Zweiter Weltkrieg

Als Duisburg vor 75 Jahren in Schutt und Asche lag

Die Poststraße in Trümmern, der Turm der Salvatorkirche und Reste des Rathauses sind noch zu erkennen.

Die Poststraße in Trümmern, der Turm der Salvatorkirche und Reste des Rathauses sind noch zu erkennen.

Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg

Duisburg.  Das Stadthistorische Museum erinnerte am Sonntag an die „Operation Hurricane“. Am 14. und 15. Oktober fielen fast 9000 Tonnen Bomben auf Duisburg.

Am 14. und 15. Oktober warfen mehr als 2000 britische Bomber über Duisburg fast 9000 Tonnen Bomben ab. Es war der bis dahin größte Angriff auf eine deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg. Harald Küst, Historiker von „Mercators Nachbarn“ und den „Portsmouthfreunden“, die der englischen Partnerstadt eng verbunden sind, erinnerte in einer Führung durch das Stadthistorische Museum an den Angriff und wie es dazu kam.

Das „Moral bombing“ und der Luftkrieg über England gehören zusammen

„Es fällt schwer, die Opferzahl von etwa 3000 Duisburgern und das Moral bombing, wie die Briten die Angriffe nannten, einer Bewertung und lokalhistorischen Einordnung zu unterziehen. Allzu leicht gerät der Blick auf Täter und Opfer in ein ideologisches Fahrwasser mehrdeutiger Legitimationen und Aufrechnungen von Bomberlast- und Opferzahlen“, weiß Harald Küst. Darum ging er auch auf den Luftkrieg über England ein.

Dieser begann bereits 1940 und richtete sich zunehmend nicht auf die Zerstörung der britischen Luftverteidigung, sondern ging gezielt gegen die Zivilbevölkerung in den Städten. Hitler habe im September 1940 davon gesprochen, die englischen Städte „auszuradieren“. Als bereits 1941 zunehmend die Alliierten die Lufthoheit gewannen, schlug das Pendel zurück.

Die Moral vor allem der Industriearbeiter sollte untergraben werden

Dabei sei dem „Moral bombing“ eine große Bedeutung zugekommen. Dazu verlas Küst immer wieder Zitate, wie zum Beispiel die Direktive 22 vom 14. Februar 1942 an das „Bomber Command“: „Es ist entschieden, dass das wichtigste Ziel unserer Operation die Moral der feindlichen Bevölkerung ist; insbesondere der Industriearbeiter.“ Darum seien gerade die Arbeitersiedlungen bombardiert worden. „Duisburg wurde insgesamt 311 mal angegriffen. Bereits im Juli 1942 gab es drei Großangriffe.“

Diese seien aber nicht mit der „Operation Hurricane“ zu vergleichen gewesen. Einen Eindruck vermittelt ein Luftbild kurz nach dem Angriff im Oktober 1944, der in mehreren Wellen geflogen wurde und insgesamt 18 Stunden dauerte. Das Bild befindet sich in dem Bereich des Stadthistorischen Museums, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg befasst.

Bericht eines Zeitzeugen: Meiderich war nicht wiederzuerkennen

Das Besondere: Das Luftbild ist der Boden. Da staunten auch bei der Führung einige Besucher nicht schlecht. „Das übersieht man leicht. Daher soll diese Führung auch dazu dienen, die Dinge, die nur auf den zweiten Blick hier in diesem Museum entdeckt werden, zu bestaunen“, sagt Küst. Der Historiker legt großen Wert auf eine ausgewogene Schilderung der Ereignisse. So las er aus den Erinnerungen des Zeitzeugen Hermann Ufermann vor: „Danach erkannten wir Meiderich nicht wieder. Obwohl es Nacht war, wurde die ganze Szenerie taghell vom Feuerschein erleuchtet. In der Nähe der Häuser raste ein unheimlicher Feuersturm und die Luft war voll sprühender Funken.“

Auch englische Bomberpiloten empfanden Schuld

Küst erzählte aber auch von der Frau eines englischen Bomberpiloten. Schon während des Angriffs und vor allem später danach habe ihr Mann große Schuld empfunden, Bomben auf die unter ihm liegende Stadt Duisburg abgeworfen zu haben. Er sei seines Lebens nicht mehr froh geworden, nachdem er vom Ausmaß der Zerstörung erfahren habe und immer wieder in Depressionen verfallen.

Am Ende seines Vortrages fasste Küst die wichtigsten Aufgaben nach Kriegen zusammen: „Versöhnung ist ein besserer Weg als Opferkult und Bombenlastaufrechnung. Die kritische Auseinandersetzung hilft viel weiter als Verdrängung.“