Krankenhaus warnt

Zettel mit falschen Tipps zu Kindstod in Düsseldorf verteilt

Solche Schlafsäcke schützen Neugeborene vor dem Plötzlichen Kindstod.

Solche Schlafsäcke schützen Neugeborene vor dem Plötzlichen Kindstod.

Foto: Johannes Kruck / NRZ

Düsseldorf.  Das Florence-Nightingale-Krankenhaus im Düsseldorfer Norden distanziert sich von falschen Handzetteln. Anzeige bei der Polizei erstattet.

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Im Düsseldorfer Norden haben Unbekannte Handzettel mit falschen Empfehlungen zur Verhinderung des Plötzlichen Kindstods verteilt. Besonders erschreckend: Die Zettel waren mit dem Logo des Florence-Nightingale-Krankenhauses bedruckt. Der Träger des Krankenhauses, die Kaiserswerther Diakonie, distanzierte sich ausdrücklich von den Drucken.

„Die Empfehlungen sind falsch und gefährden das Wohl der Babys. Das Logo des Florence-Nightingale-Krankenhauses und sein guter Ruf sind hier missbraucht worden, um unsachgemäße, wissenschaftlich nicht haltbare Empfehlungen zu verbreiten“, wird Dr. Holger Stiller, Krankenhausdirektor und Vorstand der Kaiserswerther Diakonie, in einer Mitteilung des Krankenhaus zitiert.

Aufmerksam geworden sei die Klinik für Kinderheilkunde durch eine Mutter, die von dem „seltsamen, unprofessionellen Zettel“ erzählte, wie eine Sprecherin der Kaiserswerther Diakonie auf Anfrage mitteilte. Außerdem war der Handzettel im Rahmen eines Termins von einer Mutter in einer Kinderarztpraxis angesprochen worden. „Ein weiterer niedergelassener Arzt hat sich inzwischen gemeldet und ebenfalls hiervon berichtet“, so die Sprecherin.

Wie der Zettel in den Umlauf gekommen ist und wer ihn geschrieben hat, weiß die Klinik bisher nicht. Der Vorstand der Kaiserswerther Diakonie hat bereits Anfang Oktober Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt erstattet. In dem Schreiben ist unter anderem die Rede davon, dass der Plötzliche Kindstod seltener in Ländern auftritt, wo Babys nachts bei ihren Müttern schlafen. Dieser Behauptung und anderen vermeintlichen Empfehlungen aus dem Schreiben widerspricht das Krankenhaus vehement.

Florence-Nightingale-Krankenhaus gibt Tipps

„Babys sollten im ersten Lebensjahr grundsätzlich zum Schlafen auf den Rücken gelegt werden, nie auf den Bauch“, betont Dr. Martin Berghäuser, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde des Krankenhauses. Auch die Seitenlage sei nicht zu empfehlen, da das Baby aus dieser Position im Schlaf leicht auf den Bauch rollen kann. „Ein Schlafsack hält warm, hält die Atemwege frei und verhindert gleichzeitig, dass sich das Kind im Schlaf auf den Bauch dreht. Nachts sollten Säuglinge im Elternschlafzimmer schlafen, nicht im Elternbett, sondern in einem eigenen Bett.“

Infolge der Empfehlungen der Bundesgesundheitszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) seien die Fälle von plötzlichem Kindstod in Deutschland um nahezu 80 Prozent zurückgegangen. Doch noch immer sterben zuvor gesunde Babys unerwartet und ohne erkennbaren Grund, in 2017 sind 131 Säuglinge am Plötzlichen Kindstod verstorben.

Um den Plötzlichen Kindstod zu verhindern sollten Eltern laut dem Krankenhaus folgende Schlafempfehlungen beachten:

  • Babys sollten im ersten Lebensjahr immer in Rückenlage schlafen
  • Babys sollten im Schlafsack ohne zusätzliche Decke schlafen
  • Babys sollten in einem eigenen Bett im Elternschlafzimmer schlafen
  • Babys sollten bei einer Raumtemperatur von ca. 16 bis 18 Grad Celsius schlafen
  • Babys sollten in rauchfreier Umgebung leben, nicht nur nachts
  • Babys sollten möglichst vier bis sechs Monate gestillt werden
  • Babys sollten regelmäßig vom Kinderarzt oder der Kinderärztin untersucht werden

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