Arbeitsmarkt

Zahl schwerbehinderter Menschen ohne Arbeit steigt

Menschen mit schwerer Behinderung werden trotz guter Ausbildung oft nicht wieder eingestellt.

Menschen mit schwerer Behinderung werden trotz guter Ausbildung oft nicht wieder eingestellt.

Foto: Daniel Maurer

Düsseldorf.   Nicht alle profitieren vom Aufschwung im Arbeitsmarkt – Förderungen sollen helfen.

Obwohl die Zahl der Arbeitslosen in Düsseldorf im November um 0,1 Prozent im Vergleich zum Oktober leicht anstieg, bleibt die Jahresquote mit bislang 23 392 Arbeitslosen auf einem historisch niedrigen Niveau. Von der generell positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes profitieren sowohl Jugendliche als auch Menschen mit schwerer Behinderung.

Bei Letztgenannten konnte das Arbeitsverhältnis Ende 2015 (letzter Stand) zwar auf 16 381 Beschäftigte um 2,2 Prozent gesteigert werden – trotz der positiven Entwicklung wird aber deutlich: Der Anteil schwerbehinderter Menschen an der Arbeitslosigkeit nimmt zu – dieses Jahr machen sie mit 1837 rund 7,5 Prozent der Erwerbslosen aus.

Arbeitgeber rechnen mit Förderung

Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe: „Zum einen steigt das Risiko zur Schwerbehinderung mit dem Alter, und demnach sind die Personen deutlich älter als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung“, sagt Silke Uellendahl von der Düsseldorfer Arbeitsagentur.

Mit dem Alter sinkt dann die Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt, die Konsequenz daraus ist, „dass die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen deutlich länger andauert als bei Arbeitslosen ohne Schwerbehinderung“, heißt es bei der Agentur für Arbeit. Ähnlich wie bei Langzeitarbeitslosen profitieren diese Menschen daher kaum von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Trotz dieser Entwicklung steigen aber die Chancen für Menschen mit Schwerbehinderung auf ein Arbeitsverhältnis: Der unaufhaltsame demografische Wandel, der wachsende Bedarf an Fachkräften und das Bewusstsein für ein stärkere Diversität haben zu einem Umdenken geführt, sagt Roland Schüßler, Chef der Düsseldorfer Arbeitsagentur.

Denn ein Großteil der Menschen mit schwerer Behinderung – in Düsseldorf immerhin jeder zwölfte Einwohner – ist gut qualifiziert: Der Agentur für Arbeit zufolge sind demnach 53 Prozent der Schwerbehinderten als Fachkraft ausgebildet – bei Menschen ohne Schwerbehinderung sind es hingegen 38 Prozent. „Immer mehr Arbeitgeber erkennen dieses Fachkräfte-Potenzial und engagieren sich“, betont Schüßler.

Deshalb sind vor allem besserqualifizierte Arbeitsplätze gefragt: „Berufe in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Unternehmensberatung, Gesundheitswesen und Großhandel sind deshalb bei Menschen mit schwerer Behinderung besonders gefragt“, sagt Uellendahl.

Anreize für Arbeitssuchende und Unternehmen

Gleichzeitig versucht die Stadt mit Maßnahmen und Förderprogrammen den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Spezialisierte Berufsberatungen etwa helfen Arbeitssuchenden nach Beschäftigungsverhältnissen, zudem wird die behindertengerechte Ausgestaltung von Arbeitsplätzen finanziell unterstützt: „Dafür und für die Aus- und Weiterbildung steht ein Jahresbudget von etwa zehn Millionen Euro zur Verfügung“, so Uellendahl.

Nicht nur Arbeitssuchende können auf Hilfsmaßnahmen zurückgreifen, auch Arbeitgeber können mit Förderleistungen rechnen: „Für Unternehmen stehen speziell geschulte Vermittlungsexperten bereit, zudem gibt es besondere Förderangebote. Wir fördern die Finanzierung von behinderungsbedingt erforderlichen Umbauten im Betrieb, zudem gibt es Eingliederungszuschüsse über eine längere Laufzeit“, sagt Uellendahl.

Zahlen bleiben verbesserungswürdig

Dennoch bleiben in Düsseldorf tausende Pflichtarbeitsplätze unbesetzt, die im Jahr 2000 vom Gesetzgeber zur Förderung Schwerbehinderter zugesichert wurden. Obwohl vor zwei Jahren rund 11 400 Pflichtarbeitsplätze bei privaten Unternehmen und 23 400 bei öffentlichen Arbeitgebern mit schwerbehinderten Menschen besetzt waren, blieben knapp 7000 Pflichtarbeitsplätze unbesetzt.

Die Besetzungsquote der Pflichtarbeitsplätze ist im Vergleich zum Vorjahr von 5,3 Prozent auf 5,1 Prozent gesunken und liegt somit unter dem NRW-Schnitt.

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