Wind im Wald

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Die Blockflöte gilt nicht unbedingt als sexy. Sie fristet ihr Dasein bei Krippenspielen und hat ihren festen Platz im Musikunterricht der Grundschule, ist verankert in der Barockmusik, aber Gitarre, Klavier oder Schlagzeug sind einfach beliebter, vor allem, wenn es um populäre Musik geht. Für Volker Kuinke ist das kein Problem.

Der Düsseldorfer hat der Blockflöte die Treue gehalten, seit er sie mit sieben Jahren für sich entdeckt hat. Jetzt ist er auf dem besten Weg, dem Instrument mehr Geltung zu verschaffen. „Syrinx Call“ heißt sein aktuelles Musikprojekt, „Wind in the Woods“ die neue CD, die er zusammen mit der Sängerin Isgaard und deren Produzent Jens Lueck aufgenommen hat. Am kommenden Freitag, 27. November, kommt „Syrinx Call: Wind in the woods“ deutschlandweit in den Handel.

Sie lag unterm Weihnachtsbaum

Die Gefahr war groß, dass die Beziehung zwischen Volker Kuinke und der Blockflöte einen absehbaren, aber eben auch endlichen Verlauf nehmen würde, schließlich lag sie unterm Weihnachtsbaum, als er sieben Jahre alt war. Solche Geschichten gehen meistens so weiter, dass die Blockflöte nach anfänglicher Begeisterung und zaghaften Versuchen zur Seite gelegt und nur noch bei Geburtstagen hervorgeholt wird: „Spiel‘ doch mal für Onkel Helmut.“

Bei Volker Kuinke hat sich die Geschichte anders entwickelt. Seine Eltern ermöglichten ihm, das Instrument gründlich kennenzulernen, bis hin zum Einzelunterricht in der Musikschule. „Das war ein Volltreffer meiner Eltern“, sagt Volker Kuinke heute. Für ihn ist das Blockflötenspiel ein „Spiegel der Seele“. Dass Flötenmusik durchaus ihr ursprüngliches Terrain in der klassischen Musik verlassen kann, wurde Volker Kuinke klar, als er Ian Anderson Mitte der Siebziger auf der Konzertbühne sah. Der Boss der Rockgruppe „Jethro Tull“ spielte Querflöte und stand dabei auf einem Bein. Das prägt, vor allem dann, wenn man wie Kuinke damals, ein Teenager ist.

Das mit ihm und der Querflöte hat aber nicht so ganz geklappt, auch wenn er fünf Jahre Unterricht genommen hat: „Der Funke ist nicht übergesprungen.“ Aber die Idee war geboren, die Blockflöte der Rockmusik näherzubringen. An experimentellen Bands mangelt es ja nicht in den psychedelisch angehauchten frühen Siebzigern. Eloy ist so eine Band, die viel versucht und im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Bands damals durchaus sehr erfolgreich ist. 1977 veröffentlicht sie ihr Album „Ocean“ und in Volker Kuinke reift der Wunsch, den Sänger und Gitarristen Frank Bornemann kennenzulernen.

An dieser Stelle sollte man wohl wahrheitsgemäß erwähnen, dass Volker Kuinke beharrlich ist, wobei das Adjektiv diesen, seinen Wesenszug möglicherweise nur unzureichend beschreibt. Aber bleiben wir ruhig dabei: Volker Kuinke ist beharrlich und lässt auch dann nicht locker, als sich sein Wunsch im März 1979 erfüllt. Er trifft Frank Bornemann am Rande eines Eloy-Konzerts in der Essener Grugahalle: „Wir haben zehn Minuten miteinander gesprochen. Das war toll, aber einfach zu kurz.“ Deshalb bleiben Bornemann und Kuinke in Kontakt, werden schließlich Freunde.

1998, als Eloy ihr Album „Ocean II“ veröffentlichen, hat Volker Kuinke einen Gastauftritt. Er spielt: Blockflöte, was auch sonst? Beharrlichkeit zahlt sich eben aus.

Musikalisch live unterwegs ist Volker Kuinke fast regelmäßig mit Christian Behrens, dessen „Kleine Welten“ zurzeit immer dienstags im „Kleinen Reichstag“ in Moers über die Bühne gehen. In Moers arbeitet Kuinke er als Bibliothekar, an Düsseldorf schätzt er das Flair und die Anonymität. Ach ja, und dann hat Volker Kuinke noch ein Hobby neben der Blockflötenmusik: Er fährt Gasballon, ist einer der aktivsten Gasballon-Piloten der Welt. Sich die Welt von oben beschauen, eins sein mit der Natur, abschalten, das schätzt er an einer Ballonfahrt. Wer sich in seine unaufdringlichen, stilistisch breit gefächerten Kompositionen einfühlt, kann dabei auch diese Seite des Volker Kuinke heraushören.

Multimediaschau über Island

„Syrinx Call: „Wind in the Woods“, seine neue CD, ist, wenn man es genau nimmt, einem Zufall zu verdanken. Vor ein paar Jahren hat er in Düsseldorf eine Multimedia-Schau über Island besucht. Das waren betörende Bilder, die er da gesehen hat, aber die Filmmusik hat ihn schlichtweg umgehauen. Und jetzt, man ahnt es schon, kommt wieder die Beharrlichkeit ins Spiel. Volker Kuinke fragt sich durch, nimmt Kontakt auf und trifft sich Weihnachten 2011 zum ersten Mal mit Isgaard und Jens Lueck, die den Soundtrack zur Multimedia
Schau kreiert haben. Es folgen Einspielungen für die letzten beiden Isgaard-Alben. „Wir sind genau auf einer Wellenlänge“, sagt Volker Kuinke heute über seine neuen musikalischen Begleiter. In diesem Kreis wird auch die Idee geboren, ein Flöten-Album zu machen mit Musik, „die keine Grenzen kennt, aber immer emotional ist“, wie Kuinke es formuliert.

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