Wohnen

Noch immer kein Aufzug: Hochhaus-Mieter warten seit Dezember

Sieben Etagen ohne Aufzug lassen den Alltag für viele der Bewohner des Hauses an der Lindenallee 15 zur Tortur werden.

Sieben Etagen ohne Aufzug lassen den Alltag für viele der Bewohner des Hauses an der Lindenallee 15 zur Tortur werden.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Rheinhausen.  Rheinhauser Hochhaus ist seit sechs Monaten ohne Aufzug. Die Firma Adler hat die Reparatur verschoben. Neuer Termin: August.

Es kommt selten vor, dass sich Mieter den Lärm einer Baustelle wünschen. Die Bewohner des Hochhauses an der Lindenallee 15 wären aktuell froh, wenn in ihrem Treppenhaus der Hammer kreisen würde. Denn das wäre wenigstens ein Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt. Seit Mitte Dezember schauen sie auf die verschlossene graue Tür des Aufzuges, an dem ein weißer Zettel klebt: außer Betrieb.

Ende März hatten wir darüber berichtet, wie quälend die Lage für die Mieter der oberen Etagen ist, die damals schon seit mehr als drei Monaten ihre Kleinkinder, Einkäufe und sogar Kinderwagen durchs Treppenhaus schleppten, weil Letztere ansonsten geklaut würden. Eine 90-jährige Bewohnerin berichtete uns, dass sie sich wie im Gefängnis fühlt, weil sie die mehr als hundert Stufen nicht alleine bewältigen kann.


Ein offener Aufzugschacht wäre zu gefährlich

Auf unsere Anfrage reagierte die Immobilienfirma Adler, zuständig für die Hausverwaltung an der Lindenallee, und versorgte die bis dato spärlich informierten Mieter auf diesem Wege mit Details zum Zeitplan der Reparatur. „Die Arbeiten zur Erneuerung des Aufzugs werden in drei Wochen starten“, schrieb Rolf-Dieter Grass, der Leiter der Unternehmenskommunikation, am 21. März.

„Zum Glück geht es endlich los“, hatte sich Özgül Duman damals gefreut. Doch der von Adler angekündigte Zeitpunkt verstrich und nichts tat sich. Auch Informationen darüber, warum die Reparatur denn nicht wie versprochen beginnt, gab es für die Hausbewohner keine. Die junge Mutter rief uns wieder an. Enttäuscht und wütend.

„Beim Thema Aufzug hat es leider Verzögerungen gegeben“, antwortete Pressesprecher Rolf-Dieter Grass aus Berlin auf die erneute Nachfrage. Einige Zulieferer hätten längere Lieferzeiten gehabt als ursprünglich angenommen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken seien die Vorarbeiten zurückgestellt worden: „Wir hätten sonst über längere Zeit eine offene Schachtanlage gehabt.“ Statt Mitte April sollen die Arbeiten am Aufzug jetzt laut Adler Anfang Juli beginnen und, so Grass, „spätestens Anfang August abgeschlossen sein.“

Pressevertreter nicht erwünscht

Ein Versprechen, das die Mieter nicht mehr glauben können. Zwischenzeitlich hatten sich im Treppenhaus dramatische Szenen abgespielt, als eine Epileptikerin aus der 6. Etage von den Rettungskräften mit Mühe und Not nach unten gebracht werden konnte.

Vergangene Woche hat sich Bezirksbürgermeisterin Astrid Hanske eingeschaltet und die Firma Adler um ein Gespräch gebeten. Gerne hätte sie uns zu diesem Termin mitgenommen, damit wir aus erster Hand berichten können. Das war den Herren von Adler offenbar zu viel Öffentlichkeit. Sie wollten keine Pressevertreter empfangen.

Die Runde fand trotzdem statt. Mitgebracht hat die Bezirksbürgermeisterin die Zusage, dass der Aufzug im August kommt. Außerdem wolle man der 90-jährigen Bewohnerin bis dahin einen „Trageservice“ anbieten, der sie die Stufen hinauf und hinunter bringt. „Ich werde im Auge behalten, ob der zugesagte Zeitplan eingehalten wir“, sagt Astrid Hanske. In drei Wochen, das hat sie mit Adler verabredet, gibt es den nächsten Bericht.

Auch die städtische Wohnungsaufsicht hat den Fall geprüft. „Hierbei konnte die Hausverwaltung nachvollziehbar die erforderliche umfassende Erneuerung der Aufzugsanlage und die daraus resultierenden weiteren zeitlichen Ablauf darstellen“, so ein Stadtsprecher. Ob dieser nun auch eingehalten wird, darüber werden wir weiter berichten. Das funktioniert auch ohne Gesprächs-Einladung von Adler.

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