Messer-Angriff

Messerattacke in Düsseldorf: Kommt jetzt das Waffenverbot?

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Erst vor einer Woche war ein junger Mann nach einer tödlichen Auseinandersetzung in der Düsseldorfer Altstadt ums Leben gekommen. (Symbolbild)

Erst vor einer Woche war ein junger Mann nach einer tödlichen Auseinandersetzung in der Düsseldorfer Altstadt ums Leben gekommen. (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg / dpa

Düsseldorf.  Erneut ist ein Jugendlicher Opfer eines Angriffs in der Düsseldorfer Altstadt geworden. Die Forderungen nach einem Waffenverbot werden lauter.

Nach der zweiten Bluttat innerhalb weniger Tage mehren sich die Stimmen für ein Waffenverbot in der Düsseldorfer Altstadt. Er befürworte ein solches Verbot, teilte Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler am Montag mit. Messer und andere Waffen hätten in der Altstadt nichts zu suchen. „Es gibt aus meiner Sicht keine begründbare Situation, in der ich als friedlich feiernder Altstadtbesucher ein Messer benötige“, so der Polizeipräsident.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) hatte ein solches Verbot am Wochenende ins Gespräch gebracht. Die Altstadt solle zur Waffenverbotszone erklärt werden, forderte er.

Eine Regelung müsste das Land erlassen und von der Polizei durchgesetzt werden. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich nicht abgeneigt: „Wer feiern will, braucht dazu kein Messer“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Jugendlicher aus dem Ruhrgebiet hat mit viel Glück überlebt

Der in der Düsseldorfer Altstadt durch mehrere Messerstiche schwer verletzte Jugendliche aus dem Ruhrgebiet hat die Attacke mit viel Glück überlebt. Zwei Ärztinnen, die zufällig vorbeikamen, konnten seine Stichwunden rasch erstversorgen und die Blutungen weitgehend stoppen. Nach Aussage des Notarztes, der die Versorgung des Schwerverletzten dann übernahm, wäre der Minderjährige ohne die rasche Hilfe binnen einer Minute verblutet, wie ein Polizeisprecher am Montag sagte.

Der Tatort in der Altstadt ist videoüberwacht, die Auswertung läuft. Die Polizei hatte noch in der Nacht zahlreiche Zeugen vernommen, die zur Tatzeit vor Ort waren. Das Opfer stammt, wie schon das aus der Vorwoche, aus dem Ruhrgebiet.

Ein Unbekannter hatte am Samstagabend in der Düsseldorfer Altstadt mehrfach auf den Jugendlichen eingestochen und ihn schwer verletzt. Polizei und Staatsanwaltschaft richteten eine Mordkommission wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes ein.

Stadt Düsseldorf will Waffenverbot in der Altstadt prüfen

Düsseldorfs OB verurteilte die Tat am Sonntag aufs Schärfste: „Besonders betroffen macht mich die frühe Uhrzeit dieses Vorfalls, zu der die Geschäfte noch geöffnet hatten und auch Familien in der Altstadt unterwegs waren.“ Keller sieht dringend weiteren Handlungsbedarf, um für die Sicherheit in der Altstadt zu sorgen.

„Dazu gehört meines Erachtens auch die Prüfung einer Messer- oder Waffenverbotszone in der Altstadt.“ Allerdings ist die Stadt für solche Maßnahmen nicht zuständig. Hier müsste das Land eine entsprechende Regelung erlassen, die dann durch die Polizei durchgesetzt wird. Die Stadt werde sich hierzu mit der Polizei und dem Innenministerium beraten.

Messerattacke Düsseldorf: Fahndung bislang ohne Erfolg

Die Beamten waren am Samstagabend (23.10.) gegen 18.45 Uhr zur Einsatzstelle auf der Mutter-Ey-Straße/Hunsrückenstraße in der unmittelbaren Nähe zum Kom(m)ödchen gerufen worden. Dort fanden sie einen stark blutenden Jugendlichen vor. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon mehrere Personen in unbekannte Richtung vom Tatort entfernt.

Rettungskräfte und ein Notarzt wurden verständigt. Gleichzeitig lösten die Beamten eine intensive Fahndung im Innenstadtbereich aus. Bislang jedoch ohne Erfolg.

Ersten Erkenntnissen zufolge waren zwei Personengruppen aus bislang nicht bekannten Gründen aneinandergeraten, deren Auseinandersetzung eskalierte. Dabei handelte es sich laut Angaben eines Polizeisprechers um Jugendliche und Heranwachsende. Einer von ihnen habe das Messer gezogen und mehrfach auf das Opfer eingestochen. Es soll sich um eine Art Mini-Machete gehandelt haben. Als sich andere Menschen einmischten, sei der Täter geflüchtet.

Altstadt Düsseldorf: Zweite Messerattacke in kürzester Zeit

Erst vor einer Woche war es in der Düsseldorfer Altstadt zu einem tödlichen Streit gekommen, bei dem ein 19-Jähriger durch eine abgebrochene Flasche schwer verletzt wurde. Er starb in der Klinik. Knapp einer Woche nach dem Vorfall hatte sich zunächst ein Tatverdächtiger gestellt, der nach seiner Vernehmung allerdings wieder entlassen wurde. Der junge Mann hatte nach dpa-Informationen ausgesagt, vom späteren Opfer angegriffen worden zu sein - und sich gewehrt zu haben.

Die Düsseldorfer Altstadt - wegen ihrer vielen Kneipen auch „Längste Theke der Welt“ genannt - ist an Wochenenden ein Anziehungspunkt für Tausende Menschen. Inzwischen sind die meisten Läden wieder geöffnet, für Discos gelten wegen der Pandemie noch Zutrittsbeschränkungen. (kri, cfs und dpa)

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