Strom

Windenergie statt Atomstrom für Düsseldorf

Auch Kunden der Stadtwerke Düsseldorf bekommen Strom aus Atomkraftwerken. Foto: ddp

Foto: ddp

Auch Kunden der Stadtwerke Düsseldorf bekommen Strom aus Atomkraftwerken. Foto: ddp Foto: ddp

Düsseldorf. Die „Grünwerke“, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Düsseldorf, investieren 300 Mio. Euro in Technologien zur Erzeugung von Öko-Strom. Noch wird jede siebte von den Stadtwerken verkaufte Kilowattstunde in Atomkraftwerken produziert.

Atomkraftgegner müssten eigentlich den Stecker aus der Dose ziehen oder nur Öko-Strom bestellen. Der Kunde, der bei den Stadtwerken Düsseldorf einen ganz normalen Haushaltstarif hat, bekommt seinen Strom auch aus Atom-Anlagen wie Biblis, Krümmel und Co.

Jede siebte Kilowattstunde, die hier an Privatkunden verkauft wird, wurde in einem Kernkraftwerk produziert. Das sind genau 15,4 Prozent der gesamten Stromlieferung für die Düsseldorfer Stadtwerke. Bundesweit wird sogar jede vierte Kilowattstunde aus einem AKW bezogen.

Bessere Öko-Bilanz als in anderen Großstädten

Dass die Zahlen hier niedriger ausfallen, liegt schlicht daran, dass die Stadtwerke Düsseldorf 40 Prozent ihres Stroms in den Kraftwerken Lausward, Flingern und Garath selbst produzieren - mit Gas, mit der Nutzung der Produktionshitze für Fernwärme und mit Biomasse. Die anderen 60 Prozent des Stroms werden direkt bei Lieferanten und auf der Leipziger Energiebörse eingekauft, die auch mit Atomstrom handelt.

Durch den hohen Anteil der Eigenproduktion mit dem umweltfreundlichen fossilen Brennstoff Gas fällt die Öko-Bilanz hier besser als in vielen anderen Großstädten aus. Der Ausstoß an klimaschädlichen Kohlendioxiden liegt im Vergleich zum bundesdeutschen Strommix um 24 Prozent niedriger, betonen die Stadtwerke.

Doch um die ehrgeizigen Klimaziele der Europäischen Union zu erreichen, ist ein weitaus größerer Krafttakt nötig. Den soll die erst vor wenigen Wochen gegründete Tochtergesellschaft „Grünwerke“ stemmen, die den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion deutlich erhöhen soll - und zwar von derzeit sechs auf zehn Prozent im nächsten Jahr und auf 50 Prozent (inklusive Fernwärme) bis zum Jahre 2020, so Stadtwerke-Sprecherin Christina Näckel.

Beteiligung an Windpark Hiddensee

300 Millionen Euro will die relativ kleine Gesellschaft bis dahin in neue Anlagen und Know-How pumpen. Geschäftsführer Matthias Trunk spricht von „großen notwendigen Investitionen“ und „intelligenten Lösungen“, die „uns einige Jahre und viele Mühe kosten werden.“

Da weht den Managern ein rauer Wind ins Gesicht. Aber der ist sogar gewollt. Die junge Gesellschaft, die sich gerne als „grüne Tochter“ der Stadtwerke präsentiert, setzt in erster Linie auf Windkraft, denn da ist der meiste Strom zu holen. Längst will man sich nicht mehr allein mit Pilot-Projekten wie in Willich mit zwei Windrädern abgeben.

Wie die NRZ bereits berichtete, beteiligen sich die Tochter auch an dem geplanten großen Windpark in der Ostsee bei Hiddensee. Diese sogenannten „Off-Shore-“-Anlagen produzieren auf See deutlich mehr Strom als die „On-Shore“-Windräder auf dem Land. „Auf dem Meer gibt es riesige Potenziale an Windkraft“, weiß auch Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Düsseldorfer Bundes für Umwelt- und Naturschutz. Aber: Solche Großanlagen können auch „massiv in das Ökosystem“ eingreifen, Meeressäugetiere, Wale und Zugvögel bedrohen. „Das muss in jedem Einzelfall geprüft und bewertet werden - genauso wie bei einem Kohlekraftwerk“, so Jansen, der gleichzeitig betont, dass die Umweltschützer die „naturverträgliche Erschließung der Windkraft“ voll unterstützen, damit Atomkraftwerke schneller abgeschaltet werden und bis 2050 auch auf fossile Brennstoffe ganz verzichtet werden kann.

Nur 1300 von 300.000 Kunden beziehen „Naturrhein-Strom“

Wer solange nicht warten will, kann selbst auf Öko-Produkte zurückgreifen, die allerdings teurer als herkömmliche Tarife sind. Die Stadtwerke werben beispielsweise mit „Naturrhein-Strom“, der ausschließlich in österreichischen Wasserkraftanlagen gewonnen wird - und zwei bis sechs Prozent mehr kostet.

Doch der Kreis der Öko-Individualisten ist bescheiden. Von den über 300.000 Stadtwerke-Privatkunden beziehen nicht mal 1300 den „Naturrhein-Strom“. Durchschlagende Erfolge im Klimaschutz sind nur möglich, wenn große Versorger wie die Stadtwerke ihre Produkte für alle Kunden umweltfreundlicher machen. Die Stadtwerke-Tochter „Grünwerke“ steht erst am Anfang der Herausforderung. Sie wird sich noch an viel mehr Windrädern beteiligen müssen.

Sie wird sich auch auf ihr zweites Standbein stellen und den Ausbau der Sonnenenergie fördern. In den nächsten Wochen will „Grünwerke“ neue Photovoltaik-Projekte in Düsseldorf vorstellen.

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