Oper

Zwei Schüler machen an der Rheinoper ‘den Affen’

Joschka Hinrichs und Laurens Bernhard (schwarzer Pullover) sind Jung-Darsteller an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf.

Foto: Fabian Strauch

Joschka Hinrichs und Laurens Bernhard (schwarzer Pullover) sind Jung-Darsteller an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Foto: Fabian Strauch

Duisburg/Düsseldorf.   Zwei Duisburger Schüler sind Jungdarsteller an der Deutschen Oper am Rhein. In der Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ spielen sie Affen.

Um dieses Kostüm würde wohl mancher Narr in diesen kalten Karnevalstagen die beiden Duisburger Jungs beneiden – ein Unikat, maßgeschneidert und kuschelig warm. Das würden Joschka Hinrichs und Laurens Christopher Bernhard vermutlich auch zu schätzen wissen, wenn sie so gewandet mit anderen Verkleideten durch die Straßen tollen würden. Das tun sie aber eben nicht. Stattdessen turnen die beiden 14-Jährigen über die Bühne und machen für die Deutsche Oper am Rhein den Affen. Denn derzeit mimen die beiden Duisburger Gymnasiasten in der Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ das Plüschtier des kleinen Max, das nachts lebendig wird und mit dem ungestümen Jungen und den wilden Kerlen durch die Wohnung tobt.

Nach sechs Vorstellung im Duisburger Haus springen sie jetzt bis Juli auf der Düsseldorfer Bühne treppauf, treppab, über Tische und Stühle, krallen sich in den Kristalllüster und schaukeln überm Hummer-Mahl. Jede Aufführung wechselt der Plüschtier-Darsteller, denn was für das Publikum nach lustigem Affenspiel aussieht, ist richtig anstrengend.

Klitschnass geschwitzt

„Am Ende bist du klitschnass geschwitzt“, sagt Laurens. „Wenn ich am Anfang in der Spielkiste hocke, freue ich mich schon aufs Ende“, gibt Joschka zu. Einerseits natürlich wegen des Beifalls, andererseits weil er dann wieder aus dem Kostüm rauskommt. „Das ist enorm warm da drin und durch den Kopf kann man sehr wenig sehen.“ Deshalb freue er sich immer, wenn er nach der Toberei neben Max eine kleine Weile ruhig auf dem Bett liegen könne. „Da kann ich dann etwas entspannen“, meint Joschka. „Nee, ich gar nicht“, wirft Laurens ein. „Ich bin immer froh, wenn ich im Kronleuchter hänge. Das ist entspannend.“ „Find ich nicht. Das ist doch total anstrengend, sich da noch mal raufzuschwingen“, ist Joschkas Sicht.

Einen Monat lang haben sich die beiden auf die Rolle vorbereitet. Geholfen hat ihnen dabei Regisseur Philipp Westerbarkei. Er hat ihnen Doku-Videos über Affen und den Film „Tarzan“ mitgegeben, damit sie sich die Bewegungen von Primaten ansehen konnten. Joschka: „Das Schwierige ist, wie ein Affe zu laufen. Besonders auf der Treppe.“ Zwei bis drei Mal in der Woche haben sie auf der Probebühne in Wanheimerort trainiert. Beide profitierten davon, dass sie auch Sport treiben. Während der Duisserner Joschka für TuRa 88 kickt, schwingt Laurens aus Huckingen für den Krefelder Club CHTC den Feldhockeyschläger.

Ein Elternteil muss immer bei den Proben sein

Wer ins Affenkostüm steigt, hing immer auch von den Trainingszeiten ab und wann die Eltern der beiden Zeit hatten. Denn solange Joschka und Laurens noch nicht 15 sind, was sie in diesem Jahr werden, muss bei jeder Probe und bei jeder Vorstellung ein Erziehungsberechtigter dabei sein.

In Düsseldorf wird sich aber bis zum Juli nur noch Laurens affig benehmen. Für Joschka steht schon im Mai die nächste Rolle an. In der Wiederaufnahme der Oper „Peter Grimes“ um einen raubeinigen Fischer, der einen Lehrling getötet haben soll, übernimmt Joschka als Statist die Rolle eines der von Grimes gepeinigten Jungen. „Da muss ich irgendwo runterfallen.“ Das ist momentan alles, was er über seinen neuen Part weiß, der schon sein dritter sein wird, obwohl er anfangs von seiner Mutter überredet werden musste, als Statist ans Theater zu gehen.

„Ich hätte gerne einen Kopfschuss“

Im Vergleich dazu ist Laurens bereits ein alter Bühnenhase. Vor beinahe acht Jahren kam er durch eine Klassenkameradin an die Oper. In „Die Frau ohne Schatten“ stand er als junges Opfer des ersten Weltkriegs auf der Bühne. „In schwarzen Hosen und weißem Hemd mit Blut aus Schnitt- und Schusswunden“, erinnert er sich. „Das war witzig in der Maske. Ich durfte mir sogar meine Wunde aussuchen. Da hab’ ich gesagt, ich hätte gerne einen Kopfschuss“, erzählt Laurens und setzt dann erklärend hinzu, „ich war damals sieben, da fand’ ich das lustig.“

Freude haben beiden an ihren Theaterjobs nach wie vor. Und das nicht nur, weil sie für Proben und Auftritte vom Unterricht befreit werden. „Ich find’s cooler als zum Beispiel Zeitungen auszutragen“, meint Laurens. „Beim Theater macht’s Spaß und dafür kriegt man noch Geld.“ Dumme Sprüche von Schulkameraden hat bislang weder Joschka, der das Duisburger Hildegardis-Gymnasium besucht, noch Laurens, der aufs Theodor-Fliedner-Gymnasium in Kaiserswerth geht, kassiert. Joschka: „Ich hab’ noch nie einen doofen Spruch gedreht bekommen. Höchstens mal von einem Fußballkumpel.“

>>> Info

Die Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ ist heute noch einmal im Opernhaus Düsseldorf zu sehen. Um 18 Uhr beginnt die Familienvorstellung. Weitere Aufführungen: So. 15. April, Do. 21. Juni und Di. 3. Juli, jeweils von 11 bis 11.45 Uhr. Im Theater Duisburg sind die „wilden Kerle“ in dieser Spielzeit nicht mehr zu erleben.

Die Wiederaufnahme von Bejamin Brittens Oper „Peter Grimes“, in der Joschka mitspielt, steht am 6. und 8. Mai im Theater Duisburg, am 29. Juni sowie am 5. und 10. Juli im Opernhaus Düsseldorf auf dem Spielplan.

Weitere Informationen zum Stück, Terminen und zu Eintrittskarten für die Aufführungen an der Oper in Düsseldorf finden sich hier.

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