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Wie ein Fußballstar

Foto: REUTERS

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Düsseldorf.  Bei der Ankunft auf dem Flughafen Shanghai Pudong International wartete bereits eine schwarze Limousine. Zusammen mit seinen beiden Teamkollegen wurde er quer durch die Millionenmetropole im Osten Chinas chauffiert.

Er stieg in ein nobles Fünf-Sterne-Hotel ab. Am Eingang: Fotografen, Blitzlichtgewitter. Und weiter ging es auf das riesige Gelände der Weltausstellung. Dort, inmitten der alten Pavillons im Shanghai Expo-Mart schrie, ja kreischte es aus den Kehlen zehntausender Jugendlicher, die auf die Besten ihrer Zunft warteten: Und Simon Heinks war einer von ihnen. „Wir wurden behandelt wie Fußballstars“, erinnert sich der 18-Jährige Schüler an diesen Augenblick. Er wurde auf den Straßen erkannt, von Teenagern bewundert, schrieb Autogramme und nahm tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat bei den Endausscheidungen der großen Weltmeisterschaft auf seinem Podiumssitz Platz.

Die Parade-Disziplin

Ja, der Simon Heinks. Wie, noch nie gehört? Das ist gar nicht einmal so ungewöhnlich: Der Düsseldorfer nämlich ist Profi einer in Deutschland eher belächelten Aktivität: Er betreibt E-Sport, elektronischen Sport, seine Parade-Disziplin: Das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“. Im Herbst trafen sich die besten zehn Teams aus der Welt, darunter sechs aus dem asiatischen Raum, zwei europäische und zwei amerikanische Teams. Um zu begreifen, welch hohen Stellewert diese Sportart in weiten Teilen der Welt hat, reicht ein Blick auf das Preisgeld: 100 000 Euro waren für das Siegerteam ausgeschrieben.

Virtuelle Welt

Bis Heinks sich in Shanghai messen konnte, vergingen viele Jahre des Trainings: Mit Elf begann er das Computerspiel, das von vielen Eltern wegen seines Suchpotenzials am liebsten aus jeder Kinderstube verbannt werden sollte. Beim Düsseldorfer war es aber sogar der Vater, der ihm das Spiel schenkte, „um mit mir etwas Zeit verbringen zu können“, berichtet Heinks.

In diesem nimmt der Spieler in einer riesigen virtuellen Welt die Rolle einer mystischen Figur ein: Elfe, Paladin, Hexenmeister oder Zwerg und kämpft mit Hunderten Mitspieler gegen Computergegner, es müssen gemeinsam Aufgaben gelöst werden, um sich so neue Rüstungen und Charaktereigenschaften zu erspielen.

Heinks: „Für diese Welt habe ich mich relativ schnell nicht mehr interessiert: Spannend waren für mich nur die Duelle gegen menschliche Gegner.“

Seit drei Jahren nun nimmt er allabendlich an seinem Schreibtisch Platz und verabredet sich in einer Arena-Welt des Spiels. Dort wird in Zweier-, Dreier- oder Fünfer-Teams gegeneinander angetreten. Es geht um Taktik, das richtige Miteinander, gezielte Attacken gegen die Schwächen der Gegenspieler, die richtigen Maßnahmen um das eigene Team zu schützen: Sich gegeneinander „counted“, das richtige „crowd controlling“ oder „fear recreating“ sind Ausrücke einer Sprache, in die der 18-Jährige beim Erzählen immer wieder verfällt. Und was ihn bei seinen Mitschülern und Freunden manches Mal merkwürdig scheinen lässt: „Doch wenn ich ihnen erzähle, dass ich damit mein Geld verdienen kann, haben sie sofort eine gehörige Menge Respekt.“

Den hatte er selbst auch vor seinen Gegnern in Shanghai. In packenden Partien, die auf großen Videoleinwänden für das Publikum übertragen und von professionellen Kommentatoren begleitetet wurden, kämpften er und seine Teamkollegen, ein Deutscher und ein Spanier, beides Bekanntschaften aus den stundenlangen Trainingsspielen, unermüdlich.

Versüßen

Nach neun Spielen, sechs Siegen und drei Niederlagen endete die Reise nach Fernost dann mit einem guten fünften Platz: „Schade, mit etwas mehr Glück hätten wir auch in die Play-off-Runde kommen können“, hadert der „Gamer“ heute noch ein wenig. 10 000 Dollar Preisgeld aber versüßten das Ausscheiden für die Drei doch etwas.

Kontakte eingefädelt

Und können auch als Abschluss gesehen werden: Denn nun ist erstmal Schluss mit der Turnierspielerei: „Mein Abitur an der Hulda-Pankok-Gesamtschule hat gerade Vorrang: Danach möchte ich eine Ausbildung zum Computerspieleentwickler machen“, schaut der Düsseldorfer in die nahe Zukunft: Bei Blizzard, dem Hersteller von World of Warcraft. Die Kontakte dafür hatte er auch in Shanghai eingefädelt.

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