Rauchverbot

Zehn Jahre Rauchverbot: Sind die Kneipen wirklich rauchfrei?

Ob gewollt oder nicht: Seit 2013 herrscht in allen Kneipen NRWs ein Racuhverbot - zumindest offiziell.

Foto: Martin Gerten

Ob gewollt oder nicht: Seit 2013 herrscht in allen Kneipen NRWs ein Racuhverbot - zumindest offiziell. Foto: Martin Gerten

Düsseldorf.   Vor zehn Jahren gab es die ersten Rauchverbote in Deutschland, im Mai 2013 die drastische Verschärfung in NRW. Was brachten die Verbote?

Als vor zehn Jahren erstmals von einem Rauchverbot in öffentlichen Räumen die Rede war, ließen die Proteste nicht lange auf sich warten. Raucher fühlten sich benachteiligt, Gastwirte fürchteten Umsatzverluste, Zeitungen beklagten die Verdrängung eines Kulturguts. Was zunächst auf Bundesebene von rot-schwarz auf den Weg gebracht werden sollte, wurde bald zur Ländersache. Und die gingen anfangs sehr unterschiedlich vor. NRW verabschiedete 2008 noch eines der lockersten Nichtraucherschutzgesetze. Rauchen war zwar in Gaststätten verboten, doch durch zahlreiche Ausnahmeregelungen umgehbar.

Das änderte sich 2013, als die rot grüne Landesregierung durchgriff. Seitdem herrschen nur noch in Bayern striktere Rauchverbote als in NRW. Was hat sich seitdem verändert? Hat sich der Rauch aus den Kneipen wirklich verzogen?

Verstöße nehmen laut Ordnungsamt in Düsseldorf ab

Laut Düsseldorfs Ordnungsamt klar „Ja“. Konnten 2008 bei Einführung des Rauchverbots noch etwa 200 Verstöße festgestellt werden, waren es nach Verschärfung nur noch 53 Verstöße und 2016 wurden gerade einmal 22 Verfahren wegen Verstoß gegen das Nichtraucherschutzgesetz eingeleitet.

NRZ-Leser Werner Löffelsend hält die Erfolge für scheinheilig. „In sämtlichen Kneipen schlägt einem der Rauch schon beim Betreten entgegen“, sagt er. Er selbst leidet an der Atemwegserkrankung COPD. Und das obwohl er seit 41 Jahren Nichtraucher ist. Darum begrüßt er die verschärfte Gesetzeslage in NRW und die Entwicklung der vergangenen Jahre – doch für ihn geht das nicht weit genug. „Die Kontrollen nehmen immer weiter ab, kaum ein Wirt muss eine Bußgeldstrafe fürchten. Das spricht sich natürlich rum“, sagt Löffelsend. Und fordert verschärfte Kontrollen durch das Ordnungsamt, vor allem in den Randbezirken Düsseldorfs. „Die Altstadt-Wirte mögen sich ja noch an die Regelungen halten, je weiter man jedoch rausfährt, desto mehr Augen werden zugedrückt“, beklagt sich der 73- jährige aus Unterbach.

Mehr Verbote für weniger Raucher

Manfred Wieske, Landesleiter der Initiative Pro Rauchfrei in NRW beurteilt die Entwicklung in Düsseldorfs Kneipen hingegen positiv. „In Gaststätten ist das Rauchverbot sowieso längst kein Thema mehr. Es geht nur noch um einige wenige Eckkneipen, die noch gegen das Verbot sind“, sagt er. Und selbst dort, ist der Konsum seit Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes deutlich zurückgegangen.

„Die Verschärfung war ein Riesenfortschritt für den Nichtraucherschutz. Das vorherige Gesetz mit seinen unzähligen Ausnahmeregelungen war nicht überwachbar“, sagt er. Doch für Wieske ist die Situation auch in NRW noch nicht perfekt. „Jede positive Entwicklung hat natürlich auch ein paar negative Nebenwirkungen. So kommt es jetzt vor den Kneipen und Gaststätten zu großen Rauchertrauben und man muss sich erst den Weg durch den Qualm bahnen.“ Darum spricht sich Pro Rauchfrei für weitere Regelungen aus – wie die Errichtung von Schutzzonen vor Eingängen.

Deutschland gehört zu den liberalsten Ländern europaweit

Im europaweiten Vergleich ist Deutschland eines der liberalsten Länder. Europaweit schneidet nur Österreich im Nichtraucherschutz schlechter ab. Die Gesetze in den anderen Ländern umfassen neben ausnahmslosen Rauchverboten an öffentlichen Orten auch Zigarettenwerbung. Fakt ist: Der Anteil der Raucher weltweit schrumpft stark. Laut dem Fachblatt „The Lancet“ ist er zwischen 1990 und 2015 um fast ein Drittel auf 15,3 Prozent zurückgegangen. Die deutliche Mehrheit der Raucher: Männer. Jeder vierte Mann raucht regelmäßig, aber nur 5,4 Prozent der Frauen. Demnächst also ein Rauchverbot für Männer? Undenkbar scheint es nicht.

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