Prozess

Wehrhahn-Anschlag: Der Bomber wollte Tote sehen

Archivbild. Rettungskräfte stehen im Juli 2000 vor dem S-Bahnhof Wehrhahn. Bei der Explosion eines Sprengsatzes waren ein ungeborenes Kind getötet und neun Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

Archivbild. Rettungskräfte stehen im Juli 2000 vor dem S-Bahnhof Wehrhahn. Bei der Explosion eines Sprengsatzes waren ein ungeborenes Kind getötet und neun Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

Düsseldorf.   Im Prozess um den Bombenanschlag am S-Bahnhof Wehrhahn wurde ein Teil eines zerstörten Geländers gezeigt. Die Wucht der Bombe war verheerend.

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Der Wehrhahn-Bomber wollte wohl unbedingt töten und nur durch Zufall wurde die Wucht der Explosion, die etwa fünf Handgranaten entsprach, deutlich gemildert. Diese Umstände und andere, grausige Details wurden jetzt beim fünften Prozesstag vor dem Landgericht bekannt. Aus einer Gruppe von zwölf meist jüdischen Sprachschülern waren beim Anschlag im Juli 2000 zehn Personen teils schwer verletzt worden, eine Frau verlor ihr ungeborenes Baby. Ein nach mehr als 17 Jahren dafür nun angeklagter Ex-Soldat (51) hatte seit Prozessbeginn den Vorwurf des zwölffachen Mordversuchs aber zurückgewiesen. Doch mit jedem Prozesstag wächst nun die Zahl der Widersprüche in seinen Aussagen und die Kette der Indizien.

Als ob alle plötzlich den Atem angehalten hätten – so still wurde es am Donnerstag im Gerichtssaal, als dort das „Asservat 725“ präsentiert wurde: Die schwer deformierten Geländergitter vom Anschlagsort am S-Bahnhof Wehrhahn zeugen noch heute überdeutlich von der verheerenden Wucht jener Detonation.

Bombe sollte Schrapnellwirkung entfalten

Und ein Polizist, der als Sprengstoffspezialist den Anschlag und dessen Spuren untersucht hatte, sagte als Zeuge aus: Die wohl selbst gebastelte Rohrbombe war etwa zehn Zentimeter lang bei einem Durchmesser von sechs Zentimetern, war mit 250 bis 300 Gramm TNT-Sprengstoff gefüllt und trug an der Außenhülle noch zusätzliche Einkerbungen, um bei der Explosion dann eine Art Schrapnellwirkung zu entfalten. Verletzungen der Opfer waren dem Täter demnach wohl nicht genug. Doch eine ungewollte Verunreinigung des Sprengstoffs, die durch chemische Reaktion bei unsachgemäßer Lagerung von TNT entsteht, verhinderte, dass die Explosion noch schlimmere Folgen hatte.

Beweisfotos von Bombensplittern, die ebenfalls im Gerichtssaal gezeigt wurden, machten klar, wie verheerend die teils konfettigroßen Metallteile damals auch so schon gewirkt hatten. Einige Splitter waren „in einer Handtasche“ gesichert worden, andere mussten aus den Körpern von Anschlagsopfern „operativ entfernt“ werden, um jetzt als Beweisstücke im Indizienprozess vorgelegt zu werden.

Sozialarbeiterin überführte Angeklagten als Schwindler

Was von diesen Details auf den Angeklagten hinweist und was nicht – das will die Staatsanwaltschaft in den nächsten Prozesstagen durch weitere Zeugen verdeutlichen. Sicher als Schwindler überführt wurde der Angeklagte nun aber durch eine Sozialarbeiterin aus der U-Haft. Dort will sich der 51-Jährige nach eigener Version fast täglich mit ihr über den Wehrhahn-Anschlag unterhalten haben – und darüber, wie der angeblich völlig haltlose Verdacht sein Leben zerstöre.

Als Zeugin bestätigte die Frau, dass der 51-Jährige täglich bei ihr gewesen sei. Aber nur, um familienrechtliche Fragen rund um seine Kinder zu klären. Vom Wehrhahn-Anschlag habe der 51-Jährige angeblich nie ein Wort erwähnt. In einer Woche geht sein Prozess weiter.

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