Düsseldorfer Geheimnisse

Wenn der Teufel aufs Rad steigt

Julia Lederle, stellvertretende Leiterin des Düsseldorfer Stadtarchivs, steht neben dem Wall. Vor einem vermeintlichen Teufel hat sie dabei keine Angst.

Julia Lederle, stellvertretende Leiterin des Düsseldorfer Stadtarchivs, steht neben dem Wall. Vor einem vermeintlichen Teufel hat sie dabei keine Angst.

Foto: Eva-Maria Bast

Düsseldorf.  Warum die Überreste der Nordkurve der ehemaligen Radrennbahn Oberkassel in Lörick als Teufelsberg bekannt wurden.

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Löricks Grundschulkinder lieben diesen merkwürdigen, baumbewachsenen und langgezogenen Wall, der sich in unmittelbarer Nähe ihres Schulgeländes befindet. Die Kurve wendet sich vom Spielplatz ab, sie umschließt die neuentstandene Siedlung hinter dem Spielplatz. Die Kleinen nennen den Wall „Teufelsberg“. Die stellvertretende Leiterin des Düsseldorfer Stadtarchivs, Julia Lederle, hat sich über den Namen gewundert und bei den Kindern mal nachgefragt, wie er denn entstanden sei. „Die einen sagen ganz pragmatisch, weil man sich dort teuflisch gut verstecken kann. Die anderen erzählen die unheimliche Geschichte vom bedrohlichen Unbekannten, der hinter dem Hügel lauert und Böses im Schilde führt. Und nocheine Erklärung wurde mir von Grundschülern geliefert: Wenn man oben auf der Kuppe des Berges herumklettert, obwohl die Eltern es verboten haben, und man dann hinfällt, dann hat der Teufel eine neben zur Strafe geschubst“, erzählt sie schmunzelnd.

Mit dem Teufel hat der Wall nichts zu tun

Julia Lederle hat die Drittklässler der Grundschule auch schon mal bei sich im Stadtarchiv zu Besuch gehabt und ihnen dabei die tatsächlichen Hintergründe des geschichtsträchtigen Hügels erklärt. Denn sie weiß natürlich ganz genau, dass der Wall mit einem Teufel rein gar nichts zu tun hat – außer vielleicht mit einem teuflisch schnellen Radfahrer.

„Es handelt sich um die Überreste der Nordkurve der ehemaligen Radrennbahn Oberkassel“, sagt die Stadtarchivarin. „Sie wurde 1907 errichtet, war 400 Meter lang und bot Platz für 15.000 Personen. Inden Sommermonaten fanden hier alle zwei bis drei Wochen internationale Rad- und Motorradrennen statt.“ Zwei Jahre nach der Eröffnung wurde die Stahlstraße, an der die Radrennbahn lag, dann auch in „Sportstraße“ umbenannt. „Ihren großen Tag hatte die Radrennbahn am 14. August 1921“, erzählt Lederle weiter. „Im großen Preis von Düsseldorf trafen die besten deutschen Radfahrer Lorenz und Arend auf den Meister der Schweiz, Kaufmann. Vor ausverkauften Rängen siegte der Schweizer mit einem Punkt Vorsprung vor den Deutschen.“

Adolf Hitler hielt hier 1932 eine Wahlkampfrede

Es gibt allerdings auch eine dunkle Stunde in der Geschichte des Veranstaltungsorts – und nun kommt man dem Teufel irgendwie dochbedenklich nahe: Im Februar 1932 hielt Adolf Hitler eine Wahlkampfrede in der Radrennbahn. Gut angekommen ist der spätere „Führer“ aber nicht: „Er soll von den kommunistisch gesinnten Arbeitern der umliegenden Stahlwerke ausgebuht worden sein“, berichtet Julia Lederle. Damit war – den Erzählungen nach – schon das Ende der Rennbahn eingeläutet: Am 17. Februar 1937 wurde die Rennbahn abgerissen, vermutlich, weil sie baufällig war. „Im Volksmund galt das jedoch als Hitlers Rache“, berichtet Lederle.

Das Oval der Erdanschüttungen blieb jedoch noch lange erhalten, im Inneren gab es einen Fußballplatz, der erst in den späten 1980er Jahren einer Wohnbebauung weichen musste. Das letzte Turnier im Clubhaus SC West fand dort am 2. und 3. Juli 1988 statt. Heute säumt die ehemalige Nordkurve als letztes Relikt der Bahn die Bebauung und hat eine neue Aufgabe gefunden: ein Teufelsberg zu sein.

So geht’s zum Wall: Er befindet sich bei der Grundschule im Ortsteil Lörick an der Wickrather Straße hinter dem Spielplatz.

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