Gesundheit

Auch Uniklinik Köln soll an Krankenkasse BKK Pronova zahlen

Kassen und Ärzte arbeiten nicht miteinander, sondern gegeneinander, sagt Dr. Rüdiger Lang, der gegen Regressforderungen der Pronova BKK kämpft.

Kassen und Ärzte arbeiten nicht miteinander, sondern gegeneinander, sagt Dr. Rüdiger Lang, der gegen Regressforderungen der Pronova BKK kämpft.

Foto: Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Als wirtschaftlichen Schaden deklariert die BKK Pronova nicht die Differenz zwischen Generikum und Originalpräparat, sondern die Gesamtkosten.

Bei den 43.000 Euro, die die BKK Provona von Dr. Rüdiger Lang fordert, handelt sich es sich nicht etwa um den Differenzbetrag zwischen dem Originalpräparat und dem Generikum – die Kasse deklariert die Gesamtkosten der Glivec-Medikation als ihren wirtschaftlichen Gesamtschaden. Das Verhalten der einstigen Bayer-Betriebskrankenkasse, die aus der Fusion mit anderen BKKs hervorging, sei „ein kaltes, nonchalantes Geldgenerierungsmodell“, das „jedweden Anstand vermissen lasse“, so der Duisburger Arzt. Die Pronova entziehe sich damit rückwirkend bis ins Jahr 2017 ihrer Leistungspflicht.

Erfolgreich ist die Forderung allerdings nur, weil es lange durch die Gesetzeslage gedeckt war. Die erlaubte es den Kassen, über vier Jahre rückwirkende Regressanträge zu stellen. Erst mit Wirkung zum 5. Juni 2019 wurden die entsprechenden Paragrafen im Sozialgesetzbuch geändert (SGB V, §106b) - sobald sich Kassen und Ärzte über die Umsetzung geeinigt haben, darf dann nur noch die Differenz zwischen den wirtschaftlichen und tatsächlich verordneten Leistungen eingefordert werden.

Gesetzgeber begrenzt Krankenkassen-Regresse

Der Duisburger Arzt profitiert davon ohnehin nicht – seine Behandlung datiert vor der Gesetzesnovelle. Zahlen soll auch die Hämatologische Ambulanz der Uniklinik Köln. Dort hatte sich Langs Patient ab Juli 2018 wegen der besseren Erreichbarkeit weiter behandeln lassen. Auch die Kölner hatten Glivec verordnet und erwarten deshalb noch eine weitere Forderung – zumindest für die erste Jahreshälfte 2019.

Wenig Spielraum also für die Prüfungsstelle der Ärzte und Krankenkassen. Das mit Ärzten und Kassenvertretern paritätisch (plus ein neutrales Mitglied) besetzte Gremium gab dem Regressantrag der Kasse in voller Höhe statt. Die Beschwerde gegen den Bescheid läuft, nach Auskunft der Prüfungsstelle soll darüber im Februar entschieden werden. Wird seinem Einspruch nicht stattgegeben, muss der Arzt umgehend zahlen. Eine Klage vor dem Sozialgericht, die der Arzt dann erwägt, hat keine aufschiebende Wirkung. „Kassen und Ärzte ziehen nicht mehr an einem Strang, sondern arbeiten gegeneinander“, sagt Rüdiger Lang, „deshalb entmutigt mich der Vorgang.“ Seine Praxis hat er aufgegeben, für onkologische Patienten ist er weiter da: Im MVZ des Malteser St. Johannes in Homberg – da ist er seit Anfang des Jahres als angestellter Arzt tätig.

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