Altstadt

Wirte wünschen sich mehr Düsseldorfer in der Altstadt

Zukünftige Silvester

Foto: Bretz, Andreas

Zukünftige Silvester Foto: Bretz, Andreas

Wirtin Isa Fiedler zieht ihre Silvester-Bilanz. Sie setzt sich für die Kneipenkultur ein und wünscht sich mehr Düsseldorfer in der Altstadt.

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Isa Fiedler vom „Knoten“ ist Sprecherin der Altstadt-Wirte. Im Gespräch offenbart sie, wie sie Silvester erlebt hat und warum sie sich mehr Düsseldorfer in der Altstadt wünscht.

Frage: Wie war Silvester?

Isa Fiedler: Durchwachsen. Es war friedlich, das ist nach den Erlebnissen der beiden vergangenen Jahre ein klarer Pluspunkt. Aber es waren einfach zu wenig Düsseldorfer in der Altstadt, die nach Mitternacht früher gerne noch in den Kneipen weitergefeiert haben. Das machte sich bei einigen Wirten auch beim Umsatz bemerkbar.


Die Altstadt war ja durchaus voll, trotz des Regens.

Das ist richtig. Da waren aber sehr viele Gruppen unterwegs, die mit unserer Kneipenkultur nicht so viel anfangen können oder wollen – und die deshalb auch in den meisten Lokalen nicht sehr willkommen sind.


Das Böllerverbot hat nicht so gut funktioniert wie im vorigen Jahr.

Weil es nicht so strikt kontrolliert wurde. Da muss sich die Stadt mit der Polizei besser aufstellen – wenn man es denn so beibehalten will.


Sind Sie dagegen?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin begeistert davon, dass sich die Szenen vergangener Jahre, dieses wilde, rücksichtlose und unsachgemäße Geknalle, nicht mehr wiederholen. Aber wir müssen auch mal darüber nachdenken, was wir da für eine Botschaft senden. Viel Polizei und Böllerverbot – das ist nun nicht gerade die Attraktion, für die Gäste gerne in die Altstadt fahren.
Oscar Bruch hatte voriges Jahr schon die Idee eines organisierten Feuerwerks ins Spiel gebracht.

Die finde ich hervorragend. Und ich wünsche mir von der Stadt, dass sie sich dieses Themas positiv annimmt. Die Altstadtwirte und Oscar Bruch allein können das finanziell nicht stemmen. Aber es liegt doch im ureigensten Interesse der Stadt. Viele Menschen würden sofort nach Düsseldorf kommen, wenn es ein professionelles Silvesterfeuerwerk gebe. Wir sehen das am Japantag und bei der Kirmes – nur ausgerechnet an Silvester gibt’s nichts in Düsseldorf. Das kann es doch nicht sein.


Nun ist ja noch ein Verbot geplant: der nächtliche Alkoholverkauf an den Büdchen. Wie sehen Sie das?

Aus Sicht der Wirte ist das natürlich sehr gut und sinnvoll. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das auch auf die Sicherheit positiv auswirkt, denn an den Büdchen gibt es längst nicht die soziale Kontrolle wie in den Lokalen. Wenn bei uns ein Betrunkener ist, der sich daneben benimmt, dann werfen wir den raus. Statt am dann am Büdchen weiterzutrinken, kann er künftig nach Hause fahren und seinen Rausch ausschlafen – das ist gut für ihn und auch für den Charakter der Altstadt


Ihr Kollege Gatzweiler vom Schlüssel hat sich die alte Bolkerstraße zurückgewünscht. Teilen Sie diesen Wunsch?

Ich finde besser, sich mit der tatsächlichen Situation auseinanderzusetzen, anstatt alten Zeiten hinterherzutrauern. Die waren auch nicht viel besser. Es gab die Hochphase der Hooligans, die sich hier Straßenschlachten geliefert haben, Gangsterbanden vom Balkan in den 1970er Jahren – jede Zeit hatte in der Altstadt immer auch ihre Negativschlagzeilen.


Trotzdem halten heute viele die Altstadt für gefährlicher als je zuvor.

Dabei ist sie seit zwei Jahren so sicher wie noch nie. Wir haben jedes Wochenende und vor jedem Feiertag reichlich Polizei in der Stadt, immer einen zusätzlichen Zug der Hundertschaft – das hat vieles besser gemacht. Und dass die Bolkerstraße nun an diesen Tagen durchgängig videoüberwacht ist, ebenfalls. Natürlich gibt es trotzdem noch Straftaten – aber das hält sich, angesichts der Masse Menschen, die hier an solchen Abenden feiern, in Grenzen.


Also ist die Altstadt von heute die, die Sie sich wünschen?

In punkto Sicherheit ja. Aber natürlich gibt es auch Dinge, die mich stören. Die oft zitierte Verrohung der Gesellschaft erleben wir ja hier auch. Schlägereien, die nicht mehr enden, wenn einer am Boden liegt, Auseinandersetzungen, die mit Messern geführt werden – das will niemand. Also, wenn es schon ums wünschen gehen muss: Ich wünsche mir eine Altstadt ohne die Leute, die ständig auf Ärger aus sind, die Gewalt provozieren und andere bestehlen.


Weil dann auch die Düsseldorfer wiederkämen?

Ich hoffe es. Ich finde schade, wenn gerade die Düsseldorfer, die ja ihre Stadt sehr lieben, die Altstadt immer wieder schlecht reden. Mag ja sein, dass der ein oder andere die Läden nicht mehr findet, in die er früher gegangen ist. Das hat aber nicht selten etwas damit zu tun, dass sich in einigen Jahren nicht nur die Läden, sondern auch die Leute verändern. Und wir haben ein tolles und vielfältiges Angebot in der Altstadt – wenn man aus der früheren Stammkneipe rausgewachsen ist, findet man problemlos eine neue, die jetzt besser passt.

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