Covid-19

132 Corona-Tote in Duisburg – 59 Opfer jünger als 80 Jahre

In Duisburg wurden bis zum 18. November 132 Menschen erfasst, die mit oder an Corona gestorben sind. (Archivbild)

In Duisburg wurden bis zum 18. November 132 Menschen erfasst, die mit oder an Corona gestorben sind. (Archivbild)

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Zahl der Corona-Toten steigt in Duisburg nun schneller. Auf 100 Infektionen kommen 1,4 Todesfälle. Welche Altersgruppen wie betroffen sind.

Mit der zweiten Corona-Welle steigt auch die Zahl der Duisburger schneller, die im Zusammenhang mit Covid-19 sterben. Bis zum 4. Oktober hatte die traurige Statistik 70 Todesopfer ausgewiesen, seither sind in sechseinhalb Wochen 62 weitere hinzugekommen. Bis Mittwoch, 18. November, waren es trotz aller Schutzmaßnahmen insgesamt 132 Todesfälle. Da der bisherige Höhepunkt des Infektionsgeschehens – 1660 Infizierte am 6. November – noch keine zwei Wochen zurückliegt und die Zahl der Neuansteckungen nicht deutlich sinkt, ist in den kommenden Wochen mit vielen weiteren Todesfällen zu rechnen. Was wir über die Duisburger Todesopfer wissen.

Unsere Redaktion verarbeitet Statistiken des Duisburger Gesundheitsamtes . Bis Anfang November gingen in diese Statistiken nur Todesfälle ein, bei denen Covid-19 sicher die Todesursache war. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählt dagegen auch solche Fälle mit, bei denen dies nicht sicher feststeht. So verfährt das Duisburger Amt seit einer Umstellung Anfang November ebenfalls, wodurch in der städtischen Statistik zunächst zwei weitere Todesfälle aus dem Frühjahr aufgenommen wurden.

Corona-Tote: 132 Duisburger an oder mit SARS-CoV-2 gestorben

In die Duisburger Daten gehen seither Personen mit Wohnsitz in Duisburg ein, wenn sie „an“ oder auch „mit“ Covid-19 verstorben sind. Bei allen 132 Todesopfern hat also ein Labor SARS-CoV-2 bestätigt. Dieser Nachweis reicht bereits aus, um in die Statistik aufgenommen zu werden. Durch die Anpassung, sagt Stadtsprecher Jörn Esser, „sollen die Diskussionen vermieden werden, ob der Betroffene ursächlich am Virus verstorben ist oder eine andere Erkrankung Grund für den Tod war“. Diese Unterscheidung könne im Einzelfall medizinisch sehr schwierig sein. Die neue Regelung sorge nun für eine „einheitliche Meldelage“, so Esser.

Gezählt werden also ausdrücklich auch Tote, bei denen nach Einschätzung der Ärzte noch andere Faktoren als die SARS-CoV-2-Infektion zum Tode beigetragen haben. Das Risiko, an Covid-19 zu versterben, ist bei bestimmten Vorerkrankungen höher. „Daher ist es in der Praxis häufig schwierig, zu entscheiden, inwieweit SARS-CoV-2 direkt zum Tode beigetragen hat“, erklärt das RKI. „Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind (, gestorben an ’), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war (, gestorben mit ’), werden derzeit erfasst.“

31-Jähriger ist das jüngste Todesopfer

Die Gesundheitsämter senden ihre Corona-Falldaten nicht direkt an das RKI, sondern an das Landeszentrum Gesundheit (LZG) Nordrhein-Westfalen , welches alle NRW-Daten an das RKI weiterleitet. Das LZG weist im Internet für jede kreisfreie Stadt und jeden Kreis „Verstorbene laborbestätigte COVID-19-Fälle nach Alter und Geschlecht“ aus (siehe Grafik unten). Die wichtigsten Erkenntnisse:

■ In Duisburg waren bislang nur drei Verstorbene jünger als 50 . Der jüngste Betroffene war ein 31-Jähriger, der nach den letzten Informationen unserer Redaktion im Mai keine Vorerkrankungen gehabt haben soll.

■ Fast alle Duisburger Todesopfer gehörten aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen den bekannten Risikogruppen an.

■ In der Gruppe der 80- bis 89-Jährigen wurden bislang die meisten Toten erfasst ( 36,4 % der Todesfälle).

