte der Stadt – die Einnahmen wurden gespendet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Wagenbauhalle in Bilk, das Comenius-Gymnasium in Oberkassel und die Golzheimer Siedlung – so hießen drei der Stationen, an die Jacques Tilly am Samstag den roten Doppeldecker von Düsseldorf Tourismus lotste. Die Karten für die Premiere von „Mein Düsseldorf“, der neuen Busrundfahrt für persönliche Stadtperspektiven, waren bereits zehn Minuten nach Online-Vorverkaufsstart ausverkauft. Im Herbst soll die zweite „Extratour“ stattfinden, dann mit einem anderen bekannten Düsseldorfer als Guide.

Tilly gewährt einen Blick in seine Wagenbauhalle

Der rote Doppeldecker fuhr bei bestem Frühlingswetter mit offenem Oberdeck durch die Stadt. Jacques Tilly hatte den Streckenverlauf zuvor selbst ausgearbeitet. Der Wagenbauer, Künstler und Satiriker war als persönlicher und prominenter Führer für die Gäste an Bord. Im Rahmen der rund anderthalbstündigen Tour zeigte er seinen ganz persönlichen Mix aus beruflichen, privaten und politischen Schauplätzen in der Landeshauptstadt. Die Stadttour wurde so auch eine Reise an wichtige Orte aus der eigenen Biographie des Künstlers.

Bei einem kurzen Halt an der Wagenbauhalle in Bilk durften die 70 Fahrgäste sogar in das „Allerheiligste“ des Satirikers: das geheime Labor des wichtigsten Karnevalisten der Stadt. Pappfiguren von Putin, Trump und May vergangener Rosenmontagszüge waren Zeugen, als Tilly durch das ehemalige Straßenbahn-Depot führte und aus dem Nähkästchen plauderte. Die Fahrgäste erfuhren von ihm unter anderem, dass in Düsseldorf früher auch heute weltbekannte Künstler wie Gerhard Richter oder Günther Uecker als Karnevalswagenbauer im Einsatz waren – zu einer Zeit, als sie noch jung und unbekannt waren.

Mit dem Bus dem Nationalsozialismus auf der Spur

Im weiteren Verlauf der 90-minütigen Sonderfahrt konzentrierte sich Tilly immer mehr auf die Spuren, die die Nationalsozialisten in Düsseldorf hinterlassen haben. Er hatte sich deshalb zur Vorbereitung eigens mit einigen Künstlern getroffen, die in der Golzheimer Siedlung wohnen, und intensiv recherchiert. Die 20 Hektar große Siedlung zwischen Rotterdamer und Kaiserswerther Straße, Reeser Platz und südöstlich der Schnellenburg wurde 1937, vier Jahre nach der Machtergreifung, von nationalsozialistischen Architekten als „Mustersiedlung“ für die Ausstellung „Schaffendes Volk“ errichtet.

Einnahmen wurden an das Frauenhaus gespendet

„Es war mir wichtig aufzuzeigen, dass in unserer Stadt über 80 Jahre später immer noch Hinweise auf die schlimmste Zeit der deutschen Geschichte zu finden sind“, so Tilly und weiter: „Meine Heimatstadt hat mich politisch entscheidend geprägt – und das hat auch damit zu tun, dass Düsseldorf nach dem 2. Weltkrieg ziemlich unkritisch mit den Baumeistern der Nazizeit umgegangen ist. Nazi-Stararchitekten wie Friedrich Tamms wurden mit offenen Armen empfangen.“

Die Einnahmen, die mit „Mein Düsseldorf“ erzielt werden, fließen immer an einen guten Zweck. Tilly entschied sich für das Frauenhaus Düsseldorf. Mehr als 1500 Euro konnten durch die Tour für die Einrichtung generiert werden. Die Busunternehmer Willms und Adorf hatten den Doppeldecker kostenfrei zur Verfügung gestellt. Im Herbst soll die zweite „Extratour“ stattfinden, dann mit einem anderen bekannten Düsseldorfer als Guide.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik