Düsseldorfer Geheimnisse

Was hat’s mit dem Metallkasten vom Worringer Platz auf sich?

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel vor dem Metallkasten am Worringer Platz. 

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel vor dem Metallkasten am Worringer Platz. 

Foto: Melanie Zanin

Düsseldorf.  Was ein behelfsmäßiger Einstieg mit der Unterwelt eines Düsseldorfer Innenstadt-Platzes auf sich hat, erklärt Oberbürgermeister Thomas Geisel.

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Oberbürgermeister Thomas Geisel steht am Worringer Platz vor einem sonderbaren quadratischen Kasten aus Metall und sagt: „Darunter verbirgt sich ein großes Geheimnis.“ Lüften möchte das Stadtoberhaupt selbiges allerdings nicht sofort, zunächst will der OB ein paar Worte zum Worringer Platz und seiner Bedeutung für die Stadt verlieren. „Es gibt wahrscheinlich kaum einen Düsseldorfer Platz, über dessen Erscheinungsbild ähnlich häufig, heftig und kontrovers diskutiert wurde und wird“, überlegt er, „wobei es sogar einige Zeitgenossen geben soll, die ihm jede Platzqualität absprechen.“

„Das Areal ist verkehrsumtost“, sagt der OB

Zwar befindet sich in der Mitte ein kleines Areal, in dem man essen und auch trinken kann, man kann sich sogar Kunst zu Gemüte führen. Ein paar Bäume spenden Schatten, Bänke sollen zum Verweilen einladen. „Aber das Areal ist verkehrsumtost“, gibt der OB zu bedenken und erklärt: „Ja, ein Platz kann anders aussehen. Das zeigen in Düsseldorf der Markt-, der Burg- und der Gustaf-Gründgens-Platz. Doch man kann sie eben nicht mit dem Worringer Platz vergleichen. Er ist eines der Einfallstore in die Innenstadt.“ Und dennoch sei er mehr als das: „Das Glashaus auf dem eigentlichen Platz ist nicht der einzige künstlerische Ort. Ringsherum blüht eine Szene, aus der perspektivisch immer mehr werden könnte. Galerien, Hotels mit künstlerischem Anspruch, die Botschaft – ein sehr begehrter Veranstaltungsort– um ihn herum das Capitol-Theater und das Tanzhaus NRW: Der Worringer Platz hat Potential!“, ist das Stadtoberhaupt überzeugt.

Die Unterführung wurde von 1962 bis 1994 genutzt

Und wo ist das angekündigte Geheimnis? „Es befindet sich unter seiner Oberfläche“, verrät der OB und präzisiert: „Dort verläuft die alte, von 1962 bis 1994 genutzte Unterführung.“ Dass der Worringer Platz sozusagen unterhöhlt ist und dass es sich bei dem merkwürdigenquadratischen Element um einen – verschlossenen – Eingang in die Unterwelt handelt, unter dem sich Treppen befinden, das dürfte nach Einschätzung Thomas Geisels den wenigsten Menschen bewusst sein,die den Worringer Platz tagtäglich überqueren. „Seinerzeit war dieses Bauwerk als Verbeugung vor dem Individualverkehr gedacht. Man wollte die ‚lästigen‘ Fußgänger unterirdisch führen, zwischen fünf Ein- und Ausgängen samt Rolltreppen konnten sie wählen.“ Das taten die Passanten allerdings nicht wirklich gern.

Die Unterführung entwickelte sich zum „Angstraum“

Die Unterführung ereilte dann auch ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Bauwerken ihrer Art teilt: Sie entwickelte sich zu einem typischen „Angstraum“, weshalb sie 1994 geschlossen wurde. 2002 erfolgte die Betonversiegelung, sodass man die Zugänge heute nur noch erahnen kann. Bei dem Metallkasten handelt es sich um einen behelfsmäßigen Einstieg, der nach Schließung der Unterführung am Ort eines ehemaligen Eingangs angelegt wurde. Damit sind auch alle die Wände bedeckenden kunterbunten Werke zahlreicher Graffiti-Künstler für immer unter der Erde verschwunden. „Sie tobten sich, um etwa 1993, an jedem freien Fleckchen aus. Da die Unterführung lediglich versiegelt wurde, hat sich alles erhalten, es ist wie eine unterirdische Zeitkapsel.“

Der Kasten ist am Worringer Platz/Ecke Kölner Straße auf Höhe des Gebäudes Kölner Straße 67.

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