Karneval

Wer ist der Hoppeditz? Die wichtigsten Antworten zum Karneval

Düsseldorf.  Mit dem Elften im Elften beginnt am Montag an Rhein und Ruhr die Karnevalssession. Doch der Tag, der heute Startschuss ist für die fünfte Jahreszeit, wurde erst im 20. Jahrhundert zu dem, was er heute ist: ein ausgelassenes Fest für alle Narren. Wie kam es dazu?

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Wo kommt der Elfte im Elften her?

Die christliche Tradition sieht eigentlich zwei Fastenzeiten vor. Die eine, zu Ostern, ist heute noch von Bedeutung. Eine zweite fand vierzig Tage vor Weihnachten statt. Sie begann nach dem elften November. Und bevor man vieles nicht mehr essen durfte, wurde noch einmal so richtig geschlemmt.

Eine Erklärung für den Brauch, am letzten Tag vor der Fastenzeit, dem Martinstag, eine Gans zu essen. Denn danach war der Fleischkonsum verboten, worauf das Wort Karneval immer noch hinweist. Es wird vermutet, dass der Begriff sich auf das lateinische „Carne levare“ bezieht, was soviel bedeutet wie „Fleisch wegnehmen“. Da man auch auf anderes, wie größere Mengen Fett, verzichten musste, gehörte auch Fettgebackenes, wie Schmalzgebäck, zum Speiseplan dieses Tages.

Welche Bedeutung hatte der Tag früher?

In der Fastenzeit ist auch das Feiern und Tanzen tabu. Ein weiterer Grund für die Menschen, ein letztes Fest zu veranstalten, bevor der Trauermonat November so richtig beginnt. Im Mittelalter war der 11. November zudem der Endtermin des bäuerlichen Jahres. Jetzt war Zahltag, jetzt wechselte das Gesinde. Ein Abschied, der wieder Grund zum Feiern war. Schon damals entstanden Bräuche, die es bis heute gibt.

Und so ist der Elfte im Elften historisch betrachtet eigentlich ein zweiter, kleiner Karneval. Erst im 20. Jahrhundert wurden der 11. November und der Karneval im Frühjahr miteinander verbunden. Die vorweihnachtliche Fastenzeit wird seit 1917 vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt. In der Russisch-Orthodoxen-Kirche aber wird sie als „Philippus-Fastenzeit“ bis heute praktiziert.

Was passiert am Elften im Elften genau? 

In vielen Städten des Ruhrgebietes finden am 11. November, oder auch ein paar Tage später, die ersten Veranstaltungen der Jecken statt. In Köln treffen sich die Narren auf dem Alten Markt und begrüßen um 11.11 Uhr die Session – mit einer ausgelassenen Feier und viel Musik. In Düsseldorf erwacht um dieselbe Zeit der Hoppeditz. Die Herkunft seines Namens ist nicht eindeutig geklärt. Man vermutet aber, dass er auf die Begriffe „Hoppe“ für „Hüpfen“ und „Ditz“ für „Kind“ zurückgeht.

Wer ist der Hoppeditz?

Der Düsseldorfer Erzschelm erwacht zum Leben und hält in einem Senftopf vor dem Reiterstandbild des einstigen Kurfürsten Jan Wellem eine Rede, in der er kein Blatt vor den Mund nimmt. Diese erwidert dann der Oberbürgermeister vom Balkon des Rathauses aus. Der Hoppeditz war möglicherweise mit Till Eulenspiegel verwandt, ist aber nicht nur deshalb die Kulturfigur des Düsseldorfer Karnevals, die mit ihren lockeren Reden auch mal den Finger in die Wunde legt. Genau das ist ein Merkmal des rheinischen Karnevals, der von der katholischen Kirche in der Geschichte meist toleriert wurde. Man durfte aussprechen, was man dachte. Mehr noch. Zu beiden karnevalistischen Festen, im November und im Frühjahr, fielen die Grenzen, die die gesellschaftlichen Schichten trennten, weg. Gemeinsam wurde ausgelassen gefeiert. So, wie es in den karnevalistischen Hochburgen heute noch der Fall ist.

Was geschieht noch an diesem besonderen Tag? 

Zur rheinischen Lebensart gehört es, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Und während morgens mit viel Trubel die Session eröffnet wird, reicht am Abend der Hoppeditz den Staffelstab weiter an St. Martin. Denn auch dem einstigen Bischof Martin von Tours gehört dieser besondere Tag. Der bescheidene und mildtätige Heilige lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Vor allem die Geschichte, wie er als junger Mann von 18 Jahren seinen Mantel teilte, um einem Bedürftigen zu helfen, machte ihn populär. Diese Szene wird am 11. November an vielen Orten nachgestellt. Um ihn herum stehen Kinder mit oft selbst gebastelten Laternen, die bis heute daran erinnern, dass die Menschen früher am Grab des St. Martin Lichterumzüge veranstalteten. Und hier schließt sich auch der Kreis: Die Menschen entfachten große Feuer, als sie am Ende des bäuerlichen Jahres miteinander feierten. Man dankte für das Erntejahr und trat dem Winter mit großen, brennenden Licht- und Wärmequellen entgegen, bevor dann die Zeit der Entbehrungen anstand, die vorweihnachtliche Fastenzeit – ganz ohne Fleisch.

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