■ Über ein Viertel gehörte der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen an ( 25,8 % ).

■ Etwa ein Fünftel der Todesopfer ( 18,9 % ) war sogar 90 Jahre alt oder älter .

■ 22 Duisburger Todesopfer waren jünger als 70: Zwölf verstarben im Alter zwischen 60 und 69 (9,1 %), zehn waren zwischen 50 und 59 Jahre alt (7,6 %).

Duisburg: 1,4 Todesfälle auf 100 Corona-Infektionen

Der Fall-Verstorbenen-Anteil (englisch „case fatality rate, CFR“) variiert zwischen Ländern, Altersgruppen und im Laufe der Zeit stark. Er liegt laut RKI bei Infizierten bis etwa 50 Jahre aktuell wohl unter 0,1 Prozent, ab 50 steige der Anteil „zunehmend an und liegt bei Personen über 80 Jahren häufig über zehn Prozent“.

So auch in Duisburg: Auf 100 bekannte Corona-Fälle kommen hier bislang 1,4 Todesfälle (NRW-weit: 1,3; Deutschland: 1,5).

Der Fall-Verstorbenen-Anteil steigt in Duisburg mit den Altersgruppen von 0,1 Prozent (30- bis 39-Jährige und 40- bis 49-Jährige) bis zu 16,8 Prozent (90 und älter). Bei den 50- bis 59-Jährigen lag er unter den registrierten Infizierten bislang bei 0,7 Prozent, unter den 60- bis 69-Jährigen bei 2,1 Prozent, unter den 70- bis 79-Jährigen bei 7,9 Prozent, unter den 80- bis 89-jährigen Erkrankten bei 12 Prozent.

Etwa die Hälfte der Todesopfer lebte in Senioreneinrichtungen

Die Duisburger Verteilung weicht nicht auffällig von den NRW-Durchschnittswerten ab. Auffällig ist, dass der Fall-Verstorbenen-Anteil in den beiden Altersgruppen ab 80 in Duisburg etwas niedriger ist.

Eine Erklärung könnten die vielen vorsorglichen Reihentests der Stadt in den Seniorenzentren sein. Dennoch lebte nach Angaben der Stadt etwa die Hälfte der Todesopfer in Senioreneinrichtungen.

[Alle Duisburger Corona-Zahlen in Grafiken]

LGZ: Daten zu Todesfällen nicht so aussagekräftig wie Corona-Fallzahlen

Da „an“ und „mit“ Corona Verstorbene gezählt werden, haben die Daten zu Todesfällen von Infektionskrankheiten „nicht die gleiche Qualität wie die übermittelten Erkrankungszahlen“, gibt Mirko Kösterke zu bedenken, Sprecher des Landeszentrums Gesundheit NRW. „Das liegt unter anderem daran, dass die Feststellung der Todesursache auch nach sorgfältig durchgeführter Leichenschau häufig schwierig ist und die Todesursache oft unklar bleibt – Obduktionen werden nicht bei allen Verstorbenen durchgeführt.“ Zudem liege den Gesundheitsämtern „die Todesbescheinigung zum Zeitpunkt der Meldung teilweise nicht vor“.

>> SCHWERE VERLÄUFE, CORONA-TOTE UND LETALITÄT

■ Nach Angaben von Stadtsprecher Jörn Esser waren am 16. November 134 Covid-Patienten in Duisburger Krankenhäusern in Behandlung, davon 36 auf Intensivstationen. 22 von ihnen mussten beatmet werden (Stand am 10. November: 137 Covid-Patienten stationär/35 intensivmedizinisch/25 beatmet; Stand am 2. November: 106/31/16).

■ Laut RKI wurden in Deutschland bis zum 18. November 855.916 Corona-Fälle und 13.370 Todesfälle gemeldet. Das sind absolut und anteilig deutlich weniger Tote als in anderen stark betroffenen Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation meldete weltweit 1.333.742 Tote bis zum 18. November. Die meisten Todesopfer wurden bislang in den USA gezählt: 245.000.

■ Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der tatsächlich erkrankten Fälle. Dazu liegen keine verlässlichen Corona-Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist. Nicht alle Infektionen werden entdeckt, vor allem Kinder und Jugendliche haben oft keine Symptome.

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